Attila, Alfons, Anstecknadeln
„Glorreiche Zeiten, traurige Tage“: Unter diesem Motto berichtet die „Eintracht vom Main“ über historische Ereignisse und Themen rund um das Eintracht-Museum.
Glorreiche Zeit
Die Goodwill-Tour der Eintracht vor 75 Jahren war für alle, die damals dabei sein durften, sicherlich eine glorreiche Zeit. Zurück kamen die Spieler mit zahlreichen Eindrücken, sechs Siegen und einem Scheck über 50.000 Dollar, der den Grundstock für den Bau der Tribüne am Riederwald 1952 bildete. Die Reise war eine Einladung des Deutsch-Amerikanische Fußballbundes (DAFB), der als erstes deutsches Team 1950 den Hamburger SV nach Übersee gelotst hatte. Ein Jahr später folgte die Eintracht, am 2. Mai 1951 ging’s los. Die begehrten Flugtickets hatten: Christian Kiefer (Zweiter Vorsitzender), Willi Balles (Spielausschussvorsitzender), Kurt Windmann (Trainer) und die Spieler Adolf Bechtold, Helmut Henig, Ernst Kudrass, Heinz Kaster, Herbert Kesper, Werner Heilig, Friedel Reichert, Joachim Jänisch, Hubert Schieth, Alfred Kraus, Kurt Krömmelbein, Alfred Pfaff, Walter Giller, Ludwig Kolb und Hans Wloka.
An jedem Tag stand mindestens eine Einladung eines Restaurants an, außerdem musste man zu Empfängen bei Konsulaten, Bürgermeistern und Vereinen. Und die vielen Sehenswürdigkeiten wollte man sich auch nicht entgehen lassen. Fußball gespielt wurde aber auch noch, mit folgenden Ergebnissen:
— 5:2 gegen die Auswahlelf des DFAB in New York
— 13:1 gegen die Western New York All Stars in Buffalo
— 5:1 gegen die Ohio/Michigan All Stars in Toledo
— 1:2 gegen Zenthoefer in St. Louis
— 5:0 gegen die Midwest All Stars in Milwaukee
— 5:1 gegen eine Deutsch-Ungarische Auswahl aus Brooklyn
— 7:0 gegen eine DAFB-Auswahl aus New Jersey
— 1:3 gegen Celtic Glasgow in New York
Ein trauriger Tag
Vor 30 Jahren legte sich ein bleierner Schleier über die SGE. Die Rückrunde der Saison 1995/96 verlief bescheiden für die Fußballer der Eintracht. Nach einer 0:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach beurlaubten die Verantwortlichen den Trainer Karl-Heinz Körbel, Dragoslav Stepanovic sollte die strauchelnde Mannschaft wieder auf die Beine bringen. Doch das ging schief. Lediglich ein Spiel gewann die Eintracht noch. Am 1. Mai 1996 hätten sich die Adlerträger mit einem Sieg in Köln retten können, die Partie ging vor über 10.000 mitgereisten Fans mit 0:3 verloren. Eine Woche später stieg die Eintracht erstmals in ihrer Geschichte aus der obersten Spielklasse ab. Vor 42.000 Zuschauern unterlag die Mannschaft dem FC Schalke 04 mit 0:3. Wer war Schiedsrichter??? Richtig: Alfons Berg aus Konz.
