Get Things done
Babett Peter gewann neun Deutsche Meisterschaften, sieben DFB-Pokale, ein Mal die Champions League, sie spielte 118 Mal im DFB-Trikot und wurde dabei Europa- und Weltmeisterin sowie Goldmedaillengewinnerin bei Olympischen Spielen. Die 37-Jährige hat in ihrer Spielerinnenkarriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Seit dem 1. Januar 2026 ist sie Sportdirektorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt. Über ihre Karriere, ihr Rollenverständnis und ihre Ziele im Herzen von Europa.

Text: Linus Kieser
Foto: Kevin Mattig

Geboren im sächsischen Oschatz waren es vor allem ihre Eltern, die sie früh inspirierten. „Sie kommen aus einer Region, in der es nicht einfach war, sich etwas aufzubauen, aber sie haben es geschafft.“ Diese Werte schreibt sich die 37-Jährige noch heute auf die Fahne. Schon als Spielerin war Peter weit mehr als nur eine verlässliche Verteidigerin. Sie war Führungsspielerin, jemand, der Verantwortung übernahm – als Teil einer goldenen Generation des deutschen Frauenfußballs. In über 100 Länderspielen holte sie alle Titel, die es zu gewinnen gab – darunter Gold bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Ein Moment, der für sie, wenn man sie nach ihrem größten Erlebnis im Sport fragt, bis heute herausragt: „Jede Station, die ich hatte, war besonders. Aber die Olympischen Spiele in Brasilien, in diesem wunderbaren Land, waren unglaublich.“ Jahre später ist ihre Emotion zur Nationalmannschaft ungebrochen: „Jeder weiß, was es bedeutet, für das eigene Land zu spielen – dann auch noch für so eine lange Zeit auf diesem internationalen Niveau. Da kriege ich immer noch Gänsehaut.“

Auf Klubebene trug sie das Trikot der großen (Frauen-) Klubs 1. FFC Turbine Potsdam, 1. FFC Frankfurt, VfL Wolfsburg und von Real Madrid, hinzu kommen ihre ersten Schritte bei den Seniorinnen ab 2004 beim 1. FC Lokomotive Leipzig. Zwischen 2012 und 2014 spielte sie am Main, gewann mit dem von Siegfried Dietrich geführten 1. FFC Frankfurt den DFB-Pokal, lernte die Stadt kennen und schätzen: „Ich habe in Rödelheim gewohnt, kenne den einen oder anderen Spot noch.“

Auch wenn ihre Zeit sportlich durch Verletzungen geprägt war, sind viele Kontakte geblieben. Ein Vorteil für den Neustart: „Das hilft natürlich beim Ankommen.“ Die Eintracht selbst hat sie über die Jahre mit wachsendem Interesse verfolgt. „Man kennt die Eintracht als großen Traditionsverein. Heute sieht man, wie sehr der Klub die Stadt prägt – das finde ich klasse.“ Besonders die Entwicklung im Frauenfußball imponiert ihr: „Es spricht für den Klub, dass die Eintracht eine federführende Rolle mit Blick auf den neugegründeten Ligaverband übernommen hat.“ Dass sie sich bewusst für Frankfurt entschieden hat, liegt auch an einer klaren Wertebasis: „Die Eintracht ist ein sehr attraktiver Klub. Ich verfolge gewisse Werte und sehe diese auch hier. Ich denke, dass hier eine sehr gute Zusammenarbeit zustande kommen kann – weil wir gemeinsam gestalten wollen.“ Genau darin liegt ihr Antrieb: „Ich will Impulse geben, ich will mit meinen Ideen den Verein und die Mannschaft voranbringen.“

