„You are an Ironman“
Schwimmen, Radfahren, Laufen und ein Ziel, das über Monate alles bestimmt hat: der Ironman. Ende Juni ist es in Frankfurt wieder soweit und tausende Sportlerinnen und Sportler stellen sich der großen Herausforderung. Einer, der es im vergangenen Jahr bereits geschafft hat, ist Eintracht-Triathlet Jan Köhler. Er begab sich mit dem Langdistanz-Projekt der Eintracht auf eine Reise, die die EvM-Redaktion begleiten durfte und die allen Ironman-Anwärtern Mut machen soll!
Text: Ann-Katrin Miermeister
Foto: Sportograf
Es war kurz nach vier Uhr morgens am Langener Waldsee. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch Tausende Athletinnen und Athleten bereiteten sich bereits auf einen Tag vor, der ihr Leben verändern konnte. Unter ihnen stand Jan Köhler. Die Nacht war kurz, geschlafen hatte er kaum. Der Wecker klingelte um 1.30 Uhr. Jetzt war er hier – an der Startlinie vom Ironman in Frankfurt am Main. Vor ihm lagen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon über 42,2 Kilometer. Hinter ihm lagen acht Monate Vorbereitung. Acht Monate, in denen sich Vorfreude und Zweifel, Fortschritte und Rückschläge immer wieder abwechselten.
Die Idee entstand bereits im Sommer 2024. Nicht irgendwann, sondern schon im kommenden Jahr sollte es so weit sein. Um sich bestmöglich vorzubereiten, schloss sich Köhler dem Langdistanzprojekt von Eintracht Frankfurt Triathlon an. Das Projekt begleitet ambitionierte Triathletinnen und Triathleten über mehrere Monate hinweg mit strukturierten Trainingsplänen, Leistungsdiagnostiken und gemeinsamen Einheiten bis zum großen Ziel. Im November begann die Vorbereitung: Leistungsdiagnostiken im Laufen und auf dem Rad bildeten die Grundlage für die kommenden Monate. „Da werden die richtigen Trainingsbereiche bestimmt“, erklärt Köhler. „Je nach Saisonzeitpunkt werden dann Schwerpunkte gesetzt und die Intensität entsprechend angepasst.“
Schnell wurde klar, dass die Langdistanz mehr war als nur ein sportliches Projekt. Sie bestimmte seinen gesamten Alltag. 18 Trainingsstunden pro Woche standen bereits im Dezember auf dem Plan. Später wurden es sogar über 20 Stunden. Während andere den Feierabend auf der Couch verbrachten, saß Jan Köhler auf dem Rad, zog Bahnen im Schwimmbecken oder absolvierte Laufeinheiten. Projektleiterin Jeannette Schönbein erlebte ihn in dieser Phase als einen Athleten, der genau wusste, was er wollte: „Jan ist unglaublich ehrgeizig. Wenn er Ziele hat, setzt er sie um – egal wie.“
An Silvester endete dann eine Trainingseinheit abrupt. Auf vereister Fahrbahn verlor Köhler die Kontrolle über sein Fahrrad und stürzte. Zunächst schien die Sache glimpflich ausgegangen zu sein. Die ersten Untersuchungen zeigten keine schwerwiegenden Verletzungen. Doch die Schmerzen blieben. Erst Wochen später brachte ein MRT die Gewissheit: Haarrisse im Handgelenk. Der Arm musste eingegipst werden. Schwimmtraining war damit vorerst ausgeschlossen. Doch damit nicht genug. Auch die Hüfte machte Probleme. Immer wieder traten beim Laufen Verkrampfungen auf, die Beine fühlten sich schwer an und Trainingseinheiten mussten abgebrochen werden. Wochenlang suchte Köhler nach einer Erklärung. Erst Anfang April 2025 schien sich eine Lösung zu finden. Eine Osteopathin entdeckte Fehlstellungen in der Hüfte und der Lendenwirbelsäule. Mehrere Wirbel wurden mobilisiert, tägliche Dehnübungen gehörten fortan zum Pflichtprogramm.
„Es fühlt sich komisch an, wenn man fast acht Monate dafür trainiert hat und das Ganze dann so nah ist.“
Jan Köhler
Im April reiste die Trainingsgruppe ins Trainingslager in die Toskana. Für viele Teilnehmende war es der wichtigste Abschnitt der Vorbereitung. Lange Radausfahrten und intensive Laufeinheiten sollten den letzten Feinschliff bringen. Doch schon bei der ersten lockeren Ausfahrt passierte das, wovor jeder Triathlet Angst hatte: Sturz Nummer zwei. Der Weg führte ins Krankenhaus. Zum Glück blieben die Folgen überschaubar. Schürfwunden und Prellungen waren schmerzhaft, bedeuteten aber nicht das Ende des Projekts. Bereits wenige Tage später saß Köhler wieder auf dem Rad. „Ich wollte wissen, ob Radfahren überhaupt möglich ist“, erinnert er sich. „Dabei habe ich festgestellt, dass Radfahren deutlich weniger schmerzt, als im Bett zu liegen.“
Der nächster Vorbereitungswettkampf stand mit dem Radrennen Eschborn-Frankfurt am 1. Mai an. Auch da sollte wieder einmal nichts wie geplant laufen. Diesmal traf es sein Fahrrad, bei dem die Steckachse rausbrach, was in der Folge einen längeren Reparaturvorgang seines Rennrades mit sich zog.
Nach den vielen Rückschlägen in der Vorbereitungszeit verliefen die sportlichen Entwicklungen dagegen zunehmend positiv. Anfang Juni stand mit dem neuseenMAN die Generalprobe für den Ironman Frankfurt auf dem Programm. Die Mitteldistanz diente vor allem dazu, den aktuellen Leistungsstand zu überprüfen und Abläufe für den großen Tag zu testen. Das Ergebnis machte Mut. Im Vergleich zu seiner bislang schnellsten Mitteldistanz war Köhler beim Schwimmen rund sieben Minuten schneller, auf dem Rad deutlich zügiger unterwegs und konnte seine Laufleistung ebenfalls bestätigen. Mit jedem Tag rückte das Ziel näher. „Es fühlt sich komisch an, wenn man fast acht Monate dafür trainiert hat und das Ganze dann so nah ist“, beschreibt der Eintracht-Triathlet die Zeit kurz vor dem Wettkampf.
Am 29. Juni 2025 war schließlich der große Tag gekommen. Nach 11:06 Stunden erreichte der Adlerträger das Ziel des Ironman Frankfurt und unterbot damit die von ihm angepeilte Zwölf-Stunden-Marke deutlich. Ein Gefühl, das ihn nun erfüllte: purer Stolz. Als er einige Wochen später auf seine Langdistanzpremiere zurückblickt, fällt sein Fazit eindeutig aus: Sein wichtigstes Ziel hatte er erreicht – gesund ins Ziel zu kommen. Besonders motivierte ihn dabei der Gedanke an den Zieleinlauf. Schließlich wartete dort der wohl berühmteste Satz des Triathlonsports: „You are an Ironman.“