Konzentration und Fokussierung
Vor einigen Wochen hat Daniel Lerchenmüller die Nachfolge von Pia Merbach als sportlicher Leiter bei Eintracht Frankfurt Tischfußball angetreten. Im Interview spricht er über die Leidenschaft für die Sportart, seine neue Aufgabe und die großen Fußstapfen, in die er tritt.

Gude, Daniel! Wie bist Du zum Tischfußball gekommen?
Zum Tischfußball bin ich zuerst klassisch als Kneipensport und dann über erste Turniere gekommen. Ich wollte unbedingt besser werden, weil ich immer verloren habe. Das hat meinen inneren Ehrgeiz geweckt. Dann habe ich mich auf die Suche nach Vereinen gemacht. So bin ich zum Tischfußball gekommen.

Was fasziniert Dich an der Sportart?
Mich fasziniert der direkte Vergleich. Das ist der Zweikampf, der mal nicht durch Kondition und Fitness erreicht wird, sondern durch Konzentration und Fokussierung. Beim Tischfußball ist es sehr wichtig, in dem entscheidenden Moment da zu sein. Das heißt, nicht nur im Training gut zu spielen, sondern vor allem dann, wenn der Druck kommt. Und da unterscheiden sich die Profispieler von den Kneipenspielern. Wenn es um etwas geht, behalten Profis die Nerven.

Wie kam es, dass Du der neue sportliche Leiter der Tischfußballer bei Eintracht Frankfurt wurdest?
Ich habe schon früh sehr viel für den Tischfußball gemacht, unter anderem auch in anderen Vereinen. Dann bin ich aber zur Eintracht gewechselt, weil mein Herz als Niederräder Bub immer für die Eintracht geschlagen hat. Ich bin genau zur Corona-Zeit gewechselt, dann kam der Lockdown und wir wurden erst einmal ausgebremst. Das hat viele Eintracht-Spieler, die ich verfolgt habe, wieder weggebracht vom Tischfußball. Aber mit Pia [Merbach, seine Vorgängerin; Anm. d. Red.] habe ich immer gern zusammengearbeitet und ihre Arbeit war immer gut und vorbildlich. Ich will jetzt nicht grundlegend etwas verändern, denn sie hat sehr viel richtig gemacht. Es geht nur darum, eine Struktur zu entwickeln, bei der wir nicht so abhängig von einzelnen Personen sind. Wenn ein guter Spieler am Ende viel für den Verein tut, leidet meistens der sportliche Erfolg. Und so versuchen wir dies auf viele zu verteilen, sodass wir gemeinsam ans Ziel kommen!

Welche Aufgaben gehören zu Deiner leitenden Funktion?
In allererster Linie geht es darum, sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit mit allen Positionen – ob Ligakoordinator, Trainingskoordinator, Kassenwart oder Turnierkoordinator – gut funktioniert. Es gehört aber genauso dazu, bei Treffen der Standortverantwortlichen dabei zu sein und abzuklären, welche Veränderungen wir vornehmen, um unser Spiel zu fördern oder um mehr Platz zu schaffen. Ein ebenso wichtiger Teil ist es, am Ende des Tages Rechnungen zu genehmigen, wenn es um Bälle, Bänder oder sonstige Ausgaben geht.

Was zeichnet Tischfußball bei Eintracht Frankfurt Deiner Meinung nach besonders aus?
Die Möglichkeit, turniernah zu spielen. Wir haben einen der besten deutschen Tischfußballer hier vor Ort. Das heißt, du hast im Training die Möglichkeit, gegen sehr gute Spieler in einem Turniermodus zu spielen und dich optimal auf Turniere vorzubereiten. Du hast ein wechselndes Publikum: Spieler, die von weiter her kommen zum Beispiel oder unsere Bundesligamannschaft, die in ganz Deutschland vertreten ist. Das ist eine Möglichkeit, die die Eintracht schafft, sodass du auch als Anfänger die Chance hast, gegen so jemanden zu spielen. Übersetzt im Fußball heißt das: Stell dir vor, du könntest jetzt gegen Ronaldo oder sonst jemanden spielen. Und so etwas ermöglichen wir hier, auf den vielen verschiedenen Tischtypen, die es gibt, um besser zu werden und nach vorne zu blicken.

Was sind Eure Ziele für die nächsten Jahre?
Natürlich ist in erster Linie wichtig, dass wir mit der Bundesligamannschaft Erfolge holen, die Deutsche Meisterschaft gewinnen und wir auch in der Champions League wieder erfolgreich werden. Seit 2018 haben wir da keinen Titel mehr geholt. Aber was mir auch am Herzen liegt, ist der regionale Sport. Wir sind auch in der Hessenliga aktuell mit drei Mannschaften vertreten und mir ist es wichtig, so viele Mitglieder wie möglich zu akquirieren, um zu zeigen, dass es hier nicht nur um Leistung geht, sondern hier auch das Hobby im Vordergrund steht. Dass jeder und jede diese Möglichkeit hat – gerade Menschen, die körperlich vielleicht nicht in der Lage sind zu rennen. Hier kann bis ins hohe Alter jeder und jede spielen. Es liegt mir am Herzen, dass wir eine Gemeinschaft schaffen. Ansonsten versuchen wir weiterhin, die Top-Turniere nach Frankfurt zu holen, wie internationale Meisterschaften oder Deutsche Meisterschaften.

Wie möchtet ihr noch mehr Menschen für den Sport begeistern?
Ich finde, wir müssen bei der Jugend beginnen. Und zwar fängt das in Jugendhäusern und in Schulen an. Auch in anderen Gruppen oder Teams der Eintracht. Wir haben 160.000 Mitglieder bei Eintracht Frankfurt, warum also nicht in der eigenen Familie suchen? Dementsprechend versuchen wir natürlich, auch intern Nachwuchs zu bekommen und diesen im Jugendtraining, das wir mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr anbieten, heranzuführen. Tischfußball verbindet und ist ein super Event auch für andere Sportlerinnen und Sportler als eine gewisse Ablenkung zur eigenen Sportart. Dann entsteht vielleicht doch größeres Interesse, weil einem bewusst wird, dass Tischfußball doch mehr ist, als nur an Stangen zu kurbeln.