Ihr Tatendrang ist unverkennbar. Peter versteht sich dabei als Teamplayerin – eine Rolle, die sie bewusst lebt und deshalb im stetigen Austausch mit der Mannschaft, dem Trainerteam und dem Staff steht. Ihre Erfahrungen als Spielerin sind dabei ein entscheidender Vorteil: „Ich kann mich in verschiedene Perspektiven hineinversetzen – in Spielerinnen, Eltern, Berater. Ich war selbst in verschiedenen Phasen meiner Karriere: jung, erfahren, erfolgreich, verletzt. Das ist ein Erfahrungsschatz, auf den ich großen Wert lege.“

„Wenn man mit Frau und Kind über den Atlantik zieht, glaubt man schon an etwas Langfristiges. Ich bin kein Typ, der von Tür zu Tür springt.“
Babett Peter

Auch ihre internationale Expertise will sie gezielt einbringen. Bei den Chicago Red Stars arbeitete sie nach der aktiven Karriere als Assistant General Manager und sammelte wertvolle Erfahrungen im Management. Dabei kümmerte sie sich um alle sportlichen und organisatorischen Aspekte, die operativen Vorgänge rund um die Mannschaft – von der Reiseplanung bis hin zur Schnittstelle ins Front Office. Eine Rolle, die ihr strategisches Denken weiter schärfte und die sich von der jetzigen Rolle als Sportdirektorin bei der Eintracht nur marginal unterscheidet. Parallel zu ihrem Job in Chicago absolvierte sie das EFC Leadership Programme an der Harvard Business School.

Gerade im Hinblick auf Strukturen und Vermarktung im Frauenfußball sieht Peter in Deutschland noch Entwicklungspotenzial: „Die Business-Seite ist in den USA viel stärker als in Deutschland. Viele professionelle Strukturen sind vorhanden, da können wir uns noch weiterentwickeln.“ Besonders wichtig ist ihr dabei die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Frauenfußballs: „Die Vereine müssen lernen, sich selbst zu vermarkten und eigene Einnahmen zu generieren. Das ist entscheidend für die Weiterentwicklung.“

Auch persönlich war die Zeit in den USA prägend. „Chicago ist eine der schönsten Städte, in denen ich je gewohnt habe, dazu ist es die Heimat meiner Frau.“ Gleichzeitig wurde dort auch klar, dass dieser Abschnitt nicht für immer sein würde. Als der neue Job bei der Eintracht fix war, ging es mit dem gesamten Haushalt – inklusive zweier Kinder, einer Katze und einem Hund – nach Deutschland. Ein wohlüberlegter, jedoch felsfreier Schritt. „Wenn man mit Frau und Kind über den Atlantik zieht, glaubt man schon an etwas Langfristiges. Ich bin kein Typ, der von Tür zu Tür springt.“ Die Rückkehr nach Europa war dennoch immer Teil des Plans: „Es war immer klar, dass wir nach Deutschland oder Europa zurückkehren wollen.“

Mitte Dezember verabschiedete sie sich aus Chicago, kurz vor Weihnachten zog die Familie um – zurück nach Deutschland, in die Nähe von Frankfurt. Dorthin, wo Peter außerhalb des Jobs vor allem eines sein kann: Familienmensch. „Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, ist für mich das wichtigste Gut.“ Wenn es der Alltag zulässt, zieht es sie ans Wasser – am liebsten an den Strand. Auch Sport ist für sie im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten ein wichtiger Ausgleich: „Das Laufen am Lake in Chicago war etwas Besonderes, das will ich auch in Deutschland versuchen weiterzuführen.“ Wenn es um kleine Vorlieben geht, wird sie schnell konkret. Der Sommer ist ihre liebste Jahreszeit, Thailand ihr bevorzugtes Reiseziel, und kulinarisch schlägt ihr Herz für die thailändische Küche.

Aus dieser Balance heraus ist sie in ihrer Position bei Eintracht Frankfurt bereits seit drei Monaten aktiv. Die Marschroute ist klar: „Get things done ist mein Motto. Ich freue mich, hier ein neues Kapitel aufzuschlagen.“ Und wir freuen uns auch.