Nicht unterzukriegen
Hinter den B-Junioren liegt eine intensive Spielzeit voller Höhen und Tiefen. Nach einem holprigen Start in der U17 DFB-Nachwuchsliga verpassten die Adlerträger den Einzug in Liga A und zeigten in Liga B schließlich umso mehr, wie viel sie aus den Schwierigkeiten des ersten Saisonhalbjahrs gelernt haben. Ein ähnliches Bild ergibt der Blick auf das Jahr von Mittelfeldspieler Tarik Boujataoui, der einmal mehr bewiesen hat, wie sich harte Arbeit und der Glaube an sich selbst auszahlen können.

Text: Leonie Batke
Fotos: Alessandro Crisafulli, Leonie Batke

Betrachtet man seine Statistiken, schreibt die Saison von Tarik Boujataoui eine einzige Erfolgsgeschichte. 34 Scorerpunkte verbucht der Mittelfeldspieler nach 21-Partien in der DFB-Nachwuchsliga, hinzu kommen sieben Tore im B-Junioren Hessenpokal. Dass er am Ende der Spielzeit einer der torgefährlichsten U17-Spieler der gesamten DFB-Nachwuchsliga sein würde, war im Sommer 2025 allerdings noch nicht absehbar.

„Am Anfang war es nicht einfach für mich“, blickt Boujataoui auf den Start der Saison zurück. „Ich habe sehr wenig gespielt, war oft nicht im Kader oder habe auf der Bank gesessen. Es war wirklich sehr schwierig, reinzukommen.“ So verfolgte der damals 16-Jährige etwa die torreichen Siege über den FC Saarbrücken oder den 1. FSV Mainz vom Spielfeldrand aus, nach acht Spieltagen kam er gerade einmal auf 100 Einsatzminuten. „Ich habe trotzdem nicht aufgehört, habe immer weitergearbeitet – dann wurde mir die Chance gegeben und ich habe sie genutzt.“

„Dann wurde mir die Chance gegeben und ich habe sie genutzt.“

Es war der 1. November 2025, im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern lag die Eintracht nach 35 Minuten mit 1:2 zurück. Kurz vor der Pause wurde Boujataoui eingewechselt und besorgte nur zehn Minuten nach dem Seitenwechsel mit seinem ersten Saisontor den Ausgleich. Vier Minuten später legte er den Führungstreffer auf und hatte damit großem Anteil am 4:2-Erfolg der Adlerträger, der nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel stehen sollte. „Ab dann ist es nur noch bergauf gegangen.“

Es war nicht das erste Mal, dass sich der Mittelfeldspieler aus einem Tief kämpfen musste. Als U17-Jungjahrgang wollte Boujataoui in der Saison 2024/25 eigentlich den nächsten Schritt gehen, doch eine Knöchelverletzung setzte ihn fast ein halbes Jahr lang außer Gefecht. „Das war eine richtig harte Zeit“, erinnert sich der 17-Jährige, der während dieser Episode jedoch stets auf die Unterstützung seiner Familie vertrauen durfte: „Ohne die hätte ich es auf gar keinen Fall wieder rausgeschafft aus dieser Verletzung.“

Die Familie stand Boujataoui auch während der schwierigen Anfangsphase der Saison 2025/26 zur Seite. „Besonders mein Vater hat mich sehr krass unterstützt und mir immer gesagt, dass ich nicht aufhören soll, zu arbeiten“, berichtet er. „Das hat- te ich zwar schon durch die Verletzung gelernt, aber es war trotzdem nicht so einfach. Diese Unterstützung, dieses letzte Helfen kam dann halt von meinem Vater und deswegen habe ich es dann auch hingekriegt, das so umzusetzen.“

