Eintracht-DNA und Wegbereiter Stepi
Bei Eintracht Frankfurt ist Patrick Glöckner vom Nachwuchsspieler zum Profi gereift, später sammelte er am Main wertvolle Erfahrungen als Trainer. Seit Sommer 2026 trainiert er die U21 der Adlerträger – und will junge Talente auf ihrem Weg begleiten.
Ein Kreis schließt sich. In den früher noch etwas heruntergekommenen Kabinen am Riederwald vom Nachwuchstalent zum Profi gereift, mehrere Trainerstationen mit dem Adler auf der Brust durchlaufen, die Karriere bei traditionsreichen Klubs in Liga zwei und drei erfolgreich fortgesetzt – und nun die Rückkehr nach Frankfurt. „Zurück bei der Eintracht, bei der ich groß geworden bin“, sagt Patrick Glöckner, der seit Saisonbeginn 2026/27 die Geschicke der U21 von Eintracht Frankfurt leitet. Bei dem Verein, dessen Wappen er zuvor bereits 13 Jahre in verschiedenen Funktionen repräsentierte, den er bestens kennt – und den er auch aus der Ferne nie aus den Augen verloren hat. Nicht nur örtlich, sondern vor allem emotional sei die Rückkehr an den Main „wie ein Nachhausekommen“, verrät Glöckner , der in den vergangenen Jahren hin und wieder als Coach bei der Traditionsmannschaft dabei war.
„Die Frankfurter DNA wollten wir bei der Suche nicht außen vor lassen“, betonte auch NLZ-Leiter Alexander Richter, der nach einem kurzen, aber intensiven Prozess in Patrick Glöckner den richtigen Mann für den U21-Trainerposten fand. 1990 wechselte der damals 13-Jährige vom FSV Bischofsheim an den Riederwald und durchlief von der U14 an die Ausbildungsjahrgänge der Eintracht. Ein Werdegang fast wie aus dem Lehrbuch. Über die damalige U23 empfahl sich Glöckner für die Profimannschaft, für die er im September 1996 im Alter von 19 Jahren sein Debüt in der Zweiten Bundesliga feierte.
Das Vertrauen bekam er damals von einem gewissen Dragoslav Stepanovic. „Stepi“, sagt Glöckner, „ist für mich einfach eine Rakete“ – natürlich im positiven Sinne. „Er hatte einen klaren Führungsstil, aber jeder von uns jungen Spielern bekam eine faire Chance, und er hat Nachwuchstalente an die Hand genommen. Das hat mich geprägt – und das habe ich mir als Trainer ein Stück weit selbst auf die Fahne geschrieben.“ Schon mit 28 wechselte Glöckner an die Seitenlinie, nachdem er nach der Saison 2004/05 beim FSV Frankfurt seine aktive Laufbahn beendet hatte. Dort, am Bornheimer Hang, unweit des Riederwaldes, sammelte er unter Thomas Oral seine ersten Erfahrungen im Trainerbereich.
Die erste Rückkehr zur Eintracht ließ nicht lange auf sich warten. Ab 2012 war er drei Jahre lang an der Seite von Alexander Schur zunächst Co-Trainer der U23, später Videoanalyst und Co-Trainer der U19. Dort machte er weitere wertvolle Schritte in seiner Entwicklung. Über den FC St. Pauli landete Glöckner 2018 bei Viktoria Köln, wo er erstmals eine Mannschaft als Cheftrainer führte – ein Wendepunkt für den damals 41-Jährigen und der Start einer beachtlichen Karriere an der Seitenlinie. FC Viktoria Köln, Chemnitzer FC, SV Waldhof Mannheim, FC Hansa Rostock und TSV 1860 München lauteten seine Stationen von 2018 bis 2025. Viktoria Köln führte Glöckner erstmals überhaupt in die 3. Liga. Mit dem SV Waldhof absolvierte er die erfolgreichste Saison seit Rückkehr in den Profifußball und verpasste mit den „Buwe“ den Aufstieg in die 2. Bundesliga nur um Haaresbreite. In dieser Saison verpasste er auch seiner alten Liebe einen Dämpfer, als er mit Mannheim die Eintracht in der Saison 2021/22 aus dem DFB-Pokal kegelte. „Natürlich ein phänomenaler Sieg, der aber auch mir ein klein bisschen wehtat“, gibt Glöckner schmunzelnd zu.
Nun also die erneute Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Warum er nach Stationen in der Zweiten Bundesliga und der Dritten Liga in Bezug auf die Ligahöhe einen Schritt tiefer geht? „Ich war in den letzten Jahren viel unterwegs, in Chemnitz, Rostock, München. Ich hatte das Bedürfnis, zur Eintracht zurückzukehren, weil ich das Gefühl habe, hier Heimat zu finden“, sagt Glöckner. „Außerdem habe ich große Lust, junge Talente zu fördern und ihnen den Weg für höhere Aufgaben zu ebnen.“ Dies gelang ihm auch bei seinen vorherigen Stationen. Die jüngsten Beispiele: Sean Dulic und Clemens Lippmann, die unter seiner Leitung den Sprung vom TSV 1860 München zur TSG Hoffenheim bzw. zum SC Paderborn und damit in die Bundesliga geschafft haben. Am schönsten sei es natürlich, merkt der Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz an, die Spieler irgendwann im eigenen Stadion zu sehen.
Genau daran will Glöckner nun arbeiten. „Ich gehe jetzt in mein 14. Jahr bei der Eintracht.“ Zum Vergleich: Das sind beinahe so viele Jahre, wie Eintracht-Talent Niko Iličević Lebensjahre auf dem Buckel hat. Ihn darf Glöckner in dieser Spielzeit ebenso begleiten wie zahlreiche andere junge Talente, die alle demselben Traum hinterherjagen: den Sprung in den Profibereich zu schaffen – bestenfalls bei Eintracht Frankfurt. Und damit einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie Glöckner selbst.