„Begeisterung und Euphorie entfachen“
Er ging 2021 zum „großen Tor heraus“. Fünf Jahre später kehrt Adi Hütter zurück zur Eintracht. Mit alten Qualitäten und neuen Ideen.
Texte: Daniel Grawe
Bilder: Eintracht, imago images
Fünf Jahre sind im Profifußball eine lange Zeit. Manche Umstände ändern sich innerhalb weniger Wochen. Fußnote abseits des Fußballs: Als Adi Hütter im Februar 2021 anlässlich seines 51. Geburtstags mit der Eintracht-Redaktion über persönliche Dinge sprach, nannte er als Lieblingsapp „die Adler-App“. Die war im März Geschichte, die neue Eintracht-Plattform für die Hosentasche heißt seither mainaqila.
Im Verein hat sich seit der ersten Amtszeit von Adi Hütter zwischen 2018 und 2021 im Großen und Ganzen vieles getan. Ob technologisch, wirtschaftlich, sportlich – oder infrastrukturell. Hatten Hütter und Co. seinerzeit in den Stadionkatakomben ihre Arbeitsräume, schlägt mittlerweile im ProfiCamp im DeutscheBank Park der fußballerische und organisatorische Puls von Eintracht Frankfurt. Ein Auszug aus dem Antrittsinterview: „Mein Zuhause ist der Stadtwald und das ProfiCamp, das ich bisher nur als Besucher kannte.“
Was bisher geschah: Bis Oktober vergangenen Jahres war Hütter Cheftrainer der AS Monaco. Im Fürstentum fand er nicht nur eine der jüngsten Mannschaften der Ligue 1, sondern auch neue Herausforderungen vor. Weil „wir mit Monaco oft die dominierende Mannschaft waren, war es wichtig, Lösungen im letzten Drittel erarbeiten zu können“, schildert der Österreicher. Tatsächlich hatten die Monegassen etwas mehr vom Spiel als die Hütter-Teams in der Bundesliga. 53 Prozent Ballbesitz 2023/24, 55 Prozent 2024/25. In Frankfurt waren es seinerzeit 50 Prozent 2019/20 und 52 Prozent 2020/21. Zuvor verbrachte Hütter eine Saison bei Borussia Mönchengladbach, wohin er nach drei erfolgreichen Jahren am Main gewechselt war. Nicht ohne Nebengeräusche, was der 56-Jährige rückblickend bedauert und „ganz anders lösen“ würde.
Der Groll war unterm Adlerdach ohnehin schnell verflogen. Denn obwohl die SGE im Endspurt Platz vier aus der Hand gab, standen unterm Strich 60 Punkte. Zum Vergleich: Diese Ausbeute genügte vier Jahre darauf für Platz drei. Entsprechend honorierte Vorstandssprecher Axel Hellmann damals: „Wer so erfolgreich arbeitet, geht bei Eintracht Frankfurt zum großen Tor heraus und nicht durch die Hintertür. Daran gibt es keinen Zweifel.“
Drei Jahre war Hütter Cheftrainer am Main gewesen. Der Einzug in Runden der letzten Vier waren unter Hütter Programm. Europa League 2019, DFB-Pokal 2020 – wer weiß, wie die Sterne mit einem jeweiligen Rückspiel im Deutsche Bank Park gestanden hätten. Zumindest mit Blick auf die Heimbilanz 2020/21, als die Hessen in 17 Bundesligaspielen zu Hause ungeschlagen blieben, was zuvor nur zwei Mal der Fall gewesen war.
Überhaupt purzelten zwischen 2018 und 2021 die Rekorde unterm Adlerdach und darüber hinaus. Als erster deutscher Verein gelangen 2018/19 sechs Siege in sechs Gruppenspielen der UEFA Europea League. Vom 23. bis 28. Spieltag 2018/19 gewannen die Adlerträger in der Bundesliga sechs Spiele am Stück – neuer Vereinsrekord innerhalb einer Spielzeit. Die Büffelherde mit Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic wurde geboren, André Silva knackte später mit 28 Bundesligatoren 2020/21 den seit 44 Jahren währenden Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein.
Nicht zuletzt gelang es Adi Hütter über all die Jahre, nicht nur den Einzelnen, sondern regelmäßig das Kollektiv weiterzuentwickeln. In Altach (2 Jahre), Bern (3) und Frankfurt (3) war die letzte jeweils die punktemäßig beste Saison unter Hütter, in Salzburg (Meisterschaft und Pokalsieg) und Monaco (Vizemeisterschaft hinter Serienmeister PSG) war zumindest in der Liga von der Platzierung kaum mehr möglich.
Die Vorschusslorbeeren wären hiermit verteilt. Willkommen zurück, Adi Hütter!
Das sagt Adi Hütter:
„Wieder Cheftrainer von Eintracht Frankfurt zu sein, freut mich ganz besonders und es macht mich stolz, dass es nochmal geklappt hat. Es fühlt sich super an und ist für mich sehr, sehr emotional.“
„Im Vergleich zu damals hat sich auch Adi Hütter weiterentwickelt. Ich lasse weiterhin gerne begeisternden und offensiv ausgerichteten Fussball spielen. Auf der anderen Seite geht es immer auch um die passende Verteidigungsstrategie.“
Die drei Co-Trainer
Christian Peintinger: Der 59-Jährige, Inhaber der UEFA-A-Lizenz, arbeitete bereits während Hütters erster Amtszeit bei Eintracht Frankfurt sowie vorher in Bern und anschließend in Mönchengladbach und Monaco an dessen Seite. Peintinger, früher Erstligaspieler in seiner Heimat, vertrat den gesperrten Hütter bei Eintrachts Weiterkommen in Mailand im Europa-League-Achtelfinale 2019; Hütter sprach danach von „einer unserer besten Leistungen“.
Klaus Schmidt: Der 58-jährige Österreicher stieß in Monaco zu Hütters Trainerteam, verfügt über die UEFA-Pro-Lizenz und war nach seiner aktiven Karriere über viele Jahre hinweg als Physio, Athletik-, Co- und Cheftrainer in seiner Heimat tätig. Er ist in Graz geboren – dort, wo er (Co-Trainer Grazer AK), Hütter (Spieler Grazer AK) und Peintinger (Spieler bei Sturm und LUV, Trainer bei Sturm) im Profifußball Spuren hinterlassen haben.
Alex Meier: Der frühere SGE-Torjäger (367 Spiele, 137 Tore) war bislang U19-Cheftrainer. Meier hat seit 2020 im Nachwuchsbereich zahlreiche Erfahrungen gesammelt, war U16- sowie U19-Cheftrainer. Erstmals im Männerbereich arbeitete er zuvor 2022/23 als U21-Co-Trainer. Parallel dazu hat der 43-Jährige die A-Lizenz erworben und gerade in den ersten Jahren im Nachwuchsleistungszentrum regelmäßig während Trainingseinheiten der Profis hospitiert.