Okocha, Dietrich und ein Trikotwechsel
Glorreiche Zeit
Am 3. August 1996 wird Jay-Jay Okocha Olympiasieger mit der Nationalmannschaft Nigerias. Ein Erfolg, der in mehrfacher Hinsicht einzigartig und sensationell ist! Bis heute ist es der größte Triumph des nigerianischen Fußballs, eine Krönung in einer Zeit des furiosen Angriffsfußballs der Afrikaner mit einer goldenen Spielergeneration (Sunday Oliseh, Nwankwo Kanu, Taribo West usw.). Spektakulär war vor allem der Weg zum Titel: Im Halbfinale wurden zunächst nach 1:3-Rückstand Brasilien mit Stars wie Bebeto, Rivaldo, Ronaldo und im Finale Argentinien mit Ayala, Crespo, Zanetti besiegt. Auch aus Eintracht-Sicht ist Okochas Olympiasieg etwas Besonderes. Er ist der einzige Olympiasieger im Männerfußball, der bereits in der Saison vor seinem Goldgewinn das Eintracht-Trikot trug. Zwar standen beispielsweise 1972 in München Eintrachtler wie Bernd Nickel, Jürgen Kalb und Günter Wienhold im deutschen Olympiakader, 1988 gewann Ralf Sievers immerhin Bronze – Gold holte jedoch keiner von ihnen.
Die einzigen beiden Goldmedaillengewinner in den 2000ern, die später auch das Trikot der Eintracht trugen, haben kürzlich für deren Traditionsmannschaft debütiert: Serge Branco kam 2000 als frischgebackener Olympiasieger mit Kamerun zur Eintracht und spielte Anfang Juni in Sontra mit dem Adler auf der Brust für die Tradi, DFB-Pokalsieger Marco Fabián besiegte mit Mexiko 2012 im Finale Brasilien (u. a. Neymar, Thiago Silva) und kickte im Sommer 2025 mit Körbel, Bindewald und vielen weiteren in Rodgau. Übrigens: Die Tradi hat fast immer einen olympischen Medaillengewinner im Kader. Rudi Bommer gehörte 1988 zum Bronze-Team mit Sievers, Jürgen Klinsmann, Olaf Janßen und Co.!
Ein trauriger Tag
Die Glorreiche Zeit und der Traurige Tag haben diesmal etwas gemeinsam: ihren Bezug zu den Olympischen Spielen! Aber der Reihe nach: Vor 90 Jahren, am Morgen des 18. Juli 1936, stand die Tribüne am alten Riederwald in Flammen. Sie war zu großen Teilen aus Holz gebaut und bot 1.500 Fans einen Sitzplatz. Der alte Riederwald, einige Kilometer vom heutigen Gelände entfernt direkt am Ratsweg gelegen, war 1920 als damals größte Frankfurter Sportanlage eingeweiht worden. Zwei Jahre später fand dort vor 35.000 Zuschauern das erste Länderspiel in der Mainmetropole gegen die Schweiz statt.
Die Tribüne brannte trotz großem Einsatz der Feuerwehr (4.400 Meter Schläuche waren verlegt worden) bis auf die Grundmauern nieder, die Fußballer mussten vorübergehend am Bornheimer Hang unterkommen.
Zum Baumeister der neuen Tribüne wurde ein Spieler. Der Schweizer Nationalspieler Walter Dietrich, seit 1925 bei der Eintracht, wirkte als Architekt und Maurermeister mit. Und hier kommt der Link zu den Olympischen Spielen: 1924 in Paris hatte Dietrich mit der Schweiz die Silbermedaille gewonnen! 13 Jahre blieb er bei der Eintracht und verpasste 1932 mit ihr nur knapp die Deutsche Meisterschaft. Gut ein Jahr nach dem Brand konnte die neue, hochmoderne Tribüne mit integrierter Vereinsgaststätte, Mannschaftsräumen und Kegelbahn eröffnet werden.
Waldtribünen-Premiere
Heute eine feste Institution, am 28. August 2011 erstmals am Start: die Waldtribüne. Das Talkformat des Eintracht-Museums vor Selbigem wird bei jedem Heimspiel überwiegend von Beve und Pia moderiert, 2011 sind es neben Beve noch Frauke, Jasmin und Basti. Gegner vor fast genau 15 Jahren war der SC Paderborn, die Ostwestfalen sind auch in dieser Saison zu Gast im Deutsche Bank Park. Dieses Mal im Vergleich zu 2011 auf Erstliganiveau. Endstand damals: 0:0.
Kurioser Trikotwechsel
Trikots haben zu Saisonbeginn immer Hochkonjunktur. Beste Gelegenheit also, auf ein Kuriosum vor 60 Jahren zu blicken. Am 2. Juli 1966 wollte die Eintracht beim letzten Spiel von Meisterspieler Erwin Stein im International Football Cup (IFC) gegen Feyenoord Rotterdam den Gruppensieg klarmachen. Nach fünf Minuten wurden bereits die Shirts gewechselt, „nachdem man auf den Rängen lautstark gegen das farbige Durcheinander protestiert hatte“ (Zitat aus dem Spielbericht; wie das „farbige Durcheinander“ genau aussah, ist nicht mehr nachzuvollziehen). Kein Problem für die Adlerträger: Wolfgang Solz sicherte per Doppelpack den Einzug in die nächste Runde. Übrigens: Die Eintracht ging als letzter IFC-Sieger in die Geschichte ein, denn nach dem Finalerfolg über Inter Bratislava nach Verlängerung wurde der Wettbewerb eingestellt. Für die Mannschaft von Elek Schwartz war es damit eine überragende internationale Saison, denn später gewann sie noch den Alpenpokal (das letzte Spiel fiel bereits in die Vorbereitung 1967/68) und erreichte im Messepokal das Halbfinale.