Trauer um …
… Egon Loy
Als die Eintracht am 18. Mai 2022 in Sevilla den Europapokal gewann und Kevin Trapp zum Helden wurde, feierte Egon Loy den Titelgewinn ganz beschaulich in seinem Haus in Oberursel. Die Eintracht hatte alle Titelträger vergangener Tage nach Sevilla eingeladen und natürlich sollte auch der Torwart der Meistermannschaft dabei sein, aber Loy sagte ganz bewusst: „Nein. Ich bin jetzt 91 Jahre, auf die Reisestrapazen möchte ich lieber verzichten. Ich schaue mir das Spiel im TV an und freue mich auch zu Hause, wenn unsere Eintracht den Pokal gewinnt.“ Gesagt, getan, am Abend des 18. Mai und auch in den frühen Morgenstunden des 19. Mai 2022 wurde im Taunus gmeinsam mit Ehefrau Irmgard eine Flasche Champagner geköpft und der zweite internationale Titelgewinn gefeiert.
Am 15. Mai 2026 ist Egon Loy verstorben, erst am Tag zuvor hatte er seinen 95. Geburtstag im Familienkreis gefeiert. Zum Kaffee wurde Frankfurter Kranz serviert, den gibt’s bei Spielen der Eintracht für die Meistermannschaft immer in der Halbzeitpause. An seinem Todestag hatte er eine Einladung zu Eintrachts Veranstaltung „Für alle Zeit“ bereits aus gesundheitlichen Gründen nicht annehmen können, Vorstandsmitglied Philipp Reschke hatte in seiner Begrüßung noch Genesungswünsche nach Oberursel geschickt.
Loy hütete von 1954 bis 1967 das Tor der Eintracht, wurde Deutscher Meister, erlebte das Jahrhundertspiel gegen Real Madrid 1960 als Nummer eins und stand am 24. August 1963 am ersten Spieltag der Bundesligageschichte zwischen den Eintracht-Pfosten. Insgesamt absolvierte er 349 Pflichtspiele. Loy folgte damit seiner lieben Frau Irmgard, die im vergangenen Herbst verstorben ist.
„Die Eintracht-Familie trauert um einen engen Freund und ein Vorbild für Generationen von Fußballern.“
Mathias Beck
Die Eintracht verliert mit Egon Loy einen großen Sportsmann, der ganz eng verbunden ist mit den glorreichen Zeiten des Vereins. 1954 wechselte er gemeinsam mit seinem Mannschaftskameraden Erich Bäumler vom fränkischen TSV 04 Schwabach an den Riederwald. Sein erstes Pflichtspiel war direkt ein großer Erfolg: Am 22. August 1954 gewann die Eintracht zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Bieberer Berg und Loy hielt beim 1:0 in Offenbach den Kasten sauber. „Das war mein schönstes Hochzeitsgeschenk“, erinnerte er sich damals, denn in jenen Tagen hatte er seine Freundin Irmgard geheiratet. Willi Balles, der Spielausschussvorsitzende der Eintracht, karrte das frisch vermählte Paar aus Franken nach Sachsenhausen, wo die Loys eine Wohnung bezogen.
In den folgenden Jahren wurde Egon zum zuverlässigen Rückhalt der Eintracht-Mannschaft, die 1959 in Berlin die Deutsche Meisterschaft gewann. Ein Jahr später erreichte er mit seiner Mannschaft sensationell das Europapokalfinale. Das Endspiel gegen Real Madrid im Hampden Park in Glasgow vor fast 130.000 Zuschauern ist heute längst ein Mythos. Das schwarze Trikot, das er im Finale trug, hat Egon Loy 2007 dem Museum geschenkt. Damals erinnerte er sich: „Ich habe immer gerne schwarze Hemden oder Pullover getragen. So wurde ich bei den Mannschaftskameraden zum ‚Schwarzen Panther‘.“
Den Spitznamen genoss Loy Zeit seines Lebens, wie auch die Erinnerungen an das 3:7 gegen Real – auch wenn sieben Gegentreffer für einen Torwart kein Spaß sind. „Wir hatten damals nicht unseren besten Tag und Real war eine Nummer zu groß“, konnte Loy sowohl Spiel als auch Ergebnis immer realistisch einschätzen.
Egon Loy hatte zahlreiche dieser Geschichten auf Lager, die er 2022 im Podcast „Eintracht vom Main“ und wenig später auch für „Stimmen der Eintracht“ erzählte. Bei all diesen Erlebnissen und Erinnerungen blieb Loy immer ein bescheidener, neugieriger und realistischer Zeitgenosse, der die Menschen mit seiner liebenswerten Art in seinen Bann zog. Loy war dankbar für die Anerkennung und Würdigung, die ihm als ehemaligem Fußballstar entgegengebracht wurde. Er war dankbar für seine lange anhaltende Gesundheit, die ihm einen schönen Lebensabend mit seiner Irmgard, den Kindern und den Enkelkindern ermöglichte. Dazu ging er mit der Zeit. Auch wenn sein Platz in der Meisterloge der Eintracht im vergangenen Jahr leer blieb, informierte er sich via Internet, Livestream und Fernsehen über den Verein.
In der vergangenen Woche hatte ihm die Eintracht ein Trikot mit der Rückennummer eins und dem Spielernamen Loy geschickt, damit er mit entsprechendem Outfit für seine „Rückkehr“ in die Loge trainieren könne. Loy hat sich ganz gerührt telefonisch gemeldet und sich herzlich bedankt für das Trikot, das er über seinem Schreibtisch aufgehängt hatte. „Ich hoffe, die Eintracht erreicht wieder das internationale Geschäft“, hatte er am Telefon nochmal bekräftigt. Das hat leider nicht funktioniert, Loy hat zudem den letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart nicht mehr erlebt.
Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann erinnert sich:„Egon Loy war eine der prägenden Persönlichkeiten der Eintracht und wir haben es immer genossen, dass er am Vereinsleben bis ins hohe Alter lebhaft teilgenommen hat. Wenn er über den internationalen Fußball der 1950er Jahre sprach, waren das im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Geschichten aus einer anderen Zeit.“
Auch Vereinspräsident Mathias Beck ist dankbar für alles, was der „Schwarze Panther“ für die Eintracht geleistet hat: „Neben den überragenden Erfolgen der Deutschen Meisterschaft 1959 und dem Erreichen des Europapokalfinals 1960 war Egon mit über 70 Jahren Mitgliedschaft auch eines der treuesten Mitglieder der Eintracht. Die Eintracht-Familie trauert um einen engen Freund und ein Vorbild für Generationen von Fußballern.“
Text: Matthias Thoma, Michael Wiener
Fotos: Eintracht
… Helmuth Kraus
Helmuth Kraus ist am 18. April 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben. Kraus wechselte 1963 vom FC Schweinfurt 05 an den Riederwald. Bis 1969 absolvierte er für die Eintracht 104 Pflichtspiele und erzielte elf Tore. Am 24. August 1963 schrieb er Fußballgeschichte, am ersten Spieltag der neugegründeten Fußball-Bundesliga stand er für die Eintracht im Waldstadion auf dem Platz. Vor drei Jahren besuchte Kraus seine alten Fußballkameraden, zum 60. Jahrestag der Bundesligapremiere war er zu Gast im Eintracht-Museum und auf der Waldtribüne (Foto, 2.v.l.) – jeweils zusammen mit dem nur wenige Wochen später verstorbenen Egon Loy.