Der 13. Brasilianer
Nächster Halt: Im Herzen von Europa, Eintracht Frankfurt, Bundesliga. Großer Ehrgeiz und große Dankbarkeit, der 20-jährige Innenverteidiger lebt seinen Kindheitstraum: Das ist Otávio, der brasilianische Zugang aus Portugal.

Text: Stephan Weidemeyer
Fotos: Eintracht

„Wir haben ihn schon länger auf dem Radar“, verriet Markus Krösche, Sportvorstand der Frankfurter Eintracht. Ein dehnbares Zeitfenster. Möglicherweise schlug das Detektionssystem der Adlerträger bereits an der Südatlantikküste Brasiliens an, allerspätestens aber in der Region Lisboa e Vale do Tejo vor den Toren Lissabons an der Nordatlantikküste Portugals.

Dort, wo der 20-jährige Neuzugang der Eintracht beim Club Football Estrela Amadora zunächst die unterhalb der Profimannschaft angesiedelten Teams durchlief, Hürde für Hürde nahm, zwischenzeitlich als Kapitän der U23 fungierte und zum Profi reifte. Dort begann der hochgewachsene Verteidiger auch die Saison 2025/2026 zunächst in der portugiesischen Liga New Gen, dem Unterbau für den Nachwuchs, bevor er am neunten Spieltag direkt in der Startelf sein Debüt in Portugals höchster Spielklasse feierte. Hier kam er letztlich auf 22 Pflichtspiele und konnte sich als Abwehrhüne im direkten Duell mit den Offensivkräften der portugiesischen Topklubs SL Benfica, Sporting Clube de Portugal und FC Porto messen.

„Es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich danke Gott für die Chancen, die ich erhalten habe“, sagte Otávio dem Online-Portal 365 Scores im Nachgang über die abgelaufene Spielzeit beim CF Estrela Amadora. Im Übrigen Anfang der 90er eine der ersten Trainerstationen, damals noch als Assistent, von José Mourinho sowie später der Jugendverein von Rúben Dias, seit sechs Jahren in Diensten von Manchester City.

Vor allem das Match gegen Sporting, ein 0:4 Ende November 2025, hat völlig unabhängig vom Endresultat einen besonderen Platz im Fußballerherz des Brasilianers – nach eigener Aussage auf einer Stufe mit seinem Debüt für Camboriú in der brasilianischen Serie D im zarten Alter von 17 sowie seinem Profidebüt in Portugal. „Das waren sicherlich sehr wichtige Momente für mich“, sagte er der portugiesischen Sportzeitung A Bola.

Ein weiterer wichtiger Moment folgte im ProfiCamp im Deutsche Bank Park. Viele prägende Erfahrungen in der Laufbahn des jungen Brasilianers werden noch hinzukommen, ab sofort mit dem Adler auf der Brust im Herzen von Europa.

Was zeichnet Otávio aus? Sportvorstand Markus Krösche: „Er bringt extrem viel mit. Er ist 1,93 Meter groß, schnell, Linksfuß, kann sowohl Innen- als auch Außenverteidiger spielen, ist sehr flexibel und hat gut physische Voraussetzungen.“ Er passe in das Profil, das man, so Krösche, vorab klar definiert und mit Cheftrainer Adi Hütter besprochen habe. Der SGE-Radar hatte ihn erfasst.

„Ich bin zweikampfstark. Ein aggressiver Spieler bei Kopfballduellen und am Boden. Dazu bin ich ein Spieler mit guter Passqualität“, zeichnet der Südamerikaner ein Bild seiner Spielweise. 14 Partien absolvierte er in Portugals erster Liga als Innen-, acht weitere als Linksverteidiger. „Ich möchte die Mannschaft unterstützen. Dafür bin ich hierhergekommen, und wo auch immer der Trainer mich braucht, werde ich bereit sein. Hier zu helfen, ist für mich auch ein Schritt, um meiner Familie zu helfen. Ich werde also alles geben“, so Frankfurts Neuzugang. Einer, der weiß, wo er herkommt.

„Seit ich klein war, war es mein Traum, zu größeren Klubs zu wechseln, und Frankfurt ist ein riesiger Klub mit sehr großem Namen.“
Otávio

Otávio, mit vollem Namen Otávio Manoel Galdino Fernandes, wuchs mit seiner Familie in Araucária im Süden Brasiliens auf. Über den Clube Atlético Matogrossense zog es ihn nach Camboriú. Einsätze in der Copa São Paulo de Futebol Júnior, das erwähnte, für den damals jungen Teenager besondere Debüt in der Serie D sowie ein Wechsel auf Leihbasis zu Botafogo de Futebol e Regatas, kurz Botafogo FR aus Rio de Janeiro. Ein Klub mit Historie: Bei den Weltmeisterschaften 1958 und 1962 stellte Botafogo mit Nílton Santos, Linksverteidiger und zu Lebzeiten „Die Enzyklopädie des Fußballs“ genannt, mit Didi, seines Zeichens „Spieler des Turniers“ 1958 in Schweden, und mit Garrincha drei brasilianische doppelte Titelträger.

Im April 2024 siegte Otávio mit Botafogo in der CBF Brasileiro U20 mit 3:1 gegen die Altersgenossen des Sao Paulo FC, dem Jugendverein von Tuta und Alessandro da Silva – zwei der insgesamt zwölf Brasilianer, die bislang das Eintracht-Trikot trugen. Otávio ist die Nummer 13. Mit Kaua Santos weiß er einen Landsmann an seiner Seite beziehungsweise hinter sich.

„Seit ich klein war, war es mein Traum, zu größeren Klubs zu wechseln, und Frankfurt ist ein riesiger Klub mit sehr großem Namen. Ich bin sehr glücklich“, erzählt er stolz am EintrachtTV-Mikrofon. Es zeugt von Bodenständigkeit und Dankbarkeit, zugleich aber auch von viel Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, von Fokus.

„Ich weiß, dass die Eintracht ein Klub ist, der stark auf junge Spieler setzt und immer darum kämpft, alles zu gewinnen. Um das zu tun, komme ich hierher“, betont er.

Wenn Träume wahr werden. Gude in Frankfurt, Otávio.