Grabis Trikot
Rechtzeitig zum Beginn der Fußball-WM 2026 wurden die Vitrinen im Foyer des ProfiCamps, der Geschäftsstelle der Eintracht Frankfurt Fußball AG, mit Grabis Trikots ausgestattet. Helga Grabowski hat dem Eintracht-Museum acht spektakuläre Leibchen ihres Gatten Jürgen († 2022) zur Verfügung gestellt. Neben Tauschtrikots von Länderspielen gegen Schweden, Schottland, die UdSSR und Ungarn gibt es auch ein Trikot der Wasserschlacht 1974 gegen Polen. Grabi hatte sein Leibchen damals mit dem polnischen Spieler Kazimier Kmiecik getauscht. Vom einzigen Länderspiel zwischen der DDR und der BRD gibt es das Trikot von Siegmar Wätzlich. Der Abwehrspieler aus Dresden hat Grabi damals in Schach gehalten, die DDR siegte inHamburg mit 1:0. Die beiden wertvollsten Trikots der Sammlung stammen von Grabi selbst. Das grüne Deutschland-Trikot trug er bei der WM 1974 im Zwischenrundenspiel gegen Schweden, als er, zehn Minuten zuvor eingewechselt, den 3:2-Siegtreffer schoss. Im weißen Nationalmannschaftstrikot feierte Grabi einige Tage später seinen 30. Geburtstag und den WM-Titel mit Deutschland durch das 2:1 gegen die Niederlande.
Attila erstmals Eintrachtler
20 Jahre ist Attila nun fester Bestandteil der Eintracht-Familie. Dass zum sportlichen Erfolg des Vereins auch der breit aufgestellte Scoutingbereich einen wichtigen Teil beiträgt, ist hinlänglich bekannt. Doch auch der gewiefteste Talentspäher weiß, dass er manchmal einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Vergleichbar sind auch die ersten Berührungspunkte des Frankfurter Steinadlers, der 2006 auf einer Flugshow seine Runden zog, zahlreiche Blicke auf sich zog – auch den des 2011 viel zu früh verstorbenen Eintracht-Mitarbeiters Michi Feick, der mit der Familie vor Ort war. Er fragte bei dessen Falkner Norbert Lawitschka freundlich an, ob er sich einen Stadionbesuch des Adlers vorstellen könne.
Nach mehreren heimlichen Probeläufen im heimischen Stadion folgte der öffentliche Einstand standesgemäß zum DFB-Pokalfinale in Berlin, als der aus dem fränkischen Coburg stammende Attila ausgerechnet gegen die Bayern ins kalte Wasser geworfen wurde. Das war am 29. April 2006. Das Finale ging mit 0:1 verloren. Aber es sollten neben vielen weiteren Erfahrungen auch noch Endspiele folgen, die die Eintracht erfolgreich gestaltete! Nur in Sevilla 2022 musste Attila passen, die Distanz war zu weit …
Neu: Meisterring der Eintracht
Im Bestand des Museums ist eine sensationelle Neuerwerbung zu verzeichnen: der Meisterring von 1959! Meisterringe sind vor allem in den USA beliebte und wertvolle Auszeichnungen für Spieler der NFL oder NBA. Auch in Deutschland gibt es diese Tradition. Das Eintracht-Museum weiß von Ringen, die Spielern der Eintracht schon in den 1920er Jahren nach dem Gewinn regionaler Meisterschaften verliehen wurden. Bis in die 1970er Jahre hatte man im Verein einen „Ehrenringträger“; das war ein verdientes Mitglied, das mit einem Ring mit Adler ausgezeichnet wurde. Nach dem Titelgewinn gegen Kickers Offenbach vor 67 Jahren gab es vom Verein für die siegreichen Spieler der SGE einen goldenen Ring mit der Aufschrift „Deutscher Meister 1959“ angefertigt. Den Ring des Eintracht-Spielers Hansi Eigenbrodt konnte das Eintracht-Museum vor wenigen Wochen in seinen Bestand übernehmen.
Vom DFB erhielten die Spieler der Meistermannschaft 1959 ein weiteres seltenes Geschenk: eine Anstecknadel mit Lorbeerkranz, auf deren Rückseite „Deutscher Fußballmeister 1959“ eingestanzt ist. Die Eintracht ließ sich nicht lumpen und produzierte für die Spieler dazu noch eine Nadel mit Vereinsadler und dem Zusatz „Deutscher Meister 1958/59“.
All diese wertvollen Erinnerungen können zur neuen Saison im Eintracht-Museum bestaunt werden.