Zwischen neuen Gesichtern und alten Bekannten
Eine neue Saison bringt neue Namen, neue Duelle und neue Geschichten. Bei den Eintracht Frauen hat sich im Sommer einiges verändert: Sieben Zugänge und neue Talente aus der U20 prägen den Kader, der auch einige Abgänge zu verkraften hatte. Während sich die Mannschaft weiterentwickelt, geht Niko Arnautis in Frankfurt in sein zehntes Jahr. Auch wenn die ersten Pflichtspiele schon absolviert sind, hier die Saisonvorschau in sieben Kapiteln.

Text: Chenoa da Silva Canton, Michael Wiener
Bilder: Eintracht

1 Neues Septett am Main

Der Kader der Eintracht Frauen hat im Sommer ein neues Gesicht bekommen. Neben den Eigengewächsen (siehe Punkt 2) verstärken Hanna Bennison, Paulina Krumbiegel, Sofie Lundgaard, Larissa Mühlhaus, Jamilla Rankin, Danique Tolhoek und Vivienne Lia die Mannschaft von Niko Arnautis.

Hanna Bennison kommt von Real Madrid an den Main. Die 23-jährige schwedische Nationalspielerin ist im zentralen Mittelfeld zu Hause und bringt Erfahrung aus mehreren europäischen Topligen mit. Über Rosengård, Everton und Juventus Turin führte ihr Weg nach Madrid. Mit Juventus gewann sie das Double und sammelte Champions-League-Erfahrung, ihr Debüt in der Königsklasse feierte sie bereits mit 15 Jahren.

Die dänische Mittelfeldspielerin Sofie Lundgaard ist seit Mitte August Adlerträgerin, sie kommt vom Liverpool FC. Die 24-Jährige feierte schon 2018 ihr Profidebüt für den dänischen Klub Aalborg BK. Über Fortuna Hjørring, mit dem sie in der Qualifikation zur UEFA Women’s Champions League 2022/23 auf die Eintracht traf (0:2), führte sie ihr Weg im Winter dieser Spielzeit nach Liverpool, wo sie in dreieinhalb Jahren auf 42 Pflichtspieleinsätze kam.

Jamilla Rankin verstärkt unterdessen die Defensive. Die 23-jährige Australierin ist auf der linken Seite flexibel einsetzbar und kommt von der TSG Hoffenheim.

Auch Danique Tolhoek bringt viel Torerfahrung mit nach Frankfurt. Die 21-jährige Niederländerin wechselt von Ajax Amsterdam zu den Eintracht Frauen. Mit Ajax gewann sie 2024 den niederländischen Pokal. Für die niederländische U19 erzielte sie in 28 Spielen beeindruckende 27 Treffer und feierte Ende 2025 ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Paulina Krumbiegel kommt ebenfalls mit Erfahrung aus dem europäischen Ausland. Die 25-jährige Außenverteidigerin spielte zuletzt beim italienischen Spitzenklub Juventus Turin. Krumbiegel ist beidfüßig, flexibel einsetzbar, kann sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf den Außenbahnen agieren. Ausgebildet wurde sie bei der TSG Hoffenheim, bei der sie seit der U17 sämtliche Nachwuchsmannschaften durchlief und 76 Pflichtspiele in Bundesliga und DFB- Pokal absolvierte.

Larissa Mühlhaus kommt mit der Empfehlung, in der vergangenen Saison für den SV Werder Bremen in der Liga 17 Tore erzielt zu haben – so viele wie niemand anderes im Oberhaus. Die 23-jährige deutsche A-Nationalspielerin spielte seit 2024 an der Weser, die Offensivspielerin war auch in der Zweiten Liga für den Hamburger SV in der Saison 2023/24 schon Torschützenkönigin.

Das englische Top-Talent Vivienne Lia schloss sich bereits in jungen Jahren der Arsenal Academy an und entwickelte sich dort zu einer vielseitig einsetzbaren Offensivspielerin. 2024 rückte die 19-Jährige erstmals in den Kader der ersten Mannschaft und debütierte wenig später, im Januar 2025 unterschrieb sie ihren ersten Profivertrag bei den Gunners. Um regelmäßig auf hohem Niveau Spielpraxis zu sammeln, war Lia in den vergangenen Jahren mehrmals verliehen – nach Southampton, Nottingham und Hammarby IF. Auch für die englischen Nachwuchsnationalmannschaften ist Lia regelmäßig im Einsatz.

