„Ich habe
so viel Energie“
Wie gerne Erëleta Memeti Fußball spielt, zeigt sie natürlich
bei Eintracht Frankfurt – aber auch an diesem Tag beim Dreh mit EintrachtTV.
„Komm, wir spielen Mini-WM“, ruft sie ein paar Jungs zu, die zuvor die
Challenge beobachtet haben, die Memeti mit EintrachtTV-Redakteurin Alina
Friedrich absolviert hat. Dies passend zu einer echten Straßenfußballerin wie
der 27-jährigen Offensivspielerin in einem Käfig in der Julius-Munk-Anlage im
Frankfurter Gallus. Es ist der Abschluss nach einigen Stunden, in denen ETV und
die „Eintracht vom Main“ Memeti begleitet haben. Töpfern, Essen und Kicken
standen auf dem Programm. Dabei hat Memeti über ihre kosovarischen Wurzeln
gesprochen sowie darüber, was sie an Frankfurt mag, wie sich die Leute in ihrem
Charakter gelegentlich irren, wie sie mit ihrer Rolle als Kapitänin einer
Nationalmannschaft umgeht und welchen Tipp sie jungen, fußballbegeisterten
Mädels geben würde.
Interview:
Alina Friedrich
Reportage:
Michael Wiener
Fotos:
Martin Ohnesorge
Seit
vergangenen Sommer spielt Erëleta Memeti für die Eintracht Frauen und ist
seither absolute Leistungsträgerin in der Mannschaft von Cheftrainer Niko Arnautis.
Bestes Beispiel für ihren Spielstil und ihren Torinstinkt war erst kürzlich der
Treffer zum 4:2-Endstand gegen Hoffen heim, als sie, über die rechte Seite
kommend, den Ball eng am Fuß, in den Strafraum dribbelte, die Gegenspielerinnen
wie Slalomstangen austanzte und mit der Pike überlegt ins lange Eck abschloss.
Der
Jubel fiel danach verständlicherweise verhalten aus, denn die TSG Hoffenheim
ist der Klub, für den Memeti die drei Jahre zuvor gespielt hatte. Ihre erste
Station im Frauenfußball – nach langer Zeit bei den Jungs – war unterdessen der
VfL Sindelfingen, für den sie vor fast genau zehn Jahren ihr Debüt im
Seniorinnenbereich feierte. Es folgten ab 2017 drei Jahre beim VfL Wolfsburg II
ebenfalls in der Zweiten Liga, ehe sie seit 2020 in der Bundesliga für Furore
sorgt. Zunächst im Trikot des SC Freiburg, zwei Jahre später wechselte sie zur
TSG Hoffenheim.
Nun
ist die geborene Schwäbin („im Gespräch mit meinen Brüdern verfalle ich
manchmal noch in den Dialekt“) in Frankfurt angekommen, hat sich in der Stadt
eingelebt und ist Führungsspielerin bei der Eintracht – und bei der
kosovarischen Nationalmannschaft, für die sie mittler weile als Kapitänin
aufläuft. Am Drehtag, mitten in einer Englischen Woche und damit gleichzeitig
am Matchday plus und minus zwei, war Memeti nur im Gym und in der Behandlung.
„Das Training war entspannt. Wir haben schönes Wetter; ich mag es, wenn es im
Herbst warm ist. Ich freue mich auf unseren Tag“, sagt Memeti. Los geht’s mit
dem Auto vom Trainingszentrum in der Wintersporthalle im Deutsche Bank Park in
Richtung Innenstadt. Interviewteil eins.
Eri,
wir wollen Dich heute auch als Mensch näher kennenlernen. Wurdest Du schon mal
damit konfrontiert, dass Leute gesagt haben: ‚Boah, ich hätte gar nicht
gedacht, dass Du so drauf bist‘?
Ja!
