Bestmögliches Stadionerlebnis

Eintracht Frankfurt präsentiert die Porträts der Profis bei Heimspielen in deren Gebärdennamen. Die Hintergründe.

Das Ritual ist so bekannt wie beliebt. Kurz vor jedem Anpfiff im Deutsche Bank Park und im Stadion am Brentanobad dröhnt Tankards „Schwarz-weiß wie Schnee“ durch die Lautsprecher, der traditionelle Heißmacher vor den Heimspielen der Profiteams. Auf weniger großer Bühne, aber mit nicht weniger Enthusiasmus legen die Gebärdendolmetscherinnen von Eintracht Frankfurt alles in die Waagschale und ermöglichen in Block 16C im Stadtwald oder Block B in Rödelheim den gehörlosen Fans das bestmögliche Stadionerlebnis rund um die 90 Minuten.

Was 2021 von Fanabteilung und Fanbeauftragten der Eintracht in Form eines Lernangebots für deutsche Gebärdensprache für jedermann und jederfrau begann, wird künftig auf größtmöglicher Bühne zum barrierefreien Standard. Wo auf Videowürfel beziehungsweise Anzeigetafel bis vergangene Saison klassische Jubelposen der Adlerträgerinnen und Adlerträger zu sehen waren, präsentieren die Spielerinnen und Spieler ab sofort ihren persönlichen Gebärdennamen.

Die Vorarbeit begann im Rahmen der Media Days im Juli und August. „Der Gebärdenname ist sozusagen der Einstieg in die Deaf Community. Das Besondere ist, dass die Namen nicht einzeln buchstabiert werden, sondern: Wenn man richtiges Mitglied in der Deaf Community ist, hat man seinen Gebärdennamen“, erklärt Gebärdensprachdolmetscherin Renata Melka. Strenge Vorgaben gibt es nicht, ob Spielweise, Hobbys, Charaktereigenschaften; es sind keine Grenzen gesetzt, in gewisser Weise übertragbar auf die Anspruchshaltung von Eintracht Frankfurt, allen Anhängern grenzenlose Möglichkeiten zu bieten. Sei es vor Ort oder auch digital.

Der Verein ist bestrebt, seine eigenen Plattformen hinsichtlich der Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) barrierefrei zugänglich zu machen. Ob Artikel auf der Website und in der App, so viele untertitelte Videos wie möglich, digitale Museumsführungen in Gebärdensprache, das Live-Dolmetschen in Gebärdensprache, wie etwa auf der vergangenen Mitgliederversammlung, oder ein inklusives Fanradio bei Heim- und Auswärtsspielen.

Abstrakt gliedern ließe sich das Gesamtpaket in Angebote für hörbehinderte Fans, Angebote für sehbehinderte Fans und Angebote für gehbehinderte und rollstuhlfahrende Fans. Malte Baumann, Behindertenfanbeauftragter von Eintracht Frankfurt, erläutert: „Grundsätzlich haben wir schon seit Jahren den Deaf-Fanclub im Stadion. Die Sichtbarkeit von Menschen, die gehörlos sind, ist nicht so groß wie bei Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder die eine Gehbehinderung haben, bei denen das Handicap sichtbar ist.“

Unabhängig vom jeweiligen Einzelschicksal hat sich hierbei Köhler Transfer als verlässlicher Partner erwiesen. Der Fahr dienst richtet sich nicht allein an mobilitätseingeschränkte Stadionbesucher, sondern bietet seine Dienste auch Gehörlosen an.

Darüber hinaus gibt es am Kiosk an Block 18 die Gelegenheit, Speisen und Getränke mittels QR-Codes barrierefrei zu bestellen und abzuholen. Am Eingang E4 wartet geschultes Personal, das den Stadionzutritt erleichtert und Sprachbarrieren abfedert.

Reibungslos verliefen übrigens auch die Shootings mit dem Medienteam, was Can Uzun auf Nachfrage bestätigt: „Das ist etwas sehr Schönes und das sollte man überall einführen.“ Eintracht Frankfurt, Deaf und Co. sind dran.