Die Belohnung für die harte Arbeit folgte im zweiten Saisonhalbjahr. Nach einem holprigen Start in Liga B der U17 DFB-Nachwuchsliga setzten die B-Junioren im April zu einer spektakulären Siegesserie an, die bis zum Ende der Spielzeit nicht reißen sollte. Ab dem Jahreswechsel blieb die U17, während keiner einzigen Partie ohne eigenen Treffer, in jedem Spiel war Boujataoui an mindestens einem Tor beteiligt. Doch es ist nicht nur die Torgefahr, die den technikstarken Achter auszeichnet. Auf dem Platz agiert er oft als Motivator und versucht, seine Mitspieler mitzuziehen. „Ich bin einer, der die Jungs manchmal anmeckert, aber danach auch direkt wieder pusht. Wenn ich selbst mal den Ball verloren habe, gehe ich auch direkt wieder dagegen.“

Diese Mentalität hat der Mittelfeldspieler nicht nur in der Liga unter Beweis gestellt, sondern auch im B-Junioren Hessenpokal. Mit dem Finalsieg gegen den SV Wehen Wiesbaden krönten die Adlerträger eine Saison, die davon geprägt war, Widerstände zu überwinden und aus Rückschlägen zu lernen. „Das hat sich natürlich sehr gut angefühlt, weil man so eine Bestätigung bekommen hat, dass sich die Arbeit gelohnt hat und man sozusagen eine Belohnung dafür gekriegt hat“, erklärt Boujataoui. Kein Wunder also, dass der Titelgewinn wie auch der Gruppensieg in Liga B zu den absoluten Highlights seit seinem Wechsel nach Frankfurt gehören.

Doch auch ein Spiel aus seiner Zeit als U15-Spieler ist dem 17-Jährigen in Erinnerung geblieben. Gegen den VfB Stuttgart lagen die C-Junioren im Herbst 2023 mit 2:0 in Führung, doch die Schwaben drehten die Partie. Erst mit dem Schlusspfiff erzielten die Jungadler damals den Ausgleich und sicherten sich so einen wichtigen Punkt. „Das war ein richtig geiles Spiel“, erinnert sich Boujataoui zurück. „Für mich war das eins der besten Spiele, die wir als Mannschaft in der U15 und auch allgemein gemacht haben. Es hat richtig Spaß gemacht.“

Seinen Kampfgeist bringt der gebürtige Weiterstädter künftig in die U19 ein und geht damit in seine vierte Saison am Riederwald. Auch dann wird Boujataouis oberstes Ziel sein, möglichst viel Einsatzzeit zu sammeln. „Das Beste wäre natürlich, direkt Stammspieler zu sein, um gleich richtig gut in das Jahr reinzukommen.“

Vorher darf sich der Achter jedoch über eine wohlverdiente Pause freuen – ebenso nach einem intensiven Fußball- wie einem anstrengenden Schuljahr. Denn der 17-Jährige arbeitet nicht nur hart an seinem Traum, Fußballprofi zu werden, sondern hat auch das Abitur fest als Ziel. „Ich finde das super wichtig, denn am Ende hast du keine Garantie, dass es wirklich mit dem Fußball klappt“, zeigt sich Boujataoui realistisch. „Natürlich glaubst du als Spieler zu 100 Prozent daran, aber das hat auch viel mit Glück zu tun. Und falls du es nicht schaffst, brauchst du natürlich eine Alternative. Wenn man dann ein gutes Abi hat, muss man sich keine Sorgen darüber zu machen. Dann hat man noch andere Perspektiven.“

Urlaub mit der Familie, Zeit mit Freunden verbringen, ins Freibad gehen, Basketball und Tischtennis spielen – all diese Dinge helfen Boujataoui dabei, seine Batterien wieder aufzuladen. „Es ist wichtig, dass man den Kopf frei bekommt, damit man wieder neu angreifen kann. Natürlich habe ich immer Spaß am Fußball, aber ich denke, wenn man zwei oder drei Wochen Pause davon hat, kann man mit einer ganz neuen Energie in die Saison reinstarten.“

Tarik Boujataoui

       Geburtsdatum: 7. April 2009

        Position: Mittelfeld

        Jahrgang: U17 

       Adlerträger seit: 2023 

       Lieblingssportart abgesehen von Fußball: Basketball 

       Lieblingslied in der Kabine: Paris – Nono La Grinta 

       Erstes Fußball-Trikot: James Rodríguez / FC Bayern München