Die große Lust auf Kicken mit den Profis
Die Eintracht Frankfurt Fußballschule befindet sich im Jubiläumsjahr, seit 25 Jahren trainieren unter der Leitung von Karl-Heinz Körbel Kids zwischen sieben und 14 Jahren. In den ersten beiden Ausgaben der „Eintracht vom Main“ dieses Jahres kamen die Verantwortlichen um Körbel im Stammtisch zu Wort – das Team, Zielsetzungen, Trainingskonzepte und die unterschiedlichen Veranstaltungsformen wurden vorgestellt. In dieser Ausgabe geht’s wieder mehr in die Praxis. Wie sieht ein On Tour Camp aus, welche Vorbereitungen müssen getroffen werden, wie ist der Ablauf vor Ort, welche Trainer sind dabei? Die „Eintracht vom Main“ hat eine Fußballschuleneinheit im Rahmen von „Eintracht in der Region“ und am nächsten Tag ein On Tour Camp begleitet.

Reportage: Michael Wiener
Fotos: Franziska Sabel

Tag 1, 08.00 Uhr 

Es ist Donnerstagmorgen, Feiertag in Hessen. Die nächste Station bei „Eintracht in der Region“ steht an, es ist Nummer 59, knapp 50 Monate nach dem ersten Spiel im Frühjahr 2022. Als Aktion zur Stärkung des Amateurfußballs von LOTTO Hessen und der Eintracht inklusive Medien-Partner HIT Radio FFH einst ins Leben gerufen, hat sich die Kampagne etabliert und rund 120.000 Menschen auf den Sportplätzen zwischen Hofgeismar und Lorsch sowie Laufenselden und Wölf zusammengeführt. Die drei Säulen sind dabei immer Grundgerüst des Eintracht-Tages: eine Eventfläche sowie Rahmenprogramm am Stadionmikrofon, ein Spiel mit Beteiligung der Eintracht – und eben eine Einheit der Fußballschule mit 40 Kindern des gastgebenden Vereins. Die Profi-Männer und -Frauen sind auch beteiligt, das Gros der Spiele übernimmt die ebenso von Körbel geleitete Traditionsmannschaft.

Am heutigen Tag geht’s nach Sontra. „180 Kilometer liegen vor uns“, sagt Philipp Dibelka aus dem Team der Fußballschule. Der 29-Jährige wird den Bus steuern, in dem auch die vier Trainer des heutigen Tages sitzen. Lise Munk, Manfred Binz, Alexander Conrad und Cezary Tobollik sind dabei das eingespielte „Regionsteam“. Allesamt Ex-Profis – „diese Trainerkonstellation ist unser Erfolgsrezept“, wie Körbel immer wieder betont.

09.50 Uhr

Dibelka lässt das Trainerteam aussteigen, parkt dann den Bus. Knapp zwei Stunden Fahrt liegen hinter dem Quintett. Für Manuel Hiemenz hat es ein paar Minuten länger gedauert. Der Stellvertretende Leiter der Fußballschule hat den voll beladenen Sprinter nach Sontra gefahren, trifft kurze Zeit später ein. Nachdem die Taschen in der Kabine verstaut worden sind, geht’s erstmal ins Vereinsheim der landesweit erfolgreichen Kegler des KV Sontra, die heute den Fußballern ihre Räumlichkeiten als Aufenthalts- und später VIP-Raum zur Verfügung stellen. Kaffee, Kuchen, belegte Brötchen – es ist Frühstückszeit. „Guten Morgen“, ruft Manni Binz in Richtung Theke, wo einige KVler die Getränke ausschenken. Binz, einst Deutscher Meister mit der Eintracht als U-Spieler und später Defensivstammkraft beim berühmten Fußball 2000, gehört seit vielen Jahren zum Trainerteam der Fußballschule.