Fünf externe Zugänge (Lundgaard und Lia kamen erst später) feierten beim Halbfinale des Miniturniers schließlich allesamt ihr Pflichtspieldebüt für die Eintracht. Für Larissa Mühlhaus wurde der erste Pflichtspieleinsatz direkt zu einem besonderen Moment. Sie erzielte dabei auch ihre ersten beiden Pflichtspieltore für die Eintracht. Auch Jamilla Rankin und Danique Tolhoek konnten ihre ersten Treffer im Eintracht-Trikot bereits in der Vorbereitung bejubeln. Beide trafen im Testspiel gegen Mainz 05.

2 Von der U20 zum Profikader

Nicht nur externe Verstärkungen sorgen für neue Gesichter. Mit Ela Demirbaş, Mina Matijevic und Tessa Zimmermann erhalten drei Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs die Chance, sich dauerhaft im Profibereich zu etablieren. Während Demirbaş und Zimmermann bereits in den Testspielen zum Einsatz kamen, befindet sich Matijevic aktuell noch im Aufbautraining.

Auch Katharina Jeppe sammelte bereits erste Erfahrungen bei der ersten Mannschaft. Die deutsche U15- und U16-Nationalspielerin wird zunächst Teil des U20-Kaders sein und gleichzeitig an die erste Mannschaft herangeführt. Beim Testspiel gegen Mainz 05 feierte die Torhüterin ihr Debüt im Eintracht-Trikot und stand in der zweiten Halbzeit zwischen den Pfosten. Demirbaş, Zimmermann und Jeppe gehörten zudem zum Kader für die zweite Qualifikationsrunde der Champions League.

Apropos U20: Die zweite Profimannschaft ist in der Zweiten Frauen-Bundesliga Anfang August in die Saison gestartet. Das Team von Kim Fellhauer, die zu Jahresbeginn das Traineramt übernommen hatte, bestritt ihr Auftaktspiel bei der SGS Essen (1:3). Der zweite Bundesligaabsteiger FC Carl Zeiss Jena kommt am 6. September ans Brentanobad. Aufgestiegen sind erstmals Hertha BSC (am 20. September zu Gast), 1. FC Köln II und TSG Hoffenheim II. Die 28-jährige Fellhauer formuliert die Zielsetzung: „Unser größtes Ziel ist es, die jungen Spielerinnen individuell weiterzuentwickeln und sie auf ihrem Weg in den leistungsorientierten Frauenfußball bestmöglich zu unterstützen.

Gleichzeitig wollen wir als Mannschaft bestehen und den Klassenerhalt sichern – mit mutigem, intensivem und aktivem Fußball.“ Die höherklassig erfahrenste Spielerin ist Zugang Mia Büchele (vom HSV, 56 Bundesligaspiele), die gegen Essen eine Ecke direkt verwandelte.

3 Abschied von vertrauten Gesichtern

Den neuen Namen stehen mehrere Abschiede gegenüber: Géraldine Reuteler wechselt nach acht Jahren bei der Eintracht zu Arsenal WFC, Nicole Anyomi schließt sich nach 60 Toren in 130 Pflichtspielen für Frankfurt den London City Lionesses an. Nadine Riesen komplettiert damit ein Trio, das künftig in London zu Hause ist; sie verteidigt nun für West Ham United. Funfact: In der englischen Women’s Super League kommen die Hälfte der 14 Klubs aus der Hauptstadt.

Ebenso im Ausland sind künftig Elisa Senß (Real Madrid), Remina Chiba (Juventus Turin) und weiterhin Pernille Sanvig am Ball, die nach ihrer Leihe fest bei BK Häcken in Schweden bleibt. Lisanne Gräwe und Jella Veit wechseln zum 1. FC Union Berlin, Eigengewächs Ilayda Açıkgöz bleibt ebenfalls in der Bundesliga und trägt das Trikot des SC Freiburg. Eleni Markous Vertrag wurde nicht verlängert, Ylvi Eisenbeiß schließt sich der U20 des VfL Wolfsburg an.

