„Ein richtig gutes Match“
Nach 15 Jahren beim VfL Bochum beginnt für Simon Schuchert am Riederwald ein neues Kapitel. Der neue U19-Trainer über seinen Start in Frankfurt, seine Erfahrungen im Bochumer Talentwerk und die Highlights seiner bisherigen Karriere.

Montagnachmittag, U19-Training am Riederwald. Der Rasen ist frisch gemäht – ein „Teppich“, wie Verteidiger Allen Adjei beim Betreten anerkennend feststellt. Nach und nach kommen die Spieler zusammen, schnappen sich die ersten Bälle und spielen sie sich locker hin und her. Noch vor dem offiziellen Start der Einheit ist ordentlich Bewegung auf dem Platz, während Schuchert und sein Trainerteam die letzten Vorbereitungen treffen, Hütchen und Stangen für die ersten Übungen aufstellen.

Die Jungs machen sich warm, Schuchert erklärt in der Folge die erste Übung. „Sven, du nimmst dir die Schnapper“, ruft er in Richtung Torwarttrainer Sven Schmitt. Kurz klingt der Ruhrpott ein erstes Mal am Riederwald durch, ein kleines Stück Bochum hat der 35-Jährige mit an den Main gebracht. Seit dem 1. Juli ist der gebürtige Wittener als U19-Coach der Eintracht im Amt. Nach 15 Jahren beim VfL Bochum beginnt für ihn im Herzen von Europa ein neues Kapitel. Der Empfang bei der Eintracht hat Eindruck bei ihm hinterlassen: „Wie der Staff und die Leute am Nachwuchsleistungszentrum mich hier empfangen haben, ist schon sehr besonders.“

15 Jahre VfL. Dass es Schuchert nach so langer Zeit aus seiner Heimat und dem gewohnten Umfeld wegzieht, ist keine Selbstverständlichkeit. Seine ersten Schritte als Trainer hatte er im Nachwuchsbereich des BV Hiltrop und der SG Wattenscheid 09 gemacht, ehe er zum VfL Bochum kam. Dort verbrachte er anschließend viele Jahre und entwickelte sich Schritt für Schritt weiter. „Das ist hochemotional für mich“, gesteht Schuchert ein. Für den U19-Coach ist Bochum Heimat und ein Ort, an dem er als Trainer wachsen konnte. Angefangen in der U9, arbeitete er sich über verschiedene Altersklassen und Rollen Schritt für Schritt nach oben. Zuletzt führte ihn dieser Weg in den Übergangsbereich, wo er als Co-Trainer der Bochumer U23 in der vergangenen Saison Erfahrung in der Regionalliga West sammelte.

„Das sind Momente, die einem richtig Energie geben.“

Mit den Jahren entstanden beim VfL viele Verbindungen – zu Spielern, Mannschaften und Menschen im Verein. Einige Laufbahnen konnte Schuchert über einen langen Zeitraum begleiten. Beispiele gibt es genug: „Eins von vielen Highlights bleibt Tim Oermann. Er war der erste Spieler, den ich trainiert habe, der es zu den Profis geschafft hat“, erklärt der 35-Jährige. Oermann ist mittlerweile 22 Jahre alt, spielt bei Bayer 04 Leverkusen und hat bis zum Start der Saison 2026/27 52 Bundesligapartien sowie sieben Begegnungen im Europapokal bestritten. „Das sind Momente, die einem richtig Energie geben“, beschreibt Schuchert.

Gleichzeitig weiß der Ruhrpottler, dass sich Entwicklung im Nachwuchsfußball nicht allein an Profieinsätzen messen lässt. „Ein Highlight war für mich auch, dass mein ehemaliger Kapitän mich drei oder vier Jahre, nachdem ich ihn trainiert habe, angerufen hat, um mir zu sagen, dass er die Ausbildung zum Bundespolizisten abgeschlossen hat. Wenn sich jemand nach so langer Zeit meldet, merkst du, dass du vielleicht auch ein paar Dinge richtig gemacht hast“, schwelgt Schuchert in der Erinnerung.

Umso wichtiger war es für ihn, bei seiner neuen Aufgabe vom ersten Moment an „ein gutes Gefühl“ zu haben. „Für mich war klar: Wenn es ein richtig gutes Match ist, dann möchte ich es machen“, blickt Schuchert auf den Prozess des Wechsels zurück. „Das habe ich nach den ersten Gesprächen direkt gespürt.“

Eine Rolle spielte dabei auch Alexander Richter, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei der Eintracht. Beide kennen sich aus gemeinsamen Bochumer Zeiten – Richter leitete von2008 bis 2022 das Talentwerk beim VfL. Für Schuchert war diese Verbindung ein erster Anknüpfungspunkt, der in guten Gesprächen mit Alex Reifschneider, Abteilungsleiter Trainer & Methodik, sowie Nino Berndroth, Kaderplaner U17-U21, mündete. Entscheidend war am Ende das Gesamtbild: die Gespräche mit dem Verein, die Aufgabe und das Gefühl, am Riederwald den passenden nächsten Schritt gehen zu können. Die Verbindungen zur Heimat bleiben. Gleichzeitig ist zu spüren, wie groß die Vorfreude auf die Aufgabe in der Mainmetropole ist. Der erste Eindruck stimmt. Es ist ein Match.