60 – 70 – 80
Thomas Doll, Jürgen Pahl, Peter Fischer und Willi Neuberger: Ein Adlerträger-Quartett feiert runde Geburtstage.
Texte: Matthias Thoma, Michael Wiener
Thomas Doll (*9. April 1966)
Der Pechvogel
„Ich habe ja extra eine Pause gemacht. Der Kleinste ist aus dem Gröbsten raus. Und jetzt habe ich Lust, wieder mal den Rasen zu schnuppern. Es kribbelt wieder und es kann losgehen. Ich merke, dass auch mein Trainerteam wieder loslegen will“, sagte Thomas Doll anlässlich seines runden Geburtstages einer großen deutschen Zeitung. Im Sommer 2024 hatte er sein bis dato letztes Trainerengagement in Indonesien beendet, war in jenem Jahr zum vierten Mal Vater geworden. Eine Auszeit folgte – mit Angeboten, aber bislang ohne neuen Job in diesem Bereich. Er sei mental und körperlich fit, fühle sich nicht wie 60 und gehe fünf Mal pro Woche ins Gym, sagte Doll. Bei der Eintracht hatte Doll nach eigener Aussage „die schwierigste Zeit meiner Spielerkarriere und als Person“. Lazio Rom hatte ihn im Frühjahr 1994 nach Frankfurt verliehen, er riss sich die Achillessehne, kehrte nach der verpassten WM 1994 nach Rom zurück, ehe ihn die Eintracht fest verpflichtete. Er verletzte sich erneut, die Eintracht stieg im Sommer 1996 ab – und Doll hatte in knapp zweieinhalb Jahren netto nur 28 Spiele bestritten. „Das war eine harte Zeit, das hat mich gewurmt und ich bin nie wieder richtig auf die Beine gekommen.“ Nun ist Thomas Doll 60 Jahre alt. Alles Gude!
Jürgen Pahl (*17. März 1956)
Der Pokalsieger
Als die Eintracht 1979/80 den UEFA-Pokal gewann, war es für Jürgen Pahl eine besondere Situation. Denn vor fast genau 50 Jahren reiste er mit der Jugendnationalmannschaft der DDR zu einem Länderspiel in die Türkei. Dies nutzte er gemeinsam mit seinem Mannschaftskameraden Norbert Nachtweih zur Flucht. Beide landeten bei der Eintracht – und mussten in jener international so erfolgreichen Spielzeit in Bukarest (Rumänien) und Brünn (Tschechien) antreten. Es gab berechtigte Bedenken, dass er wie Kompagnon Nachtweih als „Republikflüchtling“ Probleme bekommen würde. In dieser Situation hatte die Eintracht das Glück, mit Wolfram Mischnick einen gut vernetzten Politiker im Verwaltungsrat sitzen zu haben. Pahl reckte am Ende den UEFA-Pokal in die Höhe, ebenso wie ein Jahr später den DFB-Pokal. Zwischen 1978 und 1987 absolvierte er insgesamt 177 Pflichtspiele für die Sportgemeinde. Seine Karriere, die bei Traktor Teuchern in Sachsen-Anhalt gestartet war, ließ er bei Rizespor in der Türkei ausklingen. Heute verfolgt Pahl die Eintracht aus seiner neuen Heimat Paraguay. Im November 2018 stand er im Deutsche Bank Park vor über 20.000 Zuschauern bei einem Benefizspiel zwischen „Ronaldinho & Friends“ und den „Adler All Stars“ im Tor der All Stars.
Peter Fischer (*14. März 1956)
Der Präsident
Über Jahrzehnte hat der heutige Ehrenpräsident den Verein geprägt und sein größtes Hobby zur Lebensaufgabe gemacht: Im Jahr 2000 übernahm er das Amt des Präsidenten in einer Zeit, in der sich der Verein in einer schwierigen Phase befand. Noch heute erzählt Peter Fischer schmunzelnd, wie man ihn damals für das Amt überredet habe. Ein Segen für den Klub, wie sich später herausstellen sollte. Mit großer Leidenschaft und Hingabe führte er den Verein als Präsident und bezeichnete ihn stets als seine Familie – und die Eintracht entwickelte sich unter ihm eindrucksvoll weiter, insbesondere die Mitgliederzahl wuchs immer weiter an. Dabei stand für Peter nie nur der sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern vor allem der Zusammenhalt und die Vielfalt im Verein sowie zentrale Werte, die er mit erhobenem Haupt vertrat. So wurde er auch über den Sport hinaus zu einer wichtigen Figur mit politischer Stimme und positioniert sich weiterhin immer wieder klar gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.
