„Lasst uns Gas geben“
Der Europapokal 2026/27 findet zwar ohne Eintracht Frankfurt statt, die Vorfreude auf die neue Saison ist jedoch durch die gesamte Vorbereitungszeit inklusive der erfolgreichen ersten Pokalrunde gegen St. Tönis (11:0) spürbar gewesen – mit Ausnahme des 0:7 beim FC Brentford. Dichtes Gedränge herrschte an den Trainingsplätzen in Frankfurt und Grassau, wenn die Eintracht trainierte; bei den Testspielen war stets volles Haus und Cheftrainer Adi Hütter konnte jede Menge Erkenntnisse gewinnen. Die Saisonvorschau in sieben Punkten.

Text: Michael Wiener
Fotos: Eintracht

1 Von 7 bis 545

       7: In der ewigen Tabelle liegt die Eintracht auf Rang sieben. Ein Positionswechsel ist nicht in Sicht, zu groß sind die Abstände nach vorne zum Hamburger SV (132 Punkte Rückstand) und nach hinten zu Bayer 04 Leverkusen (70 Punkte Vorsprung). Die Top Fünf bilden der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Werder Bremen, VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach.

       58: Die Adlerträger gehen in ihre 58. Bundesligasaison. Es ist Nummer 15 in Folge nach dem Aufstieg 2012.

       60: Die Eintracht erklimmt vor 60 Jahre, am zweiten Spieltag der Saison 1966/67, erstmals die Spitze der Fußball-Bundesliga. Dem 2:1 in München zum Auftakt gegen die Bayern mit Beckenbauer und Co. folgt am 27. August 1966 ein 4:0 gegen Köln, mit einem Hattrick von Siegfried Bronnert.

       299: Die Eintracht stellt in der Bundesliga 299 verschiedene Torschützen. Das ist Spitzenwert vor dem VfB Stuttgart (293).

       499: Die Trainer der Eintracht haben seit 24. August 1963 insgesamt 499 verschiedene Spieler auf den Platz geschickt, auch das ist der Topwert in 63 Jahren Bundesliga.

       545: Manuel Neuer (40) vom FC Bayern München ist mit 545 Partien der noch aktive Spieler mit den meisten Bundesligaeinsätzen, er müsste also für einen Angriff auf Rekordspieler Karl-Heinz Körbel (602 Partien) noch mehr als ein Jahr spielen. In der vergangenen Spielzeit in die Top Ten der ewigen Liste aufgerückt ist Oliver Baumann (36) mit 523 Einsätzen. Danach folgt eine große Lücke zu Matthias Ginter (32/412 Einsätze).

2 Aus dem Sattel

In den vergangenen acht Spielzeiten war die Eintracht sieben Mal international dabei; in dieser Saison tanzt die Eintracht „nur“ auf zwei Hochzeiten, hat aber auch einige personlle Veränderungen zu schultern. Generell geht es aber auch um das, was Vorstandssprecher Axel Hellmann am Familientag deutlich machte: „Wir müssen es wieder hinbekommen, dass das Stadion aus dem Sattel geht, wenn wir Fußball spielen. Das Zusammenspiel zwischen Rängen und Platz, Platz und Rängen ist mir wichtig. Lasst uns Gas geben!“ Dieses Zusammenspiel hat in der Vorbereitung bereits sehr gut angefangen, durch die Fannähe bei den öffentlichen Trainingseinheiten, den Zuspruch bei den Testspielen oder auch das berühmte Handkäs-Frühstück in Grassau.

3 Fast nur Siege

Zehn Tage in Grassau im Chiemgau (Bilderstrecke auf den Seiten 58 und 59), ansonsten Frankfurter Stadtwald. Die Adlerträger blieben in dieser Saisonvorbereitung auf deutschem Boden, abgesehen von den Testspielen gegen Trabzonspor in Salzburg (3:0) und den FC Brentford in London (0:7). Die Eintracht zeigte sich fannah in der Heimat, spielte in Mittel- (FC Gießen/7:1) und Südhessen (Hull City in Dreieich/2:0) sowie in Mannheim (Waldhof/1:0) und in der Mainmetropole (FSV/5:1) gegen zwei Klubs, zu denen eine freundschaftliche Beziehung besteht.