Das höre ich von jedem. Aber warum? Was sagen die Leute denn, was sie gedacht
haben, wie Du bist? Ich bin vielleicht ein bisschen anders als der Prototyp
einer Fußballerin, also sehen Menschen das vielleicht auch anders. Das sind die
Vorurteile. Ich schminke mich und mache mir schon die Mühe, auf dem Fußballfeld
gut auszuschauen. Dann ist es immer so, dass die Leute sagen: ‚Ich dachte
eigentlich, du bist voll die Barbie, zickig und voll die Prinzessin‘. Das höre
ich oft. Dann merken sie, wie ich wirklich bin, und sagen: ‚Du bist so chillig,
du bist auch so lustig‘. Und ich denke: Danke, das ist so lieb. Das ist in dem
Fall mein Lieblingskompliment, wenn Leute mir sagen, sie hätten nicht gedacht,
dass ich so bin, und dass ich richtig cool bin.
Stört
Dich dieses Vorurteil?
Nein,
gar nicht. Dann überzeuge ich sie vom Gegenteil. Manchmal geht es mir auch so.
Leute, die auf den ersten Blick ein bisschen grimmig oder unlustig wirken, sind
oft die lustigsten. Deswegen ist es nicht schlimm.
Gibt's
eine Sache, von der Du selbst sagen würdest: Ja, verstehe ich, dass die Leute
denken, dass ich anders bin, weil ich mich entsprechend verhalte?
Vom
Verhalten würde ich das nicht sagen, weil ich sehr extrovertiert bin und sehr
viel lache. Deswegen ist es für mich leicht, auf fremde Menschen zuzugehen, das
ist gar kein Problem. Es kann aber sein, dass mein natürlicher Blick manch mal
etwas skeptisch ist. Oder wenn die Sonne gerade auf mein Gesicht klatscht, dann
gucke ich so, dass die Leute denken: ‚Oh Gott, was ist mit dir?‘. Aber wenn man
mit mir spricht, denkt man sich: ‚Ach krass, sie ist voll entspannt, mit der
kannst du Pferde stehlen‘.
Interessant,
das von Dir zu hören, denn von außen sehen die Fans die Eri, die auf dem Platz
steht. Aber wir wollen wissen, wer dahintersteckt. Bist Du jemand, der viel
plant, oder bist Du eher spontan?
Wenn
du meine Mitspielerinnen fragst, würden die sagen, ich sei die spontanste
Person, die sie kennen. Aber ich muss dazu sagen, ich plane gut. So spontan wie
ich bin – es kann sein, dass ich am Tag hundert Dinge vorhabe, aber die sind
gut geplant. Ich habe ein gutes Zeitmanagement und weiß ungefähr, was mich
erwartet, auch wenn noch Abstecher dazukommen.
Meinst
Du, dass Du diesem Stereotyp des Balkans widersprichst, wonach die Leute dort
eher ein bisschen lockerer mit der Zeit umgehen?
Ich
muss zugeben, ich kann mit denen gar nicht umgehen. Ich rege mich jedes Mal
auf, wenn wir bei meiner Familie im Urlaub sind. Es ist geplant, wir gehen zum
Onkel, und auf einmal gehen wir doch woanders hin und erst zwei Tage später zum
Onkel. Das war dann nicht geplant und davon bin ich eigentlich genervt.
Die
Deutschen sind bekannt dafür, immer pünktlich zu sein. Bist Du dann eher
diejenige, die mal eine Strafe zahlen muss, weil Du zu spät kommst?
Nein,
da bin ich sehr deutsch.
Wie
steht es um Dein Energielevel?
Ich
bin ein Adrenalin-Junkie, könnte mir auch mal vorstellen, Bungee-Jumping zu
machen. Ich habe so viel Energie. Ich schlafe acht bis neun Stunden, dann bin
ich fit für den Tag.
Leistungssportler
wollen immer gewinnen und sind oft sehr selbstkritisch. Bist Du privat auch so
selbstkritisch und ambitioniert wie auf dem Platz?