10.30 Uhr

Manuel Hiemenz fungiert am heutigen Tag als Campleiter und koordiniert damit auch das Ausladen des Sprinters. Dieser ist schon am Vortrag vorbereitet und auch für das On Tour Camp in Wölf (Eiterfeld) an den nächsten beiden Tagen beladen worden. Rund 50 rote Stapelboxen mit einem Fassungsvermögen etwa eines gut gefüllten Einkaufwagens, über 30 Kästen Wasser, gebrandete Toblerone-Banden, Pavillions und Minitore befinden sich im Sprinter, ein Teil davon wird ausgeladen. Jeder packt mit an, auch Christoph „Ratzi“ Ratz von der SG Sontra. Er ist der Ansprechpartner des gastgebenden Vereins für alle Themen rund um die Fußballschule. „So einen Kontakt brauchen wir, um im Vorfeld möglichst viele Fragen und Abläufe rund um das Camp klären zu können“, erläutert Hiemenz.

10.55 Uhr

40 Bälle, sechs Minitore, vier Toblerone-Banden und rund 60 Hütchen stehen an der richtigen Stelle auf dem Platz, der von einer Aschenbahn umrundet wird. Manuel Hiemenz trifft die letzten Vorbereitungen am Check-in in einem eigens von der SG aufgebauten Zelt, wo nach dem Spiel noch Livemusik bis in die Nacht gespielt werden wird. Lise Munk, die seit 2021 das Team der Fußballschule verstärkt, nimmt noch ein Video für den Instagram-Kanal der Fußballschule auf.

11.25 Uhr

Manuel Hiemenz begrüßt die wartenden Kids und Trainer und weist darauf hin, dass es gleich mit dem Check-in losgeht. Alles ist präpariert: Beutel für die Kinder nach Kleidergrößen sortiert, die Flaschen sind schon im Büro in Frankfurt mit Nummern beschriftet worden, ein Leitz-Ordner und ein Stift liegen für die Formalitäten bereit. „Erst Material abholen, dann bitte umziehen und um 12 Uhr starten wir“, ruft Hiemenz in die Runde.

11.30 Uhr

Start Check-in. Jedes Kind erhält einen Gym Bag mit der Ausrüstung, eine Trinkflasche und einen Aufkleber, dazu gibt’s ein Bändchen in vier verschiedenen Farben – je nach Altersgruppe.

12.00 Uhr

Alle Kinder, vier Trainer der Eintracht sowie sechs Übungsleiter des Gastgebervereins und Campleiter Manuel Hiemenz haben sich am Mittelkreis versammelt. „Wer ist Eintracht-Fan?“, fragt Hiemenz, seit über zehn Jahren im Team der Fußballschule. „Die, die die Hand gehoben haben, dürfen sich einen Ball nehmen. Der Rest geht heute nur noch laufen“, sagt er. Und schmunzelt dabei, denn natürlich war das nicht ernst gemeint. Hiemenz stellt im Anschluss die Trainer vor, es gibt den ersten Applaus für die Erfolge von Lise Munk (unter anderem Zweitbundesligatorschützenkönigin für Köln), Manfred Binz (246 Bundesligaspiele am Stück), Alexander Conrad (DFB-Pokalsieger) und Cezary Tobollik (Juniorennationalspieler Polens). Das anschließende Aufwärmen übernimmt Conrad, der mit der Eintracht einst Deutscher U19-Meister wurde und aufgrund von Verletzungen nur 62 Spiele in den beiden höchsten Spielklassen absolviert hat. „Ich bin seit rund fünf Jahren dabei. Ich mag es, wenn ich Kinder mit strahlenden Augen und großer Lust auf Fußball sehe“, sagt der einstige Trainer der Profis des FSV Frankfurt und Waldhof Mannheim.

12.50 Uhr

Das Training läuft, in vier Gruppen. Jeweils ein Eintracht-Trainer und ein bis zwei Sontraer leiten die Stationen Torschuss, Technik, Spielform und Funino.Cezary Tobollik hat auch nach einem Vierteljahrhundert noch großen Spaß, der Ex-Profi der Eintracht (1983 bis 1985) ist Trainer der ersten Stunde. „Ich gehe mit viel Freude an die Sache. Für mich ist Trainer sein keine Arbeit, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Was will ich mehr?“, fragt Tobollik rhetorisch.

14.00 Uhr

Die zweistündige Einheit endet, zwischenzeitlich war ein Gewitter über Sontra gezogen. „Bis auf die kurze Unterbrechung hat alles wunderbar geklappt“, sagt Lise Munk, die früher in der dänischen Nationalmannschaft gespielt hat und mit dem 1. FFC Frankfurt Deutscher Pokalsieger wurde. FFH-Moderator Daniel Granitzny, der beim Tradispiel durch das Programm führenwird, sagt am Mikrofon einige Sätze zur Einheit und leitet zum obligatorischen Gruppenfoto über.

