„Solche Erinnerungen sind sehr wertvoll“

18 Jahre hatte Matthias Becker nicht mehr für die Eintracht gespielt, ein glücklicher Zufall bringt ihn zur Traditionsmannschaft zurück. Heute ist Becker als selbstständiger Versicherungsmakler im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Mit zwei Erlebnissen aus seiner Fußballerkarriere gehört er zu einem sehr erlesenen Kreis an Spielern.

Schlappekickerspiel am Tag vor dem Tag der Deutschen Ein heit in Marxheim, die dritte Halbzeit am Vereinsheim ist angebrochen. Nach der Partie zwischen der Eintracht-Tradi und der Ü40 des Gastgebers stehen und sitzen Beteiligte und Verantwortliche beider Vereine sowie der Schlappekicker-Aktion zusammen, bei Speis und Trank. Mittendrin Matthias Becker, der an jeder Ecke Anschluss findet. „Ich bin zum zweiten Mal nach vielen Jahren wieder bei der Tradi dabei. Ich habe heute und in Großauheim Leute getroffen, die ich über 30 Jahre nicht gesehen habe. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man alte Mitspieler und Weggefährten wiedersieht und sich mit ihnen unterhält“, sagt Becker. Der 52-Jährige genießt es, wieder zurück zu sein im Kreise der Eintracht, bei der er den Sprung aus der Jugend schaffte und zwischen 1993 und 1997 auf 75 Einsätze bei den Profis kam.

Heute ist Matthias Becker aus seinem Wohnort Zeilsheim, dem westlichsten Stadtteil Frankfurts, heraus als selbstständiger Versicherungsmakler tätig, hat eine seiner beiden Töchter (24, 27) mit im Boot und ist dem Fußball über die Altherren-Mannschaft des Hessenligisten FC Eddersheim verbunden, bei dem er vor vielen Jahren auch mal Trainer der zweiten Mannschaft war. „Ich hatte eine DFB-Lizenz absolviert, habe aber gemerkt, dass das Trainerdasein im Amateurbereich nichts für mich ist“, sagt Becker, der einst Bürokaufmann gelernt hatte. Nach der Karriere schulte er zum Mechatroniker um, landete dann bei einer Hausverwaltung, für die er Versicherungsschäden abwickelte. So kam er zu seinem heutigen Beruf.

Bei der Traditionsmannschaft der Eintracht waren bis zu diesem Jahr zwei Einsätze in 2008 registriert. Becker schmunzelt, als er erzählt, wie der Kontakt vor wenigen Wochen zustande kam. „Der Onkel meines Fast-Schwiegersohns kennt Karl-Heinz Körbel gut. Ich habe ihm gesagt, er solle mal einen schönen Gruß bestellen. Dann hat Charly, der früher mein Trainer schon in der Jugend war, mich angerufen und gesagt: ‚Du bist einer von uns, spiel doch mal mit‘.“ So kam Becker wieder zur Tradi und trifft dort auf alte Weggefährten wie Micky Guht, Adi Dworschak, Thomas Sobotzik; auch Ramon Berndroth, „der mich durchs ganze Leben begleitet hat. Solche Erinnerungen sind sehr wertvoll“.

Bei den Erinnerungen an seine Profizeit bei der Eintracht, zu der er aus Zeilsheim in die zweite B-Jugend-Mannschaft wechselte, kommt er „an zwei Erlebnissen nicht vorbei“. In seinem ersten Jahr bei den Profis unter Klaus Toppmöller gehörte er zu den jungen Wilden, ist am 26. März 1994, nur eine Woche nach seinem Bundesliga-Debüt mit Tor gegen Dresden, ins aktuelle Sportstudio eingeladen – und trifft fünf Mal! Erst neun Gästen ist dieses Kunststück in 63 Jahren gelungen. „Hingefahren, fünf Stück eingeschweißt, heimgefahren. Das nimmt mir keiner mehr“, sagt er locker.

Erlebnis Nummer zwei ist freilich sein 60-Meter-Solo gegen den MSV Duisburg, nachdem er zum 3:0-Zwischenstand ein schiebt. Dieser Treffer wird zum Tor des Monats im Mai 1995 gewählt. „Ich bin in meiner Karriere auch zweimal abgestiegen. Da nimmt man solche positiven Dinge auch gerne mit“, meint Becker, bei dem nach insgesamt zehn Jahren bei der Eintracht (davon vier als Profi) noch Stationen beim VfB Stuttgart, Hannover 96 und Kickers Offenbach folgten. Eine schwere Knieverletzung sorgt 2001 für das frühe Ende seiner Karriere.

Die Eintracht verfolgt er heute noch sehr genau. „Die Eintracht ist das Aushängeschild der Region. Was im Moment passiert, ist großartig. Diese Begeisterung überall ist grandios, das merkst du auch heute“, spielt Becker auf das Schlappekicker-Spiel vor 1.200 Zuschauern an, bei dem die sprichwörtliche dritte Halbzeit für ihn aufgrund der vielen Gespräche mit alten Weggefährten sicherlich länger gedauert hat als die beiden Halbzeiten vorher auf dem Feld.

Text: Michael Wiener

Fotos: Andreas Wolf, Eintracht