Ja,
würde ich schon sagen. Ich glaube, ich bin auch ein bisschen perfektionistisch.
Ich mag die Struktur. Das war schon früher so. Ich weiß gar nicht, wie ich mein
Abi geschafft habe. Schule und Training, jeden Tag, das hat schon viel
Disziplin erfordert. Aber die Schule hat nie gelitten. Wenn wir gleich beim
Töpfern sind, weiß ich, dass wir das nicht beenden werden, bevor ich eine coole
Vase habe (lacht). Wenn ich etwas wirklich kann, dann bin ich
perfektionistisch. Wenn jemand etwas nicht kann, werde ich auch mal unruhig.
Erëleta
Memeti und Alina Friedrich wer den gleich an der Drehscheibe töpfern. „Ich
wollte das immer mal probieren, da her habe ich das vorgeschlagen“, erzählt
Memeti auf dem Weg zu „Made by You“, einem Keramik-Mal-Studio. „Ich bin sehr
kreativ, habe auch schon öfter Keramik bemalt. In der Schule hatte ich Nähen
und habe das immer sehr ordentlich und sauber gemacht.“
Du
kannst nähen?
Ja,
ich bin wirklich eine Frau, die alles kann. Balkanfrau, ich bin eine Macherin.
Ich lebe jetzt schon so lange nicht mehr zu Hause, da lernt man, komplett
selbst ständig zu sein. Bei Dingen, wo manche ihren Papa anrufen, denke ich
mir: ‚Das schaffst du auch alleine‘.
In
meiner Recherche habe ich gesehen, dass Du Deine Bilder nicht alleine
aufgehängt hast. Kannst Du das mittlerweile?
Ich
hätte es auch machen können, aber es geht um Family-Zeit. Mein Papa ist der
Beste, er hat das gemacht. Wenn ich umziehe, brauche ich manchmal Hilfe. Aber
wir haben auch schon eine Riesenkommode gekauft und mein Papa hat gefragt, ob
ich die aufbauen kann. Da bin ich wie ein Sohn für ihn.
Leckeres
Essen gibt’s heute später, zunächst wird getöpfert. Geschäftsführerin Susan
Möhring empfängt Memeti und Friedrich, weist das Duo ein. „Ich habe gar keine
Koordination“, sagt Memeti, während sie sich die Schürze anzieht, an der
Drehscheibe Platz nimmt und ein Handtuch über die Beine legt. Möhring erklärt:
„Wichtig ist, entspannt zu sitzen.“
Memeti
wirft einen ballförmigen Ton klumpen auf die Scheibe, los geht’s. „Nicht die
Geduld verlieren“, mahnt Möhring, als es nicht von Beginn an so funktioniert,
wie sich Memeti das wünscht. „Ich hab’s mir leichter vorgestellt“, gesteht die
Fußballerin, „ich bin ein bisschen nervös“. Fingerspitzenge fühl, Geduld und
ein bisschen Kraft, sagt Möhring. Kraft, um die Tonscheibe mittels des
Gaspedals immer in Schwung zu halten. „Ich hatte heute Krafttraining. Das hier
ist hundertmal anstrengender“, lacht Memeti, die jedoch sichtlich Spaß dabei
hat.
Und
dies, obwohl der erste Versuch misslingt, der zweite Tonklumpen ist jetzt auf
der Drehscheibe in Bearbeitung. Es läuft besser. „Ich spiele lieber Fußball,
aber es sieht super aus. Eine kleine Kaffeetasse schaffen wir. Oder ein
Schälchen für die Sojasauce beim Sushi“, hat Memeti die Ziele etwas
heruntergeschraubt. Ihr Handy klingelt. „Das ist mein Opa“, freut sie sich,
kann aber mit den verschmierten Händen das Gespräch nicht annehmen und wird später
zurückrufen.
„Jetzt
lassen wir es so“, nimmt Memeti das Tempo von der Drehscheibe und ist zufrieden
mit dem Ergebnis. „Das sieht super aus.“ Nun muss das getöpferte Stück trocknen
und gebrannt werden, bevor es genutzt werden kann.