14.55 Uhr

Nach dem Training ist der „Arbeitstag“ für die Fußballschulenkinder noch nicht beendet, sie sind beim Tradispiel auch die Einlaufkinder. Ein einmaliges Erlebnis für die Kinder, an der Hand von Körbel, Rudi Bommer, Sonny Kittel, Ervin Skela und Co. einzulaufen. Oder mit ihrer Trainerin Lise Munk, die auch im Kader steht – und später mit dem Kopf zur Stelle sein wird und eines der 20 (!) Eintracht-Tore markiert. Ihre Trainerkollegen, Manuel Hiemenz und Philipp Dibelka haben unterdessen schon vor Anpfiff das Auto wieder voll- geladen, können sich entspannt das Torfestival anschauen.

16.45 Uhr

Die Partie ist beendet, der Platz wird geflutet, Zeit für Autogramme und Selfies. Natürlich sind die Fußballschulenkinder auch dabei, natürlich suchen sie nach den Eintracht-Spielern. Aber nicht nur,auch die Spieler des Gastgebers sind an diesem Tag Helden und unterschreiben auf Fahnen, Trikots und Schuhen.

18.00 Uhr

Da am nächsten Morgen im osthessischen Wölf das nächste Camp ansteht, treffen sich alle Trainer schon am Vortag in Sontra. Christos Tsilifis, Steffen Herzberger, Rudi Bommer, Ralf Schuchardt und Reinhard Knobloch sind schon im Mannschaftsbus mit den (weiteren) Spielern der Traditionsmannschaft am frühen Nachmittag angereist. Nach dem Spiel sitzen alle Spieler und Trainer, aber auch Aktive und Verantwortliche sowie geladene Gäste im Vereinsheim der Kegler zusammen. Matthias Hübner, Orgachef der SG Sontra, sagt später: „Solche Veranstaltungen stiften Gemeinschaft, fördern den Zusammenhalt und hinterlassen nachhaltige Impulse für den Sport und das gesellschaftliche Miteinander.“

19.00 Uhr

Die fünf Trainer des nächsten Tages und Philipp Dibelka machen sich auf den Weg ins rund 45 Autominuten entfernte Eiterfeld. Dort wird der Eintracht-Tross übernachten, um am nächsten Tag das On Tour Camp im Ortsteil Wölf anzugehen. Mit dabei ist auch Claudia Bosnjak, die mit dem Mannschaftsbus aus Frankfurt nach Sontra gereist war. Bosnjak, damals noch Fuchs, hat im Frühjahr 2001 als Assistentin des Sportdirektors Rolf Dohmen angefangen und mit dem damaligen Chefscout Karl-Heinz Körbel das Büro geteilt. Sie ist somit seit der Gründung der Fußballschule dabei. „Ich habe noch die Teilnahmegebühr in bar eingesammelt“, erzählt die dreifache Mutter.

20.00 Uhr

Trainer und Staff, zu dem an diesem Abend auch das Medienteam der Eintracht gehört, sind in Eiterfeld angekommen. Die Hotelzimmer werden bezogen, ehe sich die Gruppe noch mit Vertretern des SV Wölf trifft, die aus dem Nachbarort eine kurze Anreise hatten. Rudi Bommer, der bei vielen On Tour Camps als Trainer dabei ist, sagt: „Wir freuen uns, wenn wir auch neben dem Platz die Leute kennenlernen, mit denen wir bei den Camps zusammenarbeiten. Das fördert die Gemeinschaft und das Miteinander auf dem Platz. Daher bin ich gerne bei den Camps in ganz Hessen dabei.“ Bommer kann dabei einen ganzen Tisch mit Anekdoten aus seiner Fußballerzeit unterhalten. Kein Wunder, der 68-Jährige hat viel erlebt. Über 1.000 Partien als Trainer und Spieler hat er auf dem Buckel, hat eine Olympische Medaille und den DFB-Pokal gewonnen, ein Europapokalfinale gespielt, ist als Trainer in die vier höchsten deutschen Ligen aufgestiegen (mit Dreieich, den Eintracht-Amateuren, Burghausen und Duisburg) und vieles mehr.