4 Kader

Das Transferfenster in Deutschland ist bis 1. September, 20 Uhr, geöffnet; Wechsel in andere Länder sind auch danach noch möglich, falls dort der Stichtag später ist. Daher ist der Kader zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses eventuell noch nicht komplett. Ihre Verträge verlängert haben zuletzt Amil Siljevic (bis 2029), Timothy Chandler (bis 2027) und Mario Götze (bis 2028). Fest stehen bisher vier externe Zugänge:

       Otávio: *25.11.2005, Abwehr, Estrel Amadora

       Noel Aseko: *22.11.2005, Mittelfeld, FC Bayern München

       Raphael Onyedika: *19.04.2001, Mittelfeld, Club Brügge

       Malik Pimpong: *01.01.2008, Sturm, FC Midtjylland

Neu ist auch die Zusammenstellung des Trainerteams. Cheftrainer Adi Hütter (56) geht in seine zweite Amtszeit nach 2018 bis 2021, als die Eintracht unter dem Österreicher unter anderem das Europa-League-Halbfinale erreichte. Seine Co-Trainer sind Christian Peintinger (59, seit 2015 an Hütters Seite), Klaus Schmidt (58, war mit Hütter bereits in Monaco) und Vereinslegende Alex Meier (43, vorher Cheftrainer U19). Torwarttrainer bleibt Jan Zimmermann (41).

Verlassen haben die Eintracht bis zum Redaktionsschluss Nathaniel Brown (FC Bayern München), Aurèle Amenda (Coventry City), Rasmus Kristensen (FC Midtjylland), Ellyes Skhiri (1. FC Köln), Michy Batshuayi (Abha Club), Elye Wahi (Leihe zum OGC Nice), Mo Dahoud und der zuletzt geliehene Arnaud Kalimuendo (zurück zu Nottingham Forest) sowie die zuletzt verliehenen Hrvoje Smolcic (Çorum FK), Junior Dina Ebimbe (FC Schalke 04) und Simon Simoni (FC Luzern).

Noel Futkeu wechselt auf Leihbasis bis Ende dieser Saison zur SV Elversberg, Krisztián Lisztes bleibt an Ferencvárosi TC verliehen und Noah Fenyö wechselt fest zum Újpest FC.

5 Ende in München

Die Eintracht startet die neue Spielzeit am 29. August ab 15.30 Uhr auswärts gegen den 1. FC Union Berlin. Die erste längere Länderspielpause ist zwischen dem vierten und fünften Spieltag vorgesehen. Im Dezember gastieren die Hessen zweimal hintereinander im Rheinland, am 13. Spieltag bei Borussia Mönchengladbach, danach bei Bayer 04 Leverkusen. Damit endet auch das fußballerische Kalenderjahr 2026.

Der 15. Spieltag ist auf den Zeitraum 8. bis 10. Januar 2027 datiert und hält für die Adlerträger das Traditionsduell im Deutsche Bank Park gegen den FC Schalke 04 bereit. Es folgt eine Englische Woche mit Reisen nach Elversberg und dem Heimspiel gegen den FC Bayern München, der am letzten Spieltag (Samstag, 22. Mai, 15.30 Uhr) Gastgeber der Adlerträger ist. Zuvor sieht der März ebenso wie bereits der Januar drei Begegnungen innerhalb einer Woche vor.

Die Details in der Übersicht:

       29. August, 15.30 Uhr: 1. Spieltag, 1. FC Union Berlin (A)

       19. Dezember*: 14. Spieltag, Bayer 04 Leverkusen (A), letzter Spieltag vor Weihnachten

       9. Januar*: 15. Spieltag, FC Schalke 04 (H), erster Spieltag im neuen Jahr

       22. Mai, 15.30 Uhr: 34. und letzter Spieltag , FC Bayern München (A)

       Keine Bundesliga an diesen Wochenenden: 26. September, 3. Oktober, 14. November, 27. März

*Spiele noch nicht fix terminiert

6 Das ist neu in der Liga

       Name: Zum Stichtag 1. Juli 2026 tritt der Ligaverband einheitlich auf, nicht mehr als Deutsche Fußball Liga, sondern als Bundesliga. 