4 Drei Wettbewerbe

Mittlerweile liegen schon der erste Bundesliga-Spieltag gegen Köln (2:0) und das Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde in der UEFA Women’s Champions League gegen Paris Saint-Germain hinter den Adlerträgerinnen. Das Rückspiel gegen den Tabellendritten aus Frankreich 2025/26 folgt am 2. September. Das Duell mit Paris ist dabei nicht das erste internationale Aufeinandertreffen beider Vereine. Zuletzt standen sich Frankfurt und PSG im Endspiel dieses Wettbewerbs 2015 in Berlin gegenüber. Damals setzte sich der 1. FFC Frankfurt mit 2:1 durch und holte den letzten internationalen Titel der Vereinsgeschichte.

Sollte es auch diesmal erfolgreich für Frankfurt ausgehen, ist der nächste Pflichttermin die Auslosung der Ligaphase voraussichtlich am 4. September in Nyon. Die sechs Spieltage sind für den 22./23. September, den 30. September/1. Oktober, den 28./29. Oktober, den 10./11. November, den 18./19. November und den 16. Dezember angesetzt.

Übersteht die Eintracht die dritte Qualifikationsrunde nicht, geht es im UEFA Women’s Europa Cup weiter. Dort ginge es in die zweite Qualifikationsrunde mit Hin- und Rückspiel, terminiert auf den 23. und 30. September.

Im DFB-Pokal steigen die Adlerträgerinnen ebenso wie alle weiteren Erstligisten sowie die beiden Absteiger der Vorsaison in der ersten Hauptrunde ein. Diese wird zwischen dem 26. und 28. September ausgetragen, Gegner ist auswärts der Süd-Regionalligist Karlsruher SC. Fernziel aller Topteams ist das Finale am Pfingstmontag, 17. Mai, in Köln.

Die wichtigsten Daten zur Bundesliga-Saison:

       22. August: 1. Spieltag, 1. FC Köln (H/2:0)

       19. Dezember*: 13. Spieltag, letzter Spieltag vor Weihnachten, SC Freiburg (H)

       16. Januar*: 14. Spieltag, erster Spieltag im neuen Jahr, 1. FC Köln (A)

       3. Mai: 26. und letzter Spieltag, SC Freiburg (A)

*Spiele noch nicht fix terminiert

5 Die Aufsteiger

Zwei bekannte Namen aus dem deutschen Fußball bereichern künftig erstmals die Google Pixel Frauen-Bundesliga: Der VfB Stuttgart sicherte sich eine Etage tiefer die Meisterschaft und ist nach drei Aufstiegen in Folge erstmals im Oberhaus angekommen. Dahinter landete der 1. FSV Mainz 05 mit drei Punkten Rückstand auf Rang zwei und machte damit den Durchmarsch von der Regionalliga in die höchste deutsche Spielklasse perfekt.

Beide kommen nicht mit gänzlich unbekanntem Personal. Nach ihrem Intermezzo beim SV Werder Bremen läuft Saskia Matheis nun für Mainz 05 auf, sie spielte inklusive Jugend 15 Jahre für Frankfurt. Beim VfB stehen die in Frankfurt komplett ausgebildete ehemalige U-Nationalspielerin Rosa Rückert und Janina Hechler, die über 100 Bundesligaspiele für Frankfurt absolvierte, unter Vertrag. Für die Schwaben geht auch die mit über 100 Länderspielen für Österreich ausgestattete Stürmerin Nicole Billa auf Torejagd, einst Torschützenkönigin in der Bundesliga für die TSG Hoffenheim.

Erstmals besteht die Liga damit nur aus Vereinen, die an einen Männer-Lizenzverein aus der Bundesliga oder Zweiten Bundesliga gekoppelt sind. Denn nicht mehr dabei sind die SGS Essen und der FC Carl Zeiss Jena. Trotz eines 7:2-Testspielsiegs gegen Mainz sehr früh in der Vorbereitung: Die zwölf Punkte (mit 16:3 Toren), die die Eintracht in der vergangenen Saison gegen die beiden Absteiger geholt hat, werden gegen die Stuttgarterinnen und die Rheinhessinnen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so einfach zu holen sein.

