„… Da musst du Tore machen“
Frank Gerster hatte bei der Eintracht nicht die beste Zeit in seiner Karriere. Heute steht der 50-Jährige als Adlerträger aber so oft mit der Traditionsmannschaft auf dem Platz wie nur wenige andere Ex-Profis. Ohnehin hat er weiterhin sehr viel mit Fußball zu tun.
Er ist seit 15 Jahren Tradispieler, seit zehn Jahren in der Fußballschule tätig, steht auf Platz zehn in der ewigen Rangliste der Tradispieler sowie auf Position fünf in der Torschützenliste von „Eintracht in der Region“ – und ist seit Kurzem 50 Jahre alt. Frank Gerster hat in den vergangenen Jahren eine enorme Verbundenheit zur Eintracht aufgebaut, auch wenn er als Spieler in der Profimannschaft nur auf einen Einsatz gekommen ist. Unter Reinhold Fanz, als die Adlerträger mit 1:4 bei 1860 München verloren. Das war im Frühjahr 1999, als die Eintracht Richtung Abstieg taumelte, sich aber bekanntlich noch furios rettete.
Ehrlich blickt Gerster auf diese Zeit zurück, in der Mannschaftskollegen aus der U21 wie Bernd Schneider und Michael Ballack den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft haben. „Ich habe daraus gelernt. Man muss immer etwas dafür tun, um erfolgreich zu sein. Trotzdem bin ich heute glücklich und stehe mit beiden Beinen im Leben.“
Beruflich ist Gerster, der selbstständig eine Fußballakademie betreibt, viel unterwegs. „Ziel ist es, Jungs und Mädchen fußballerisch zu verbessern. Ich reise oft ins Ausland und stelle dort das Projekt vor. Früher war ich als Trainer selbst öfter auf dem Platz, mittlerweile habe ich die administrativen Aufgaben übernommen. Wir sind eine kleine Agentur mit exklusiven Leistungen und haben Spieler und Kunden in Thailand, dem Nahen Osten und den USA.“ Das Konzept sieht vor, Kinder im Fördertraining zu betreuen und zu entwickeln und sie idealerweise für mehrere Jahre nach Deutschland zu bringen. Gerster kümmert sich um die komplette Koordination – Flüge, Unterkünfte und vieles mehr. „Sie sollen sich wohlfühlen“, sagt er.
So wie er sich bei Eintracht Frankfurt wohlfühlt. Und das schon seit vielen Jahren. In der Tradi, in der Fußballschule, auf und neben dem Platz.
Die Fußballkarriere führte den geborenen Allgäuer nach seinen drei Jahren in Frankfurt zwar einmal durch die Republik (Reutlingen, Fulda, Leipzig, Emden, Magdeburg, Chemnitz), im Rhein-Main-Gebiet ist er dann aber sesshaft geworden und zur Eintracht zurückgekehrt. Erst zur Traditionsmannschaft, dann zur Fußballschule. Über 160 Partien für das Team von Karl-Heinz Körbel stehen zu Buche, mit 23 Toren bei „Eintracht in der Region“ – erzielt in der Regel als Joker – muss der Mittelfeldspieler neben Ervin Skela nur Stürmern (Thurk, Meier, Hagner) den Vortritt in der Torschützenliste lassen. „Es ist mir eine große Ehre, für die Tradi spielen zu dürfen. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen, daran sieht man die Verbundenheit aus früheren Tagen. Es sind tolle Momente, die wir dort erleben. Was bei ‚Eintracht in der Region‘ bei den Vereinen abgeht an diesem besonderen Tag, ist allererste Sahne und eine Win-win-Situation für alle“, sagt Gerster im Interview mit den Kollegen der Fußballschule anlässlich deren 25-jährigen Bestehens.
„Ich hätte härter arbeiten müssen, um mehr Einsätze zu bekommen.“
Frank Gerster
Zu seiner Trefferquote bei der Tradi meint er schmunzelnd: „Ich gehöre eher zu den Jüngeren, da musst du Tore machen.“ Der im April 50 Jahre alt gewordene Gerster beweist hier immer noch wie früher ein feines Füßchen, besticht mit guter Technik und einem guten Auge für den Mitspieler. Dies machte ihn in jungen Jahren zu einem großen Talent, gepaart mit „der Disziplin und Bereitschaft, hart zu arbeiten. Das hat mich in meiner Jugend ausgemacht.“ Ein Jahr lang ist Gerster, in Kempten geboren, von dort mit dem Zug nach Augsburg gefahren, zwei Stunden einfacher Weg. Mit dem FCA wurde er Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger in der U19, wechselte zum FC Bayern München, trainierte unter Giovanni Trapattoni („Ein Gentleman, ein herzensguter Mensch, der mich am meisten inspiriert hat“) und Hermann Gerland, spielte bei den Profis und Amateuren, dazu in der U21-Nationalmannschaft. „Ich lebte nur dafür, meine Tasche neu zu packen. Aber ich musste es meistern.“
Was bei den Verlockungen nicht immer einfach war. Gerster erzählt: „Mit dem Schritt in den Profikader sind natürlich viele Türen für mich aufgegangen. Das war eine komplett andere Welt, wir sind mit Privatfliegern durch Europa gereist. Im Mannschaftsbus lagen aktuelle Zeitschriften aus, dort hast du dich informiert über die schönen Dinge im Leben, einen bestimmten Lifestyle. Das hat motiviert.“ Letztlich aber nicht in dem Maße, wie es erforderlich gewesen wäre. Denn dass sein Wechsel nach Frankfurt zu einem „Rückschritt in meiner Karriere“ werden würde, kreidet er auch sich an. „Ich habe mich auch falsch und unprofessionell verhalten. Ich hätte härter arbeiten müssen, um mehr Einsätze zu bekommen. Ich kam als junger Mensch nach Frankfurt, wurde aber nicht immer gut beraten. Um weiter oben anzuklopfen, hätte ich besser werden müssen.“
Text: Philipp Dibelka, Michael Wiener
Fotos: Eintracht, imago images