Weiter
geht’s mit dem Auto durch die Innenstadt zum nächsten Stop. Zeit, über
Frankfurt zu sprechen.
Ist
Frankfurt bis jetzt die beste Stadt, in der Du gewohnt hast?
Freiburg
war auch nicht hässlich, sehr gemütlich und wir hatten viel Sonne. Aber
Frankfurt ist so eine schöne Stadt, ich liebe Frankfurt!
Wieso
genau?
Frankfurt
ist an vielen Ecken viel schöner als sein Ruf. Ich kenne viel hier, bin gerne
in der City unterwegs. Es gibt leckere Restaurants, in der Kleinmarkthalle gibt
es ein unglaubliches Angebot an Obst und Gemüse.
Jetzt
gehen wir erstmal essen, Balkanküche, im Bahnhofsviertel.
Hier
sind wir in Frankfurt City, hier fühle ich mich wohl. Ich habe nach dem
Training noch nichts gegessen und habe jetzt großen Hunger. Ich liebe die
Balkanküche und freue mich auf gutes Fleisch, Brot und Saucen.
Das
Balkan Food Frankfurt wirbt mit typisch authentischer Balkanküche frisch vom
Grill. Erëleta Memeti bestellt den 069-Teller mit einer Rindswurst,
Bauernsalat, Zwiebeln und sieben Stück Cevapcici, die auf der Karte
angepriesenen Pommes lässt sie weg. Zuvor gibt’s frisches Brot mit
verschiedenen Dips.
Memeti
hat großen Hunger, sagt vor dem ersten Biss bei der Hauptspeise: „Den ersten
Cevap‘ atme ich einfach nur weg.“ Es dauert nicht lange, dann ist der Teller
leer.
Wie
hat’s geschmeckt?
Ich
liebe es. Überragend. Sagen wir neun von zehn Punkten, weil es in der Heimat
immer wie eine zehn von zehn schmeckt (lacht).
Du
hast nicht ohne Grund eine Vorliebe für die Balkanküche. Du hast den deutschen
und den kosovarischen Pass. Was verbindest Du mit dem Kosovo, mit
Kosovo-Albanien in dem Fall?
Meine
Eltern kommen aus dem Kosovo und sind nach Deutschland geflüchtet. Ich habe
zwei Brüder, einer ist ein Jahr älter und der andere zwei Jahre jünger. Wir
sind komplett mit der Kultur aufgewachsen. Immer, wenn ich im Kosovo bin, bei
meiner Familie, das fühlt sich einfach an wie zu Hause. Mein Herz kann sich
hier total entspannen.
Wie
eng bist Du mit Deiner Familie, kommen sie auch oft zu Deinen Spielen?
Ich
bin sehr eng mit allen. Vorhin der Anruf von meinem Opa, der gerade in den
Niederlanden ist – da freue ich mich immer, wenn er sich meldet. Meine Eltern
kommen immer zu den Spielen nach Frankfurt, auswärts auch sehr oft. Es ist
verrückt, was sie auf sich nehmen. Der Rest der Familie versucht, so oft wie
möglich dabei zu sein. Mein großer Bruder studiert in Berlin, er war beim Union
Spiel da.
Ist
dieser kulturelle und familiäre Hintergrund für Dich in Deinem Fußballspiel ein
Vorteil?
Das
kann schon sein. Wenn man bei mir in der Nationalmannschaft schaut, haben wir
eigentlich sehr ähnliche Spielstile. Wir sind mehr das, was man
Straßenfußballerinnen nennen würde. Das macht uns aus im Kosovo.
Du
bist in der kosovarischen Nationalmannschaft Kapitänin. Hat die Binde Einfluss
auf Deine Spielweise?
