„Endlich schmerzfrei“
Vor zehn Jahren reißt sich Marc Stendera in der Relegation das Kreuzband. Danach steht er zwar noch bis 2019 bei der Eintracht unter Vertrag, kommt aber nur noch auf rund 800 Minuten Spielzeit. Die vergangenen Jahre war er in Österreich am Ball – und wurde kürzlich als Spieler der Saison ausgezeichnet.
Ende Mai war Marc Stendera der Eintracht mal wieder ganz nah. In Kassel schaute er sich die Hessenliga-Partie zwischendem heimischen CSC und Eintrachts U21 an, sein Bruder Nils – ebenso ehemaliger Adlerträger – kickt mittlerweile wieder in Nordhessen. „Ein wildes Spiel“, meinte Stendera über das 5:7aus Sicht der Kasseler, die damit in die Abstiegsrelegation geschickt wurden und über diese die Klasse im Herzschlagfinale gegen die SG Bornheim/GW aus Frankfurt hielten. Eine Parallele zu Stenderas Erlebnissen vor zehn Jahren, als er mit der Eintracht gegen Nürnberg um den letzten verbleibenden Platz in der Fußballbundesliga kämpfte (siehe Seiten 112 und 113).
In ganz anderen Sphären ist Marc Stendera in der vergangenen Saison mit dem SKN St. Pölten unterwegs gewesen. Am letzten Spieltag hätte er mit den Niederösterreichern sogar noch Meister der Zweiten Liga werden können, aber Spitzenreiter Austria Lustenau patzte nicht. „Schade, weil nur der Meister aufsteigt. Wir waren knapp dran, hatten aber einige unnötige Punktverluste“, sagt der Mittelfeldspieler. Dem 0:3 gegen den späteren Meister Lustenau Anfang April und dem damit verbundenen Verlust der Tabellenführung folgten drei torlose Remis. So geriet St. Pölten in Punkterückstand, den Stendera und Co. nicht mehr aufholen konnten.
Für den mittlerweile 30-Jährigen war es persönlich allerdings eine sehr gute Saison. „Ich konnte ein paar Scorerpunkte machen, hatte viel Spass und konnte den Jungs hier wie in den Jahren zuvor auch etwas mitgeben“, sagt der gebürtige Kasseler, der nun drei Spielzeiten in St. Pölten verbracht hat. Stendera kam auf neun Tore in der Liga und stand nur rund 60 Minuten nicht auf dem Feld, er war Führungsspieler und Leistungsträger seiner Mannschaft. Von einer Jury aus Präsidenten, Managern und Trainern der österreichischen Zweiten Liga wurde er zum Spieler der Saison 2025/26 gewählt.
„Eine schöne Auszeichnung für mich. Ich hatte vor drei Jahren etwas Neues gesucht und war offen für das Ausland, weil bei den Leuten in Deutschland das Bild vom oft verletzten Marc Stendera im Kopf war. Das konnte ich nun widerlegen, seit zwei Jahren bin ich schmerzfrei. Irgendwann musste der liebe Gott mal auf meiner Seite sein.“
„Irgendwann musste der liebe Gott mal auf meiner Seite sein.“
Marc Stendera
Im Alter von 14 Jahren war Stendera aus Nordhessen an den Main gewechselt, schoss in der U17 und U19 viele Tore unter anderem unter Trainer Uwe Bindewald und kam in der Bundesliga 2013 erstmals unter Armin Veh zum Einsatz, als es galt, einen 0:1-Rückstand gegen die Bayern zu egalisieren. Dies gelang nicht mehr, dafür durfte Stendera zwei Wochen später gegen Schalke erstmals von Beginn an ran – und legte den 1:0-Siegtreffer durch Russ’ Kopfball per Freistoß auf.
Stendera war noch immer 17 Jahre alt, als ihm im Testspiel vor der Saison 2013/14 das rechte Kreuzband riss. Es folgte eine Achterbahnfahrt für Stendera – mal Stammspieler, mal außen vor, mal verletzt. Im Relegationsrückspiel in Nürnberg verletzte sich Stendera nach zehn Minuten schwer, dieses Mal Kreuzbandriss im linken Knie. Der Mittelfeldspieler kämpfte sich wieder zurück, kam aber bis zu seinem Weggang im September 2019 nie mehr als fünf Spiele am Stück zum Einsatz. Zum DFB-Pokalsieg 2018 steuerte er in zwei Partien Spielzeit bei. Über Hannover, Ingolstadt und Oldenburg führte sein Weg im Sommer 2023 nach St. Pölten, die größte Stadt in Niederösterreich.
Dort fühlt sich der Nordhesse wohl, auch wenn er – so zumindest beim Anruf des EvM-Redakteurs – aktuell die Familienzeit in der Heimat genießt. Fußball schauen inklusive.
Text: Michael Wiener
Fotos: Jan Hübner, imago images