Tag 2, 08.20 Uhr

Philipp Dibelka und Rudi Bommer sind die ersten Adlerträger am Platz, bildendie Vorhut. Um kurz nach 8.30 Uhr ist die Eintracht-Fraktion komplett. Der SV Wölf ist wie gewohnt bestens vorbereitet. Der Verein hat mehr Mitglieder als der Ort Einwohner (rund 300), hat sich aber schon mehrfach als ausgezeichneter Gastgeber erwiesen. Nicht zuletzt beim ersten Berührungspunkt mit der Eintracht 2022, als über 2.000 Menschen bei „Eintracht in der Region“ zu Gast waren und für eine einzigartige Atmosphäre sorgten. In einem idyllisch gelegenen Dorf kurz vor der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

08.40 Uhr

Der Aufbau ist an allen Ecken in vollem Gange. Rund 20 Helfer des SVW sind schon vor Ort, haben den Platz hergerichtet, helfen beim Ausladen, haben das Frühstück vorbereitet.

09.00 Uhr

Es ist Frühstückszeit.

09.25 Uhr

Philipp Dibelka ist Campleiter beim zweitägigen On Tour Camp mit 80 Kindern, die sich über die Homepage der Fußballschule angemeldet haben. Er begrüßt im Namen der Eintracht, Gast- und Willkommensgeschenke werden ausgetauscht. Für den SV Wölf spricht Tobias Nophut, der sich auf das dritte Gastspiel der Eintracht (zuvor „Eintracht in der Region“ 2022, On Tour Camp 2025) und den gemeinsamen Grillabend nach dem ersten Tag freut. Die Trainerpaare mit je einem Eintrachtler und Wölfer werden gebildet. „Wer geht zu Rudi?“, fragtDibelka, während schon ein Arm hochgeht. „Du hast viel Spaß heute bei mir“, lächelt Bommer dabei verschmitzt. Gelächter im Vereinsheim.

09.50 Uhr

Das Fußballschulenteam baut auf, die gleiche Prozedur wie bei jedem Camp.Wenige Minuten später startet der Check-in, Claudia Bosnjak und Philipp Dibelka verteilen Kleidung, Flaschenund Beutel mit vorbestellten Klamotten. Über die Standardausstattung hinaus können bei der Anmeldung noch weitere Kleidungsstücke in den virtuellen Warenkorb gepackt werden.

10.30 Uhr

Trainingsstart. Die Fußballschule läuft auf Hochtouren, ganz nach dem Motto „Trainieren wie die Profis“. Jeweils zwei Gruppen beginnen, eine halbe Stunde später folgen zwei weitere, hinzu kommt ein Torhüterteam. So entzerrt sich der Ansturm beim Check-in und beim Mittagessen. Ralf Schuchardt (52), Ex-Torwarttrainer beim 1. FFC Frankfurt, trainiert die Keeper; sonst auch ein Fachgebiet von Reinhard Knobloch (78), der einst Oka Nikolov entdeckte und Jugendteams bei der Eintracht coachte. Der UEFA-B-Lizenz-Inhaber Christos Tsilifis (58) und Ex-Zweitligaprofi Steffen Herzberger (56) bringen ebenso reichlich Erfahrung als Trainer mit.

12.30 Uhr

Die ersten beiden Gruppen gehen zum Mittagessen. Drei weitere Einheiten folgen, das Camp dauert bis zum nächsten Nachmittag. Danach wird sich das Team der Fußballschule auf den Heimweg machen. Knapp 60 Stunden nach der Abfahrt am ProfiCamp im Deutsche Bank Park fährt der Sprinter wieder im Herzen von Europa vor, 120 Kinder mehr sind durch die Eintracht Frankfurt Fußballschule gegangen. „Wir machen immer weiter“, sagt ein immer hochmotivierter Karl-Heinz Körbel (71), der mit seinem Team nun in die intensivste Zeit des Jahres startet: die Sommerferien, in denen zwölf Camps in sechs Wochen auf dem Programm stehen. Wie immer unter dem Motto „Trainieren wie die Profis“.