Der erste Nachkriegsstar
Alfred Pfaff, einziger Meisterkapitän und Weltmeister, wäre am 16. Juli 100 Jahre alt geworden.

Text: Michael Wiener
Bilder: Eintracht-Archiv

Wenn Angehörige wie der Sohn Alfred Pfaff jun. oder langjährige Weggefährten wie die Eintracht-Mitarbeiter Matthias Thoma und Rainer Falkenhain über Alfred Pfaff sprechen, dann zeichnen sie das Bild eines Fußballers, der den SGE-Geist so sehr wie kein anderer verkörperte, der Spiel- und Lebensfreude verband und Mannschaften als Führungspersönlichkeit mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zusammenhielt. Der erste Nachkriegsstar der Eintracht wurde am 16. Juli 1926 in Frankfurt geboren und starb 2008 in Zittenfelden im Odenwald.

Eintracht Frankfurt und alle Fans wissen, was sie an „Don Alfredo“ haben: Die sportliche Heimat der Eintracht am Riederwald befindet sich in der Alfred-Pfaff-Straße 1; nach Alfred Pfaffs Tod 2008 gab es in der Nordwestkurve am Spieltag die erste große Spielerchoreografie; kürzlich legten die Fans in Krefeld nach (siehe Bild rechts); er ist im Deutsche Bank Park mit einer Bronzetafel in der Reihe „Für alle Zeit“ verewigt; er ist Ehrenspielführer und Ehrenmitglied. Außerdem erhielt er 2006 den Hessischen Verdienstorden.

Seine Verdienste als Fußballer auf und neben dem Platz sind unbestritten. Zunächst auf dem Platz: 139 Tore in 367 Spielen, darunter in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1959 und im Messepokal (Vorgänger des UEFA-Cups) als Teil der Frankfurter Stadtauswahl. Zu seinen außergewöhnlichen Auftritten gehörten die Halbfinals des Landesmeisterpokals 1960 gegen den Rangers FC aus Glasgow oder auch an Heiligabend 1950 in Madrid, als die Eintracht sensationell mit 4:3 bei Atletico siegte und der Gastgeber Pfaff daraufhin mit viel Geld nach Spanien locken wollte. Er wurde Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft 1954 in der Schweiz, auch wenn seine Blütezeit mit der von Kapitän Fritz Walter zusammenfiel und er nur auf sieben Länderspieleinsätze kam. „Wir haben zu wenig Chancen bekommen“, sagte Pfaff einst. Mit seinem „technischen Spiel drückte er mehr als ein Jahrzehnt dem Verein seinen Stempel auf“, betonte Ehrenpräsident Peter Fischer nach Pfaffs Tod 2008, und Museumsdirektor Matthias Thoma fasste bei der Einweihung der Bronzetafel zusammen: „Mit seinen genialen Einfällen hat er die Eintracht oft auf die Siegerstraße gebracht.“

Kein genialer Einfall war indes im Saisonfinale 1958, sich anstelle des vorgesehenen Hermann Höfer den Ball für den zugesprochenen Elfmeter in Regensburg zu schnappen. Es war aber der Grundstein für eine Heldengeschichte. Kapitän Pfaff verschoss, die Eintracht verlor 0:1 und verpasste die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, Pfaff war der Buhmann. Bis er ein Jahr darauf die Mannschaft zum Titel führte. Manchmal braucht es eine große Niederlage für den nächsten großen Sieg.

Neben dem Platz sorgte er für außergewöhnlichen Teamgeist, und das weit über seine aktive Karriere hinaus. „Er hat die Eintracht immer zusammengehalten, ebenso wie die Weltmeistermannschaft 1954“, sagte Matthias Thoma. Rainer Falkenhain, seit über 40 Jahren Mitarbeiter der Eintracht, bestätigte dies in seiner Laudatio bei „Für alle Zeit“. „Bis zum Ende der Gaststätte gab es jedes Jahr einen Ausflug der 59er-Meister nach Zittenfelden. Dort haben wir viele schöne Stunden mit Alfred verbracht.“

Es war sein Landgasthof im Odenwald, in dem der zweifache Familienvater auch im hohen Alter noch hinter dem Tresen stand und die einstigen Mannschaftskameraden gerne verköstigte. Den Sinn für die Gastronomie hatte er von seinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Diese betrieben einst den „Frankfurter Hof“ im Stadtteil Praunheim. Eintrachts Ehrenaufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Steubing war als kleiner Junge dort wiederum mit seinen Eltern gelegentlich zu Gast. „Er hat mich irgendwann mit zum Training an den Riederwald genommen“, erzählt Steubing, „das war der Startschuss für meine Fußballbegeisterung.“ Später führte Pfaff selbst eine Gaststätte an der Hauptwache, die regelmäßig Startpunkt für die Auswärtsreisen der Frankfurter Fans waren. „Er hat seine Prominenz dadurch versilbert, die Leute kamen wegen ihm in die Gaststätte. Den Laden hat zum großen Teil seine Frau Edith geschmissen“, schmunzelt Matthias Thoma.

„Er war lebensfroh, ein Alleinunterhalter, die gute Seele jedes Teams.“
Alfred Pfaff Jun.

Fußball und die Gastronomie, das waren die Leidenschaften von Alfred Pfaff. Dies ergab einen genial launischen Linksfuß, der auch mal Länderspielnominierungen absagte, „weil ihm die Familie zu Hause mehr wert war“ (Alfred Pfaff jun.), der auch mal aus den Mannschaftsquartieren ausbüchste, weil er „lange genug eingesperrt war“ (Pfaff jun.), und der auch mal ein Bier und eine Zigarette einstreute. Über seinen Vater sagt Alfred Paff jun.: „Er war lebensfroh, ein Alleinunterhalter, die gute Seele jedes Teams, der immer gut drauf war, gerne und viele Witze erzählt hat und auf dem Akkordeon oder dem Klavier die Leute unterhalten konnte.“

Sein Markenzeichen war neben seinem Spitznamen „Don Alfredo“ in Anlehnung an seine großen interntionalen Spiele der Koks (die typisch englische Kopfbedeckung), den ihm der Manager der Glasgow Rangers 1960 geschenkt hat. Den trug der begnadete Fußballer auch an seinem 80. Geburtstag im Stadion. Es war die letzte große Fete von und mit Alfred Pfaff an jenem Ort, wo kürzlich eine Bronzetafel mit seinem Namen verlegt wurde. Es ist ein Andenken, das weit über diese 100 Jahre seit seiner Geburt in Frankfurt-Bornheim am 16. Juli 1926 hinausreicht.