       Ball: Nach acht Jahren DERBYSTAR heißt der offizielle Spielball für die Bundesliga, die Zweite Bundesliga, den Supercup, die Relegationsspiele und den neuen U21-Wettbewerb Bundesliga Talent Series wieder TORFABRIK. So wie zwischen 2010/11 und 2017/18. Das Design des runden Leders von Spielball-Partner adidas orientiert sich am Modell TEAMGEIST, das erstmals 2006 in Deutschland zum Einsatz kam.

       Verein: 2024/25 knapp in der Relegation den Aufstieg verpasst, hat die SV Elversberg in der Vorsaison nachdrücklich an das Tor zum deutschen Fußballoberhaus geklopft und ist als Tabellenzweiter direkt aufgestiegen. Die Saarländer sind der 59. Verein, der in der deutschen Beletage an den Start geht. Die Gemeinde Spiesen-Elversberg ist außerdem mit rund 13.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der kleinste Bundesligastandort aller Zeiten.

       Länderspielpause: Ab dieser Saison gibt es im Herbst zwei statt drei Abstellungsperioden, die erste hat eine ungewohnte Länge: Ende September bis Anfang Oktober ruht der Bundesligaball für 16 Tage. Im November sind es wie bisher neun Tage.

       Regeln: Auf Grundlage der Regeländerungen des International Association Board (IFAB) wird es auch in der Bundes liga ab der neuen Saison zu Anpassungen kommen. Einen Vorgeschmack bildete dahingehend die Fußballweltmeisterschaft, in Nordamerika griffen die Neuerungen als Erstes und betreffen unter anderem die Acht-Sekunden-Regel bei Abstößen und Einwürfen, die Zehn-Sekunden-Regel bei einer Auswechslung sowie die Befugnisse des VAR, der nun auch unter anderem bei zu Unrecht gezeigten zweiten Gelben Karten, die zu Gelb-Rot führen, sowie nach Eckbällen, die keine waren, eingreifen darf.

       VAR-Station: Vom Video-Assist-Center in Köln-Deutz, im Volksmund Kölner Keller, geht es für die Video Assistant Referees sozusagen ans Tageslicht auf den DFB-Campus nach Frankfurt. Der Testbetrieb lief bereits in der Rückrunde der Vorsaison.

       Schiedsrichter: Neben drei Vereinen steigen auch zwei Schiedsrichter in die Bundesliga auf: Dr. Max Burda und Richard Hempel. Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Frank Willenborg und Tobias Welz scheiden aus. Dadurch reduziert sich das Schiedsrichterteam in der höchsten deutschen Spielklasse von 24 auf 22 Spielleiter.

       Trainer: Sechs neue Cheftrainergesichter begrüßt die Bundesliga nach aktuellem Stand. Drei übernehmen in Berlin-Köpenick (Mauro Lustrinelli), Leipzig (Martin Demichelis) und Leverkusen (Carles Martínez) einen neuen Klub, drei weitere sind nach den Aufstiegen von Schalke (Miron Muslic), Elversberg (Vincent Wagner) und Paderborn (Ralf Kettemann) erstmals im Oberhaus dabei.

7 DFB-Pokal und Debüts

Beim Weiterkommen im DFB-Pokal gegen St. Tönis gaben Jeremiaha Maluze und Malik Pimpong ihren Einstand für die Lizenzspieler, Letzterer lief gar zum allerersten Mal im Männerbereich auf. Dazu gesellten sich die Debütanten Otávio, Raphael Onyedika sowie Keita Kosugi. Die Zweite Runde steht am 27./28. Oktober an, ausgelost wird am 5. September. Das DFB-Pokalfinale findet eine Woche nach dem letzten Bundesliga-Spieltag in Berlin statt, Termin ist demnach der 29. Mai.