Es
hat mir schon viel gebracht, dass ich in Kosovo seit Jahren Kapitänin bin. Das
hat mich persönlich sehr weiterentwickelt, weil ich früher schon noch mal temperamentvoller
auf dem Platz war. Ich bin auch mal sauer geworden, habe mich von dieser Wut
leiten lassen und bin so aus meinem Spiel gekommen. Mittlerweile als Kapitänin
hast du eine Vorbildfunktion und das lernst du dann nochmal anders und
intensiver. Das hat mir persönlich sehr viel geholfen, dass ich einfach klar
bin und bei meinem Spiel bleibe und die Mannschaft mit meinen Stärken
unterstütze. Wenn jetzt mein zehnter Ball nicht ankommt, verliere ich nicht die
Fassung.
Hängt
die Art und Weise, wie Du Fuß ball spielst, auch damit zusammen, dass Du lange
mit Jungs zusammengespielt hast? Was hat das ausgemacht?
Es
ist anders mit den Jungs, auch von der Athletik. Sie sind schneller, stärker
und in den Zweikämpfen ein bisschen robuster. Ich glaube, das hat mir sehr
geholfen. Ich bin auf dem Bolzplatz groß geworden und habe mich immer
durchsetzen müssen. Das Erste, was ein Mädchen hört, ist: ‚Die will ich nicht
im Team haben.‘ Da musst du direkt mit Vorurteilen kämpfen. Das Schönste ist es
dann, mit deinem Spiel zu beweisen, dass du mitkicken kannst. Das hat mich auf
jeden Fall geprägt. Dadurch bin ich sehr selbstbewusst geworden. Auf dem
Spielfeld gibt es bei mir kaum Aktionen, wo man denkt, dass ich Angst habe, ins
Eins-gegen-eins zu gehen. Ich denke, man sieht, dass ich Spaß habe.
Wie
war Dein Weg in den Fußball?
Meine
Brüder haben schon bei uns im Dorf gespielt und mein Vater hat immer gesehen,
wie ich im Garten rumgebolzt habe. Er hat mein Talent erkannt. Dar aufhin
meinte er, ich solle mal zum Training gehen. Ich wollte zuerst nicht, weil es
nur Jungsmannschaften bei uns im Dorf gab und ich nicht mit Jungs
zusammenspielen wollte, eben wegen dieser Vorurteile. Dann bin ich doch mit
meinem Vater zu meinen Brüdern zum Zuschauen gegangen. Dort hat er mich
überredet, mit ihm mitzuspielen. Nach einer kurzen Zeit hat er mich allein
gelassen und ich habe mit den Jungs trainiert. Das hat einen Riesenspaß
gemacht. Der Trainer kam danach zu mir und hat gesagt, dass er mir einen Pass
ausstellt. Ab da habe ich viel mit meinem älteren Bruder zusammengespielt.
Bis
zu den B-Junioren hast Du mit Jungs gespielt, bist dann direkt zu den Frauen.
Ist Dein Humor auch aus diesen Erfahrungen in der Jugend geprägt?
Mein
Humor ist trocken und sehr ironisch. Wenn du mich nicht kennst, denkst du
vielleicht: ‚Warum ist sie so gemein?‘. Ich bin mit Brüdern groß geworden und
habe lange bei den Jungs gespielt. Da gewöhnt man sich an einen anderen Humor
und braucht ein dickes Fell. In einer Frauenmannschaft wird das manchmal falsch
verstanden. Aber ich kann auch schüchtern sein, wenn mir etwas unangenehm ist.
Auf dem Platz, wenn jemand Körperspannung vermissen lässt, werde ich laut. Aber
bei einem Fehlpass versuche ich eher zu motivieren.
Erëleta
Memeti ist also eine echte Straßenfußballerin, groß geworden im „Ländle“ beim
Kicken auf dem Bolzplatz, zumeist mit Jungs. Der Besuch in einem Frankfurter
Käfig macht also durchaus Sinn. Der Hartcourt in der Julius-Munk-Anlage im
Gallusviertel ist der perfekte Ort für den Abschlussteil. Memeti betritt mit
leuchtenden Augen den Platz, die Kamera zieht die überwiegend jungen Kicker an.