Am 14. März feierte der ehemalige Präsident und heutige Ehrenpräsident von Eintracht Frankfurt nun seinen 70. Geburtstag. Auch wenn sich in den vergangenen 70 Jahren vieles verändert hat, ist doch eines gleich geblieben: Die besondere Verbindung zwischen Peter Fischer und seiner Eintracht. Bis heute trägt er sein Herz auf der Zunge und ist Eintrachtler durch und durch. Die Eintracht-Familie gratuliert unserem Ehrenpräsidenten und freut sich auf viele weitere, besondere Momente mit Dir, Peter!
Willi Neuberger (*15. April 1946)
Der Erste 500er
Als die Eintracht am 17. April 1982 den FC Bayern München mit 4:3 besiegte, war das rein sportlich keine Sensation. Es waren jene Jahre, in denen die Münchner in Frankfurt regelmäßig unter die Räder kamen. Das, was von jenem Tag länger hängen bleibt, fand vor dem Spiel statt. Willi Neuberger, damals Rekordspieler der Bundesliga, wurde geehrt, als erster Profi absolvierte er sein 500. Bundesligaspiel und erhielt unter dem Jubel der 60.000 Fans einen großen Blumenstrauß. Gefeiert wurde er wie immer mit langgezogenen „Williiiiiiii“-Rufen, die durchs Stadion hallten. Erst in der Saison 1984/85 wurde Neuberger von Klaus Fichtel überholt, noch heute ist er in der Liste der Fußballer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen unter den Top Ten zu finden (siehe Seite 18).
Insgesamt bestritt Willi Neuberger 520 Bundesligaspiele, in denen er 63 Tore erzielte. Zunächst kickte der gebürtige Klingenberger aber für den BVB. Der hatte den begnadeten Nachwuchsfußballer der TuS Röllfeld 1966 verpflichtet, quasi aus dem Nichts. Neuberger erzählt: „Ich war 21 Jahre alt, habe Kreisliga gespielt. Da meldete sich der BVB, damals amtierender Europapokalsieger, und wollte mich mit einem Vertrag austatten.“ Bis 1971 spielte Neuberger in Dortmund. Dort lernte er auch seine spätere Frau Helga kennen, mit der er heute unweit von Hanau lebt.
Dann wechselte er zu Werder Bremen, 1973 dann zum Wuppertaler SV, er verkaufte sich selbst. „Ich hatte im kicker gelesen, dass der WSV Steuerschulden habe und Spieler verkaufen müsse. Da habe ich mich bei der Eintracht angeboten“, schmunzelt Neuberger heute über die Anekdote aus dem Jahr 1974. In seiner Premierensaison am Riederwald 1974/75 gewann er mit der Eintracht den DFB-Pokal, ein Jahr später erreichte er das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger. Da war er für die Fans längst der „Williiiiii“, bekannt durch seine Schnelligkeit, Flanken und schönen Tore.
Neuberger setzte am Abend vor dem Spiel auf ein heimliches Bier in der Hotelküche („die Leistung hat immer gestimmt“) und lief in seiner Karriere auf allen Positionen außer im Tor auf. Er absolvierte für die Eintracht 349 Pflichtspiele und erzielte dabei 39 Tore. 1980 gehörte er zur Truppe, die den UEFA-Cup gewann, 1981 folgte ein weiterer DFB-Pokalsieg – mit einem herrlichen Dropkicktreffer von Neuberger im Finale gegen Kaiserslautern (3:1). 1983 beendete er seine aktive Karriere und blieb der Eintracht zwei weitere Jahre als Co-Trainer erhalten. Apropos Trainer: 23 an der Zahl hatte er in seiner Profilaufbahn, auch das ist Rekord.
Nach seiner aktiven Zeit bei der Eintracht arbeitete er lange Zeit für adidas. In seiner Freizeit spielt er erfolgreich Golf, eine Blessur an der Hand macht ihm hier allerdings aktuell ein Strich durch die Rechnung. Auch an dieses Hobby kam er über die Eintracht. „Als wir den Europapokal 1980 gewonnen haben, hat uns der Frankfurter Golfclub eingeladen. Wir waren überrascht, das die so ‚Hacker‘ wie uns, die noch nie Golf gespielt haben, eingeladen haben. Aber nach diesen neun Loch habe ich gewusst, das ist das Spiel, das du lernen willst. Golf ist für mich neben dem Fußball der schönste Sport.“ Und für ihn, wenn es die Gesundheit zulässt, neben der Gartenarbeit das größte Hobby des 80-Jährigen, der aus diesem Anlass auch beim Podcast „Eintracht vom Main“ zu Gast war. Alles Gute, Williiiiii!