Der Motivator
Über Klaus Toppmöllers Zeit als Trainer von Eintracht Frankfurt wird heute noch gerne und viel gesprochen, sodass man manchmal den Eindruck hat, der heutige Jubilar wäre viel länger als nur diese knapp zehn Monate in der Saison 1993/94 am Main in der Verantwortung gewesen. Am 12. August ist er 75 Jahre alt geworden. Sechs Stichworte aus seiner Amtszeit.
Lebendiger Adler
Klaus Toppmöller brachte schon weit vor Attilas erstem Einsatz einen lebendigen Adler in die Kabine, um seine Spieler zu motivieren. Nicht der einzige Kniff, denn es gab auch in der Kabine noch die …
Meisterschale
Der damals 41-Jährige lieh sich vor dem ersten Spieltag 1993/94 eine Replik der Meisterschale vom DFB aus, um damit seinen Spielern die Zielsetzung für die Saison deutlich zu machen. Die Eintracht war echter Titelkandidat, spielte man doch den …
Fußball2000
Dieser begann schon früher und brachte die Eintracht in Rostock einst der Meisterschaft ganz nah, aber zelebriert wurde er wohl am besten im ersten halben Jahr unter Toppmöller – mit Yeboah, Bein, Gaudino, Okocha und Furtok sowie Spielern wie Falkenmayer und Binz, die den Kreativen den Rücken freihielten. Denn der Eintracht gelang mit spektakulärer Spielweise ein …
Startrekord
Neun Siege, zwei Unentschieden – die Adlerträger legten unter Toppmöller in der Bundesliga 1993/94 los wie die Feuerwehr. Tony Yeboah schoss in den ersten neun Partien neun Tore, dann verletzte er sich schwer am Knie. Toppmöller hatte ihm 40 Treffer zugetraut, und einige sind sich sicher: Dass es nicht zur Deutschen Meisterschaft reichte, war auch am längeren Ausfall des Ghanaers festzumachen. Denn die Eintracht war bis dato dem Branchenprimus schon etwas enteilt und Toppmöller dichtete …
„BYE, BYE, Bayern“
Die Münchner lagen durch Eintrachts Startrekord schon einige Punkte hinter Frankfurt und scheiterten im UEFA-Pokal an Norwich City, Toppmöller ließ sich bezogen auf das Aus gegen die Engländer zu diesem Ausspruch hinreißen. Die Eintracht schwächelte aber bis ins Frühjahr, sie lief schließlich „nur“ als Fünfte ein. Da war Toppmöller schon nicht mehr da, denn nach dem 30. Spieltag knallte es und es kam zum …
„Trainer-Beben“
So lautete eine Schlagzeile am 10. April 1994, als Toppmöller den Riederwald nach dem 1:2 bei den Bayern und einer Negativserie in der Rückrunde verlassen musste. Am selben Tag hatte sich der Verein aufgrund von Differenzen zwischen einem Großteil der Mannschaft und Uli Stein vom damaligen Kapitän getrennt, der bei den Fans beliebte Toppmöller hatte sein Schicksal mit dem des Torhüters verknüpft. Der „Doppel-Wumms vom Main“ (kicker am 10. April 2025 im Rückblick), in dieser Konstellation wohl einmalig in der Bundesligahistorie, war perfekt. Mit Karl-Heinz Körbel an der Linie und Thomas Ernst im Tor rettete sich die Eintracht noch ins internationale Geschäft.
11FREUNDE schrieb einst über den seit 12. August 75-Jährigen aus der Nähe von Trier, der später den VfL Bochum sensationell in den UEFA-Cup und Bayer 04 Leverkusen zu drei Vizetiteln führte: „Der Trainer aus Rivenich verstand es während seiner Laufbahn, Spieler und Fans mit seiner Leidenschaft fast so oft anzustecken wie seine Marlboros.“ Toppmöller sei ein „schrulliger Lautsprecher mit den kuriosen Krawatten“ gewesen. Seine Trainerlaufbahn, die 1987 beim FSV Salmrohr während des Ausklangs seiner Spielerkarriere begann, hat der frühere Bundesligastürmer (108 Tore in 204 Spielen für Kaiserslautern) mittlerweile beendet, er genießt sein Familienleben in der Heimat. In seinem Wohnort Rivenich ist er einst quasi in der Gaststätte aufgewachsen; als Aktiver spielte er mit Ausnahme eines Jahres in den USA nur bei Klubs in Rheinland-Pfalz.
Über seine Verbundenheit zur Heimat und die Familie sagte er vor knapp zwei Jahren im Interview mit Sports Illustrated: „Für mich hatte die Familie immer Priorität. Wann immer es ging, fuhr ich nach Hause. Auch unter der Woche. Aus Bochum zweimal die Woche nach dem Training, immer mitten durch den Stau rund um Köln. Selbst aus Hamburg bin ich mindestens einmal unter der Woche heim. Erst mit dem Flugzeug, bis ich merkte: Mit dem Auto bist du genauso schnell. Ich war ein sehr häuslicher Typ. Und bin es noch immer. Weg aus Rivenich wollte ich nie. Und meine Frau auch nicht.“
Zu seinem 70. Geburtstag sagte er: „Ich habe eine tolle Frau, drei super Kinder und fünf wunderbare Enkel.“ Eines der Kinder ist, na klar, Ex-Eintracht-Coach Dino, der ebenso wie zum Beispiel Enkel Lionel (spielt in Eintrachts U17, unter anderem Torschütze am ersten Saisonspieltag) seinen Vornamen von einem berühmten Fußballer erhalten hat.
Der Meistertrainer
Als Eintrachts U19 vor 41 Jahren Deutscher Meister wird, ist Klaus Gerster ihr Trainer. Am 13. August feierte der im Nordend aufgewachsene Frankfurter seinen 70. Geburtstag.
Klaus Gerster kam entspannt mit dem Fahrrad zum Interviewtermin an der Bockenheimer Warte und hatte ein ganz besonderes Heft dabei. Anlass für das Treffen im vergangenen Sommer war der 40. Jahrestag der Deutschen U19-Meisterschaft der Eintracht, als die Gerster-Truppe mit Spielern wie den späteren Profis Andreas Möller, Thomas Ernst und Alexander Conrad im Finale Bayer 04 Leverkusen 4:2 besiegt hatte. Auf über 50 Seiten hatte Gerster seinerzeit Tabellen, Zeitungsausschnitte und Bilder aus der Saison 1984/85 zusammengestellt, eingeleitet von persönlichen Worten. „Hallo Jungs, dass ich diese Zeilen einmal schreiben werde, habe ich mir in meinen Träumen tausendmal ausgemalt; nun ist es soweit. […] Wie schrieb der Jugendkicker so schön: Ein Team, ein Wort: EINTRACHT. Ich glaube, treffender konnte man unser Team nicht beschreiben […].“
Gerster, der in jungen Jahren schon beim BSC Frankfurt Jugendtrainer geworden war, hatte nach einigen Jahren des Aufbaus und manchem Rückschlag sein Ziel erreicht. Thomas Ernst erinnert sich an den damaligen Trainer: „Wir hatten mit Klaus einen Trainer, der ein harter Knochen war und von dem wir viel gelernt haben. Er hat gerne das Torwarttraining gemacht, er hatte einen super platzierten Schuss. Dazu hatte Klaus immer den Mut, sich für seine Talente einzusetzen.“
Später wurde der Sohn eines selbstständigen Cafébetreibers Manager bei der Eintracht, beim BVB und bei Kickers Offenbach, war unter anderem Trainer beim Zweitligisten FSV Frankfurt und als Spielervermittler tätig.