6 Zehntes Jahr für Niko Arnautis

Während sich das Gesicht des Kaders verändert, bleibt die sportliche Führung bestehen. Cheftrainer Niko Arnautis geht in seine zehnte Saison bei der Eintracht. Für ihn ist diese lange Zeit weit mehr als eine Zahl. „Wahnsinn, ein Kindheitstraum. Eine Herzensangelegenheit!“, sagt Arnautis über sein Jubiläum.

Nach den ersten Pflichtspielen der neuen Saison zeigt sich der Trainer zudem zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft. Besonders die schnelle Integration der neuen Spielerinnen hat ihn positiv überrascht. „Wir haben sehr intensiv gearbeitet. Ich bin sehr glücklich über die tolle Art und Weise, mit der die Mannschaft das Miniturnier gespielt hat. Wir sind mega happy mit dem aktuellen Verlauf. Ich war fast etwas überrascht, dass wir so schnell zusammengefunden haben. Aber wir haben auch viel dafür getan.“

7 Die Liga

Sieben Fakten und Infos zur Bundesliga 2026/27:

1. Nach der Ausgliederung der Frauen-Bundesliga gibt es eine Übergangssaison, denn zum 1. Juli 2027 übernimmt der neugegründete Ligaverband FBL (Frauen-Bundesliga) mit seiner Vorsitzenden Katharina Kiel von der Eintracht die Organisation, zu der auch die TV-Vermarktung gehört.

2. Mit den zwei Aufsteigern kommen auch zwei neue Stadien hinzu, in denen schon Bundesliga gespielt wurde – bei den Männern. Der VfB Stuttgart nutzt das Gazi-Stadion auf der Waldau, in dem auch der heutige Viertligist Stuttgarter Kickers seine Heimspiele austrägt. Die Mainzerinnen spielen in der Regel am altehrwürdigen Bruchweg, weichen aber am 18. September gegen die Eintracht erstmals in die MEWA ARENA aus.

3. Der FC Bayern München feierte 2025/26 die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Das Team des seinerzeit neuen Trainers José Barcala gewann den Supercup und verteidigte das Double ohne Niederlage, holte also drei Titel. Dazu scheiterte der FCB in der Champions League erst im Halbfinale am späteren Sieger FC Barcelona (1:1/2:4). Im internationalen Wettbewerb tragen die Münchnerinnen ihre Heimspiele ab sofort im Sportpark Unterhaching aus. Mit Georgia Stanway zum Arsenal WFC haben die Bayern nur eine echte Stammspielerin abgeben müssen, der kicker schreibt daher: „Der Kader des FCB ist nicht schlechter besetzt als im Vorjahr“. Mit dem Supercup (3:0 gegen Wolfsburg) wurde bereits der erste Titel 2026/27 eingefahren.

4. Viermal in Folge blieben die Top Drei der Liga nun unverändert: Der FC Bayern München wurde Meister vor dem VfL Wolfsburg, die Eintracht kam auf Platz drei ins Ziel.

5. Fünfmal in Folge hat die Eintracht Platz drei in der Bundesliga und damit Qualifikationsspiele für die UEFA Women’s Champions League erreicht. Dahinter herrschte Abwechslung: Platz vier ging an Turbine Potsdam (2021/22), die TSG Hoffenheim (2022/23, 2025/26), die SGS Essen (2023/24) und Bayer 04 Leverkusen (2024/25).

6. Von den sechs Top-Torschützinnen der vergangenen Saison spielt mit Nicole Anyomi (London City Lionesses), Selina Cerci (Arsenal WFC) und Alexandra Popp (BVB) ein Trio nicht mehr in der Bundesliga, Larissa Mühlhaus ist von Bremen nach Frankfurt gewechselt. Pernille Harder (München) und Vanessa Fudalla (Leverkusen) sind geblieben.

7. In der vergangenen Saison lag die Eintracht auf Platz sieben der Zuschauertabelle, sowohl beim Schnitt (rund 3.500) als auch in der Gesamtzahl (knapp 46.000). Alle Teams mit höheren Zahlen haben mindestens eine Partie in einem Stadion mit weitaus höherer Kapazität als das Stadion am Brentanobad ausgetragen. Die Spitzenreiter HSV (2./Volksparkstadion/Schnitt rund 7.000) und 1. FC Union Berlin (1./Stadion An der Alten Försterei/rund 8.000) spielen alle Partien an aus Vereinssicht größtmöglicher Stelle – und tun dies auch in dieser Saison.