Goethe und die Eintracht
In 100 Ausgaben der „Eintracht vom Main“ wurden freilich schon großartige Texte publiziert. Nun ist es an der Zeit, erstmals einen großen deutschen Dichter zu Wort kommen zu lassen. Johann Wolfgang von Goethe wurde 1749 in Frankfurt geboren, er lebte unter anderem im heutigen Goethe-Haus in der Innenstadt (Großer Hirschgraben 23-25). Genau das ist unser Eintracht-Ort in dieser Ausgabe.
Zugegeben: Beim Thema Goethe und die Eintracht könnte man uns auf den ersten Blick vorwerfen, uns mit fremden Federn zu schmücken. Aber ist das so? Hat Goethe nur nichts mit der SGE zu tun, weil dem großen Sohn der Stadt die „Ungnade der frühen Geburt“ zuteilwurde und er so nie ein Spiel der Eintracht verfolgen durfte?
Beim genauen Studium seines Werks fallen uns einige Bezüge zur Eintracht auf. Die Flutlichtanlage im Stadion wurde 1959 von Oberbürgermeister Dr. Werner Bockelmann mit den Goethe-Worten „Mehr Licht“ angeschaltet. Und in Goethes Gesamtwerk haben wir mittlerweile elf Eintracht-Belege gefunden, zwei möchten wir an dieser Stelle gerne herausgreifen.
Schauen wir zunächst mal in „Die Leiden des jungen Werther“, Eintrag vom 10. September. Da steht von Künstlerhand geschrieben:
„[…] ‚Werther, sollen wir uns wieder finden? Wieder erkennen? Was ahnen Sie? Was sagen Sie?‘ ‚Lotte‘, sagte ich, indem ich ihr die Hand reichte und mir die Augen voll Tränen wurden, ‚wir werden uns wiedersehn! Hier und dort wiedersehn!‘ – ich konnte nicht weiter reden – Wilhelm, mußte sie mich das fragen, da ich diesen ängstlichen Abschied im Herzen hatte!
‚Und ob die lieben Abgeschiednen von uns wissen‘, fuhr sie fort, ‚ob sie fühlen, wann’s uns wohl geht, daß wir mit warmer Liebe uns ihrer erinnern? O! Die Gestalt meiner Mutter schwebt immer um mich, wenn ich am stillen Abend unter ihren Kindern, unter meinen Kindern sitze und sie um mich versammelt sind, wie sie um sie versammelt waren. Wenn ich dann mit einer sehnenden Träne gen Himmel sehe und wünsche, daß sie hereinschauen könnte einen Augenblick, wie ich mein Wort halte, das ich ihr in der Stunde des Todes gab: die Mutter ihrer Kinder zu sein. Mit welcher Empfindung rufe ich aus: ‚verzeihe mir’s, Teuerste, wenn ich ihnen nicht bin, was du ihnen warst. Ach! Tue ich doch alles, was ich kann; sind sie doch gekleidet, genährt, ach, und, was mehr ist als das alles, gepflegt und geliebt. Könntest du unsere Eintracht sehen, liebe Heilige! Du würdest mit dem heißesten Danke den Gott verherrlichen, den du mit den letzten, bittersten Tränen um die Wohlfahrt deiner Kinder batest.‘ […]“
Auch im ersten Akt des „Götz von Berlichingen“, taucht die Eintracht auf. „[…] ‚Ich erinnere mich seiner, so lange ich lebe, wie er uns liebkoste, unsere Eintracht lobte und den Menschen glücklich pries, der ein Zwillingsbruder seines Freundes wäre.‘ […]“
Fazit: Die beiden Texte zeigen eindeutig, dass sich Goethe zu unserer Eintracht hingezogen fühlte. Schon F. W. Bernstein hat das mit seiner „Goethe-Eintracht“ künstlerisch belegt, und zum 100. Geburtstag des Vereins wurde im Sommer 1999 eine Postkartenserie aufgelegt, in der sich eine Karte mit einer Abwandlung vom „Lied des Lynkeus“ findet:
Zum Sehen geboren,
zum Schauen bestellt,
der Eintracht verschworen,
gefällt mir die Welt.
Ich blick zu den Bayern,
nach Lautern, Berlin:
Ach Siege zu feiern,
bringt Laune und Sinn.
So seh ich in allem
der Liga nur Zier,
und wie mir’s gefallen,
gefall ich auch mir.
Ihr glücklichen Augen,
was je ihr gesehen,
es sei wie es wolle:
das 5:1 war schön!
Uns scheint, als habe Goethe selbst im Lied des Lynkeus bereits Platzhalter für ein zukünftiges Eintracht-Gedicht eingeflochten.
Im Buch „59 Eintracht-Orte“, erschienen 2020, haben Axel Hoffmann und Matthias Thoma einen Stadtführer für alle Adlerträger erstellt. Die „Eintracht vom Main“ druckt exklusiv in jeder Ausgabe Teile eines Kapitels ab.