Den Blick fürs Ganze und fürs Detail
Das Team hinter dem Team ganz persönlich. In unserer Rubrik Teamwork gibt’s spannende Einblicke in die Jobs der Staffmitglieder. Heute:
Sebastian Schneider
Leitender Mannschaftsarzt
So alt bin ich: 50
Ich bin aufgewachsen in: Dietzenbach, geboren in Frankfurt.
Das liebe ich an meiner Heimatstadt: Ich schätze Frankfurt mit seinem Flair, dem Mainufer und der Internationalität. Als Familie bevorzugen wir in Dreieich dennoch das etwas ländlichere Leben in der Natur mit zwei Kindern und Hund. Gleichzeitig sind die Wege in die Stadt und zum Flughafen angenehm kurz.
Ich arbeite bei der Eintracht seit: 2017. Angefangen im Nachwuchsleistungszentrum und seit zwei Jahren im Lizenzspielerbereich.
Das habe ich gelernt: Nach dem Abitur habe ich Humanmedizin studiert und den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie den Zusatz Sportmedizin erworben. Darüber hinaus habe ich mich weitergebildet, was Akupunktur, manuelle Therapie, Chiropraktik angeht.
Das ist meine Jobbeschreibung: Die alltäglichen Aufgaben mit der Arbeit im Team zu verknüpfen. Das betrifft etwa das Erkennen von Verletzungsmustern, um daraus Maßnahmen zur Prävention abzuleiten oder auch die Vernetzung aller Eintracht-Standorte, der Frauen- und NLZ-Teams.
Das ist wichtig in meiner Position: Ich muss koordinieren und möchte auch dafür sorgen, dass die Experten in unserem Staff Freude an ihrer Arbeit haben. Innerhalb der Prozesse strebe ich immer Optimierungen an. Wir ruhen uns nicht aus, auch wenn unser Level schon recht hoch ist, möchten wir uns auch in medizinischer und wissenschaftlicher Hinsicht immer verbessern. Sowohl wenn es gut läuft als auch natürlich, wenn wir nich zufrieden sein können.
So sieht ein Trainingstag der Mannschaft für mich aus: In der Regel beginnt der Tag mit einer medizinischen Besprechung um 7.45 oder 8 Uhr, um die Ereignisse des Vortags und aktuelle, die Spieler betreffende Themen zu besprechen. Danach folgen Gespräche mit den Spielern, ein Treffen mit den Athletiktrainern mit medizinisch-athletischen Schwerpunkten. Darauf basierend entwerfen wir Reha- oder Behandlungspläne. Im Austausch mit dem Trainerteam fällt die finale Entscheidung bezüglich Einsatzfähigkeit und Belastungssteuerung. Teilweise beobachte ich die Spieler auch selbst auf dem Platz, um Auffälligkeiten wie Schonhaltungen mitzubekommen. Nach einer Einheit behandeln wir Verletzungen, Blessuren oder Auffälligkeiten, um schlimmeren Verletzungen vorzubeugen. Nach der Abschlussbesprechung stehen eher administrative Aufgaben an.
So sehen mein Heimspieltag und eine Auswärtsreise aus: Im Grunde unterscheiden sich die Abläufe nicht wesentlich von denen an einem Trainingstag. Der Unterschied liegt wöchentlich in der Hauptverantwortlichkeit. In einer Woche, Dienstag bis Sonntag, trägt diese Mannschaftsarzt Daniel Lay, in der anderen ich. Daran orientiert sich auch, wer am Spieltag im Einsatz ist, egal ob daheim oder auswärts. Bin ich mal nicht im Dienst, schaue ich mir normalerweise das Eintracht-Auswärtsspiel im Fernsehen an; zu Heimspielen gehe ich dann gerne privat.
Das Beste an meinem Job: Die Abwechslung und Vielfalt. Kein Tag ist wie der andere. Es ergeben sich immer neue Situationen und Herausforderungen. Das kann auch schonmal extrem intensiv werden, wenn viele unerwartete Themen auf einmal auf einen einprasseln. Grundsätzlich gefallen mir die Möglichkeit und auch Notwendigkeit, auf jeden Spieler individuell einzugehen und ihn als Individuum zu betrachten. Auch wenn es ein Mannschaftssport ist, aus medizinischer Sicht lautet meine Devise: Wir betreuen Einzelsportler, die zusammen Fußball spielen.
Dieser Spieler ist der Musterspieler in meinem Bereich: Jonny Burkardt geht nach meinen Erfahrungen am bewusstesten mit seinem Körper um und investiert am meisten in seine Gesundheit. Generell muss jeder Sportler seinen eigenen Weg finden und es wäre nicht fair, jeden Einzelnen zu vergleichen. Ein Teenager beispielsweise benötigt mehr Hilfestellung als ein gestandener Profi.
Auf diese sportliche Leistung (nicht zwingend im Fußball) bin ich stolz: Damit tue ich mich schwer, ich würde ein anderes Wort als stolz verwenden. Ich bin einfach glücklich, meinen Traum, im Profifußball zu arbeiten, verwirklicht zu haben. Über mein originäres Aufgabengebiet als Mediziner bei meinem Herzensverein angestellt zu sein, erfüllt mich mit innerer Zufriedenheit.
Wenn ich mich nicht mit der Eintracht beschäftige, mache ich das am liebsten: Dem Familienleben widmen. Das bin ich Frau und Kids auch schuldig aufgrund der arbeitsbedingten Dauerreichbarkeit. Ich lebe meinen beruflichen Traum – und genieße die Freizeit mit Familie und Freunden dann umso mehr.
Mein Eintracht-Moment: Da muss ich zwei nennen. Als Fan war das Europa-League-Rückspiel in Barcelona 2022 ein absolutes Highlight. Als Mitarbeiter ist der 4:0-Heimsieg gegen Leipzig im April 2025 hängen geblieben. Damals ging es gegen den direkten Konkurrenten um die Teilnahme an der Champions League. Ich weiß noch, wie ich nach dem Treffer zum 3:0 innerlich das Gefühl hatte: Dafür hat sich die ganze Mühe gelohnt. Auch wenn wir es auf der Zielgeraden nochmal spannend gemacht haben …