„Es gibt jeden Tag einen Grund zum Lachen“
Die beiden neunjährigen Emma und Noah konnten als Junior Adler-Reporter Erëleta Memeti mit ihren Fragen löchern. Die 26-jährige Mittelfeldspielerin wechselte Anfang der Saison von der TSG Hoffenheim zur Eintracht und ist seit kurzem die neue Junior Adler-Kapitänin. Welche Rituale sie vor einem Spiel hat und was sie Kindern rät, die manchmal an sich zweifeln, erfahrt ihr hier.

Emma: Wie fühlte es sich an, als Du Fußballprofi geworden bist?
Wunderschön, da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Es ist einem gar nicht so bewusst, dass man jetzt den Weg eingeschlagen hat. Ich habe so lange bei den Jungs gespielt und immer nur Spaß daran gehabt. Und irgendwann stehst Du dann in der Bundesliga, hattest Dein erstes Spiel und kannst es gar nicht glauben. Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Noah: Wann hast Du gemerkt, dass Fußball für Dich mehr als ein Hobby ist?
Oh, das kam ganz, ganz spät. Ich habe bis ich 17 Jahre alt war noch bei den Jungs gespielt, erst dann kam der Schritt in den Frauenfußball. Als ich dann in der deuschen U-Nationalmannschaft und irgendwann dann auch in der Bundesliga gespielt habe, dachte ich mir schon so: „Oh, ich bin jetzt einfach Profi geworden“.

Emma: Mit wie vielen Jahren hast Du angefangen, Fußball zu spielen?
Ziemlich spät. Ich habe erst mit elf Jahren angefangen. Es gibt viele, die fangen viel früher an.

Noah: Was war der schönste Moment in Deiner bisherigen Karriere und warum?
Es ist immer schön, zu gewinnen oder Tore zu schießen. Aber es gibt natürlich Momente, die werden einem immer im Gedächtnis bleiben. Das erste Spiel in der Nationalmannschaft, das erste Tor in der Bundesliga oder wenn wir ein wichtiges Spiel gewinnen. Letztes Jahr habe ich bei Hoffenheim im DFB-Pokal-Viertelfinal gegen den VfL Wolfsburg gewonnen. Die waren die vergangenen zehn Jahre immer bis ins Finale gekommen und wir haben sie endlich früher rausgekickt. Das war schon ein schöner Moment. Das werde ich nicht vergessen. Und ich habe sogar das Tor zum 1:0-Sieg gemacht. Das war richtig cool.

Emma: Mit wem verstehst Du Dich in Deiner Mannschaft am besten?
Also ich verstehe mich mit sehr vielen Leuten gut. Sei es Laura [Freigang; Anm. d. Red.], Géry [Géraldine Reuteler; Anm. d. Red.], Elisa Senß, Nici [Nicole Anyomi; Anm. d. Red.], Chiba [Remina Chiba; Anm. d. Red.] oder Nina Lührßen. Aber ich würde sagen, die komplette Mannschaft ist wirklich cool und wir haben einen starken Zusammenhalt.

Noah: Gibt es ein Ritual, das du vor dem Spiel hast?
Ja, ganz schön viele Rituale. Ich ziehe zum Beispiel den rechten Schuh vor dem linken Schuh an und bete vor dem Spiel. Ich muss auch vor dem Spiel immer meinen Lipgloss neu machen. Das machen vielleicht nicht so viele, aber ich mache das gerne. Ich dehne und mobilisiere mich auch immer und gehe dann zum Physio. So habe ich meine Routinen vor dem Spiel, die immer gleich sind. Habt ihr Rituale?

Noah: Ich binde mir vor dem Spiel immer den linken Schuh zuerst.

Emma: Ich springe vor dem Spiel immer dreimal nach oben.

Noah: Wenn du ein Spiel noch mal erleben könntest, welches wäre das?
Das Wolfsburg-Spiel im DFB-Pokal, das ich schon erwähnt hatte. Das war schon cool.

