Die
Paulskirche
Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, auch aus
Eintracht-Sicht. In der Paulskirche (Paulsplatz 11) hat unter anderem
Karl-Heinz Körbel vor einigen Jahren die Werte-Medaille der Werte-Stiftung
erhalten. Hier der Auszug aus dem 27. Kapitel des Buches „59 Eintracht-Orte“,
erschienen schon vor besagter Verleihung.
Die Paulskirche mit dem sie umschließenden Paulsplatz ist
einer der prominentesten Orte in Frankfurt. Erbaut wurde sie zwischen 1789 und
1833 – und hier tagten von 1848 bis 1849 die Delegierten der Frankfurter
Nationalversammlung, der ersten Volksvertretung für ganz Deutschland. Deshalb
gilt die Paulskirche auch als eines der großen Symbole der Demokratiebewegung.
Damals waren jedoch noch keine Eintrachtler dabei, die gibt es schließlich erst
seit 1899.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Paulskirche während der
Bombennächte im März 1944 schwer getroffen und brannte vollständig aus. Als
Zeichen eines demokratischen Neubeginns sollte sie nach Kriegsende als erstes
repräsentatives Gebäude wiederaufgebaut werden. Eine Idee, für die sich
Oberbürgermeister Walter Kolb mächtig ins Zeug legte, die allerdings nicht
unumstritten war. Immerhin beklagten die Frankfurter über 90.000 zerstörte
Wohnungen sowie den Verlust fast aller öffentlichen Bauten, deren Instandsetzung
vielen dringlicher schien. Doch Kolb setzte sich durch. Materialspenden aus
ganz Deutschland halfen dabei, den Wiederaufbau zu realisieren.
Unter Materialmangel litten hingegen die Turner, deren
Vereinsheim im Oeder Weg gleichfalls in Trümmern lag. Der Legende nach hat
Walter Kolb, selbst begeisterter Turner, den über Baustoffmangel klagenden
Kollegen der Turngemeinde den Tipp gegeben, doch mal zu der Baustelle zu gehen,
wo es Baustoffe im Überfluss gäbe. So wanderte nach Feierabend eine ganze Menge
Paulskirche in die Ruine der Eintracht-Turnhalle. Und wir können heute sagen,
dass die neue Turnhalle fest auf den Steinen der Demokratie ruht.
Am 18. Mai 1948 wurde die Paulskirche pünktlich zum
hundertjährigen Jubiläum der ersten Deutschen Nationalversammlung als „Haus
aller Deutschen“ wiedereröffnet. Zur feierlichen Einweihung gehörte auch ein
Sternlauf aus deutschen Ländern, der an der Paulskirche endete. Im „Hessischen
Köcher“, eine Art Staffelstab, steckten Grußbotschaften der hessischen Städte
und Gemeinden. Aus unserer Sicht bemerkenswert, dass Leichtathlet Heinz
Ulzheimer im Trikot der Eintracht neben Friedel Pfeiffer den Köcher ins Ziel brachte
und dem Oberbürgermeister übergab. Eine Bronzetafel an der Nordseite der
Paulskirche erinnert noch heute an den Staffellauf. Vier Jahre später gewann
Ulzheimer Bronze im 800- Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen in Helsinki. Es
war die erste Medaille für Deutschland nach Ende des Krieges. Eine zweite kam
über 4 x 400 Meter noch dazu.
Ganz andere Emotionen erlebten die Eintracht-Fans 1992. Die
Eintracht war auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft, ein einziger Sieg am
letzten Spieltag der Saison 1991/92 in Rostock hätte genügt, um den Titel nach
1959 ein zweites Mal an den Main zu holen. Tausende Fans machten sich
siegesgewiss auf den Weg an die Ostsee. Wer keine Karte bekommen hatte, konnte
das Spiel am 16. Mai 1992 auf einer Großleinwand am Paulsplatz verfolgen. So
das Laub der Bäume einen Blick auf die Leinwand zuließ.
Voller Hoffnung vor Spielbeginn, erlebten die Eintrachtler
einen der bittersten Momente der Vereinsgeschichte. Dicht gedrängt verfolgten
sie das Spiel und verstanden die Welt nicht mehr, als Schiedsrichter Alfons
Berg aus Konz den Hessen, nach einem unübersehbaren Foul an Ralf Weber, beim
Spielstand von 1:1 einen der klarsten Elfmeter der Bundesligageschichte
verweigerte. Als Sekunden vor Schluss der vermeintliche Sündenbock Stefan Böger
sogar noch das 2:1 für Rostock erzielte, waren die Meisterschaftsträume
endgültig ausgeträumt. Der Paulsplatz glich einem Tränenmeer und die
Eintracht-Fans schlichen bedröppelt nach Hause. Statt sich einem rauschenden
Fest hinzugeben, saßen sie nun mit rotgeweinten Augen still beim Apfelwein.
Das Bild zeigt Heinz Ulzheimer 1948 bei der Übergabe des
„Hessischen Köchers“ an Oberbürgermeister Walter Kolb.
Im Buch „59 Eintracht-Orte“, erschienen 2020, haben Axel
Hoffmann und Matthias Thoma einen Stadtführer für alle Adlerträger erstellt.
Die „Eintracht vom Main“ druckt exklusiv in jeder Ausgabe Teile eines Kapitels
ab.