„Was macht ihr hier, wer ist das“, sind die am häufigsten gestellten Fragen.
Die
Challenge, die Alina Friedrich mit Memeti absolviert, gibt’s demnächst ebenso
wie das gesamte Video auf EintrachtTV. Im anschließenden letzten Interviewteil
auf dem grünen Court spricht Memeti unter anderem über ihre Karriere vom
Bolzplatz in die Bundesliga.
Was
sind die Dinge oder Attribute, die Du auf dem Bolzplatz gelernt hast, die Du
jetzt vielleicht nicht unbedingt auf dem normalen Spielfeld anwenden würdest?
Ich
würde sagen, diese freche Art, ein bisschen wie die Kinder hier. Das meine ich
aber positiv. Das hast du auf dem Bolzplatz. Du willst dich durchsetzen, immer
die Beste sein. Da musst du schon eine gewisse Frechheit mitbringen. Ansonsten
mein Spielstil. Ich bin gerne im Eins-gegen-eins-Duell, auch gerne mal im
Dribbling. Das lernst du auf dem Bolzplatz, auf engem Raum.
Wann
hast Du gemerkt, dass Du anders Fußball spielst als andere Mädels in Deinem
Alter?
Bei
mir gab es gar nicht so viele Mädels, die Fußball spielen, mit denen ich mich
vergleichen konnte. Ich hatte zwei, drei Mädels, die noch gespielt haben in
meinem Alter. Aber ich glaube, ich bin schon immer rausgestochen. Schon allein
bei den Jungs, weil ich meist auch gleich gut oder besser war. Dass ich
tatsächlich Bundesliga-Spielerin werde, kam alles erst später.
Welche
Spielertypen sind für Dich schwierig? Beziehungsweise gegen welche Spielertypen
spielst Du überhaupt nicht gerne?
Ich
habe niemanden, gegen den ich nicht gerne spiele. Ich bin jemand, der gerne
gegen Leute spielt, die es geschafft haben und auf hohem Niveau spielen. Es
bringt dich selber weiter, dich in diesen Duellen zu behaupten. Wie zum
Beispiel gegen Karchaoui von Paris Saint-Germain. Es war hart gegen sie, aber
es hat sehr viel Spaß gemacht.
Du
hast vor sechs Jahren Dein erstes Bundesligaspiel bestritten, bist jetzt seit
zehn Jahren im Frauenfußball. Wie hat sich der Frauenfußball verändert und was
wünschst Du Dir für die Zukunft?
Der Frauenfußball ist generell sehr
professionell geworden. Als ich angefangen habe, hatten wir eine Kabine
irgendwo in der letzten Ecke. Es waren nicht die besten Gegebenheiten. Und
allein schon in diesen zwei Jahren, in denen ich in Freiburg war, ist mit dem
Umzug in das alte Stadion von den Männern viel passiert. Dort hatten wir ein
eigenes Gym, eigene Räumlichkeiten. Das war von null auf hundert. Der Sport
wurde dadurch auch attraktiver, weil wir einfach professioneller arbeiten
konnten. Egal in welchem Bereich, ob das jetzt im Athletischen ist oder im
Fußballerischen. Ich glaube, dadurch ist der Fußball auch attraktiver geworden.
Diesen Weg wollen und müssen wir weitergehen, und darauf freue ich mich.
Was
würdest Du jungen Mädchen raten, die sich für Fußball interessieren?
Lasst
euch niemals einreden, dass ihr nicht kicken dürft oder kicken könnt. Egal,
welche Person es euch sagt. Habt immer Spaß daran, das steht immer im
Vordergrund. Wenn man Spaß hat, kann man sich am besten entfalten. Ich bin so
jemand, ich habe Spaß am Fußballspielen und kann daher meine Leistung am besten
abrufen. Glaubt an euch!