Emma: Hast du deine Rückennummer selbst gewählt? Und wenn ja, warum diese Nummer?
Ich habe die 27, aber hätte lieber die Sieben. Die war leider nicht frei, als ich hierherkam. In der Nationalmannschaft habe ich die Nummer sieben. Die Nummer finde ich richtig cool. Als ich früher noch bei den Jungs gespielt habe, war es am Anfang ein bisschen schwierig. Ich hatte als Mädchen immer ein bisschen Angst, ob die Jungs einen richtig aufnehmen. Aber als ich dann bei ihnen gespielt habe, haben sie zu mir gesagt: „Eri, du darfst gerne die Nummer sieben haben“. Die Nummer war heiß begehrt bei den Jungs, die wollte jeder haben. Dann haben sie mir die Nummer gegeben und seitdem finde ich die Sieben richtig cool.

Noah: Was bedeutet Dir Eintracht Frankfurt persönlich?
Ich bin erst im Sommer hierhergekommen, aber ich fühle mich hier seit dem ersten Tag richtig wohl. Es ist alles sehr familiär. Von Anfang an wurde ich hier zu 100 Prozent aufgenommen, mit all meinen Ecken und Kanten, und wurde in allem unterstützt. Das bedeutet mir schon sehr viel. Vor allem als Fußballerin ist es nie leicht, wenn man nicht zu Hause bei den Eltern ist und eine neue Stadt oder Verein kennenlernt. Wenn der Verein einem so entgegenkommt und man sich so wohlfühlt, dass man sich komplett entfalten kann, ist es sehr wichtig.

Emma: Was kannst Du auf Deiner Position besonders gut?
Dribbeln. Dadurch, dass ich ein bisschen kleiner bin, ist es schwieriger für die Gegnerinnen, an den Ball zu kommen. Ich verstecke den Ball so ein bisschen und das ist vor allem für größere Spielerinnen schwer.

Noah: Welche Botschaft möchtest Du Kindern mitgeben, die manchmal an sich zweifeln?
Ich habe am Anfang, als ich mit Fußball angefangen habe, auch ganz doll an mir gezweifelt. Ich hatte zwei Brüder, die Fußball gespielt haben, und da ist mein Papa eines Tages mit mir zum Training gefahren und hat gesagt, dass ich mitspielen solle. Aber ich wollte gar nicht mit den Jungs spielen. Ich hatte mich nicht getraut, weil ich das einzige Mädchen war. Er hat mich dann so ein bisschen dazu gedrängt und ist mit mir auf das Spielfeld gegangen und hat mitgespielt. Ich hatte dann so viel Spaß, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass er irgendwann herausgegangen ist. Ich habe mit den Jungs einfach weitergespielt. So habe ich mit Fußball angefangen. Es spielt keine Rolle, welches Geschlecht du hast oder wie groß du bist. Ich war selbst immer klein, habe trotzdem weitergemacht und mich bei den Jungs durchgesetzt – heute bin ich Profi.

Noah: Warum hast Du denn bei Jungs angefangen?
Ich bin auf dem Dorf groß geworden und da gab es keine Frauen- oder Mädchenmannschaften, nur Jungsmannschaften. Da hatte ich keine andere Wahl. Die nächste Frauenmannschaft war viel zu weit weg und ich hatte keine Möglichkeit, dorthin zu fahren.

Noah: Was war die lustigste Situation in Deinem Leben?
Ich habe nicht einen Moment, aber ich bin generell täglich am Lachen. Es gibt jeden Tag einen Grund zum Lachen. Ich habe lustige Freunde und wir lachen ganz viel. Ich muss auch sagen, dass meine Mama auch sehr, sehr lustig ist. Sie erzählt mir täglich Geschichten, die mich zum Lachen bringen.

Noah: Wenn Du keinen Fußball spielen würdest. Was würdest Du machen?
Schwere Frage. Ich habe als Kind in der Schule oft in Theaterstücken mitgespielt. Mein Vorbild war immer Selena Gomez. Kennt ihr die? Sie hat in "Die Zauberer vom Waverly Place" mitgespielt. Daher wollte ich immer Schauspielerin werden. Aber das wurde wohl nichts.