Vom Hobbykicker zum Weltmeister
Die Liebe zum Tischfußball entdeckte Thomas Haas bereits in seiner Kindheit. Im Keller lieferte er sich mit seinem besten Freund spannende Duelle am Kickertisch. Mit jedem weiteren Sieg über seinen Kumpel wuchs das Gefühl, unschlagbar zu sein. Doch bei ihrem ersten gemeinsamen Turnier merken die beiden Hobbykicker schnell, dass sie gar nicht so gut sind, wie sie dachten. Das schreckt Thomas aber nicht ab, stattdessen erwacht sein Ehrgeiz und die Motivation, besser zu werden.

Auf eine Menge Training folgte 2013 der erste Schritt in den Profibereich der Junioren. Der erste große Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Der heute 29-Jährige sicherte sich bei der Weltmeisterschaft 2015 einen Treppchenplatz. Zwei Jahre später startete er dann zum ersten Mal in der Herren-Kategorie und qualifizierte sich direkt für die Weltmeisterschaft. Niemand rechnete mit ihm. Als Underdog ließ er alle Favoriten hinter sich und krönte seinen Erfolg mit Gold.

Neben dem großen emotionalen Wert hat der Titel für den Tischfußballer viele Türen geöffnet, berichtet Thomas: Unternehmen buchen ihn, damit ihre Mitarbeitenden bei Messen oder Firmenevents im Rahmen von „Beat the World-Champion“ gegen ihn antreten können. Der gebürtige Hesse sieht darin die Chance, mehr Sichtbarkeit für seinen Sport zu schaffen und Menschen für den Tischfußball zu begeistern. Auch ehrenamtlich ist Thomas seit acht Jahren aktiv. Er ist nicht nur Mitglied im Vorstand der Deutschen Tischfußball-Jugend, sondern auch im internationalen Schiedsrichterwesen, welches beispielsweise das Komitee für Regeländerungen stellt. Ziel der deutschen Tischfußballerinnen und Tischfußballer ist, Teil des Deutschen Olympischen Sportbunds werden. Dadurch hätten Top-Spielerinnen und -Spieler Zugang zu finanzieller Unterstützung und anderen Förderprogrammen.

Bereits vor zehn Jahren liebäugelte Thomas mit dem neu gegründeten Tischfußball-Team bei der Eintracht. Allerdings kamen viele Faktoren zusammen, die ihn zuerst zu anderen Vereinen zogen. Vor zwei Saisons fand dann doch der Wechsel zur Eintracht statt, bei der er nun Teil der Bundesligamannschaft ist. „Die neu formierte Mannschaft, die wir für dieses Jahr haben, ist wirklich großartig und wir fühlen uns alle ziemlich wohl. Es kann also gut sein, dass wir längerfristig in der Konstellation zusammenspielen“, erklärt Thomas.

„Kommt vorbei und versucht, mehr als fünf Minuten dabeizubleiben. Tischfussball hat genauso komplexe Regeln wie andere Sportarten und die versteht man nur, wenn man sich wirklich darauf einlässt!“
Thomas’ Tipp für Anfänger und Interessierte

Im Februar konnte der Sportstudent einen weiteren Titel gewinnen und kürte sich erstmals zum Deutschen Meister im Herreneinzel. Ein lang ersehnter Titel, schied er doch in den vergangenen Jahren immer kurz vor dem Finale aus. Gemeinsam mit seiner Freundin, die er beim Tischfußball in Köln kennenlernte, wurde er in den letzten beiden Jahren Weltranglistenerster. An diesem Erfolg möchte das Paar beim nächsten World Cup 2028 anknüpfen und sich mit der Goldmedaille belohnen.

Mit Blick auf die vergangenen Jahre hat Thomas – neben der Weltmeisterschaft 2017 – ein klares Highlight im Kopf: Kurz nach seinem Sieg wurde er gefragt, ob er als Spieler oder als Coach ein Teil des Teams Europa sein möchte. Diese Frage musste man ihm nicht zweimal stellen: In beiden Funktionen begleitete er daraufhin das Team beim interkontinentalen Wettkampf. Dabei treten die Teams aus Nordamerika, Südamerika, Asien und Europa gegeneinander an. 2018 kehrte das Team Europa erstmals als Sieger nach Haus zurück. Zuvor konnte Amerika im Finale besiegt werden, da Thomas den entscheidenden Ball beim Penaltyschießen hielt. Rückblickend sagt der Tischfußballer stolz: „Es kamen viele Sachen zusammen, die meinen Weg in den Spitzensport geebnet haben und jetzt kann ich sagen, ich bin tatsächlich angekommen und habe meinen Platz gefunden.

 

Warum Tischfußball?

„Ich spiele Tischfussball, weil es neben der körperlichen auch eine grosse psychologische Komponente hat. Es macht mir wahnsinnig viel Spass!“
Henning, 24 Jahre

„Was reizt mich daran? Sich auf kleinstem Raum mit ganz viel Auge fürs Detail und Technik mit den Besten messen zu können. Das ist das, was mich jede Woche wieder zur Eintracht bringt. Ich bin 39 Jahre alt und ich freue mich darüber, dass es egal ist, wie alt man ist. In diesem Sport kann man sich hier immer auf bestem Niveau miteinander duellieren.“
Jan, 39 Jahre