Eine jahrzehntelange Geschichte
Die
Geschichte des Kampfsports bei der ehemaligen SG 1877 Frankfurt-Nied beginnt
bereits Mitte der 1960er-Jahre mit Judo. Im November 1965 kam Hans Burkert
während eines Gesprächs mit Jugendlichen auf das Thema Selbstverteidigung.
Dabei merkte er schnell, dass großes Interesse daran bestand, eine solche
Kampfsportart bei der SG Nied anzubieten. Zunächst wurde eine einzelne
Übungsstunde eingerichtet. Nachdem das Training anfangs noch eher wenige
Teilnehmerinnen und Teilnehmer anlockte, sprach sich in Nied schnell herum,
dass es bei der SG etwas Neues gibt.
Das
Interesse am Judo wuchs kontinuierlich und die Trainingsstunden wurden immer
besser besucht. Am 26. März 1966 schlug Hans Burkert dem Vereinsrat schließlich
vor, eine eigene Judo-Abteilung zu gründen. Aufgrund der guten Resonanz wurde
der Antrag einstimmig angenommen.
Auch
sportlich ging es schnell voran: Bereits in den ersten Jahren feierten die
Judoka Erfolge bei Bezirks- und Hessenmeisterschaften. 1970 konnten mit
Roswitha Krämer und Egon Durchholz sogar zwei Deutsche Meistertitel gewonnen
werden. Nach dem Neubau der Nidahalle 1976 erhielt die Judo Abteilung dann auch
eigene Räume im Kellergeschoss. Das dort entstandene Dojo wird bis heute am
Eintracht-Standort West für das Training genutzt.
In
den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich vor allem die Nachwuchsarbeit
weiter. Immer wieder schafften es Judoka aus Nied zu deutschen und
internationalen Meisterschaften. Ab 1987 wurde außerdem das Frühjahrsturnier
ausgerichtet, das sich im Laufe der Jahre zu einem Turnier mit internationaler
Beteiligung entwickelte. Auch der Austausch mit Japan wurde zu einem festen
Bestandteil der Abteilung. Seit 1999 besuchen sich die Judoka regelmäßig
gegenseitig und trainieren gemeinsam.
Besonders
geprägt wurde die Judo-Abteilung auch durch ihre Trainerinnen und Trainer.
Salvador Romero ist seit 1988 als Head-Judo-Trainer zunächst bei der SG und
heute bei Eintracht Frankfurt aktiv. Er trägt den 4. Dan (Erklärung auf Seite
90), war selbst mehrfacher Hessenmeister und begleitete über die Jahre
zahlreiche erfolgreiche Judoka. Zu ihnen gehören unter anderem Antonio Romero
und Maria Romero, die selbst zahlreiche Titel und Medaillen auf hessischer,
südwestdeutscher, deutscher und internationaler Ebene gewinnen konnten. Maria
Romero ist heute selbst als Trainerin aktiv und gibt ihre Erfahrungen an die
nächste Generation weiter.
1976
kam mit Karate eine weitere Kampfkunst nach Nied. Günter Baschek gründete die
Karate-Abteilung und prägte ihre Entwicklung über viele Jahre. Neben seiner
Tätigkeit als Trainer engagierte er sich auch im hessischen Karate und über
nahm dort verschiedene Aufgaben.
Was
mit nur einer Trainingsgruppe begann, wurde mit der Zeit immer größer. Heute
gibt es eine Anfängergruppe für Kinder von sechs bis zehn Jahren, eine Gruppe
für Fortgeschrittene im Alter von elf bis 18 Jahren sowie eine
Erwachsenengruppe. Dazu kommt eine Wettkampfgruppe, in der talentierte Kinder
und Jugendliche gezielt gefördert werden.
Einer,
der die Entwicklung des Karate über viele Jahre selbst miterlebt und mitgeprägt
hat, ist Niko Föller (Interview mit ihm auf der folgenden Doppelseite). Er war
acht Jahre lang erster Vorsitzender der SG Nied und übernahm nach der Fusion
mit Eintracht Frankfurt 2021 die Leitung der Kampfsport-Abteilung, in der heute
die Sportarten Judo, Karate und Vovinam zusammengefasst sind. Damit begleitet
er die Entwicklung des Kampfsports bei der SG Nied und bei der Eintracht bis
heute. Auch im Karate ist Föller weiterhin aktiv und engagiert sich als Trainer
für verschiedene Gruppen.
1986
kam schließlich Vovinam zur SG Nied. Meister Trần Đại Chiêu hatte die
vietnamesische Kampfkunst bereits 1966 in Saigon kennengelernt. Nach seinem
Umzug nach Westdeutschland setzte er sich weiter für deren Verbreitung ein. In
Stuttgart gründete er eine Trainingsgruppe an der Universität, bevor er ab 1985
auch in Frankfurt Vovinam anbot.
Im
Oktober 1986 trat Trần Đại Chiêu der SG Nied bei, um Vovinam dort aufzubauen
und weiterzuentwickeln. Die Gruppe war zu Beginn mit fünf bis sieben
Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch klein. Deshalb wurde sie zunächst
gemeinsam mit der Judo-Abteilung geführt. Gleichzeitig gab es ein eigenes
Trainingsprogramm für Vovinam. Mit der Zeit wurde die Kampfkunst zu einem
festen Bestandteil des Sportangebots in Nied.
Trần
Đại Chiêu engagierte sich auch über die SG Nied hinaus für die Entwicklung von
Vovinam. 2010 war er gemeinsam mit weiteren Meistern an der Gründung des
Deutschen Vovinam Việt Võ Đại Fachverbandes in Frankfurt beteiligt.
Mehr
als 50 Jahre nach den ersten Judo-Trainings stand für die SG Nied schließlich
eine große Veränderung an. Der Verein hatte mit steigenden Kosten und
bestehenden Verbindlichkeiten zu kämpfen. Durch die Corona-Pandemie verschärfte
sich die Situation zusätzlich. Der Sportbetrieb kam zeitweise zum Erliegen,
gleichzeitig liefen die Kosten weiter und viele Mitglieder verließen den
Verein.
Es
folgten Gespräche mit Eintracht Frankfurt. Im Mai 2021 entschied die
Mitgliederversammlung der SG Nied über die Auflösung des Vereins und machte
damit den Weg für die Fusion frei. Zum 30. Juni 2021 löste sich die SG 1877
Frankfurt Nied auf, zum 1. Juli wurde der Verein offiziell von Eintracht
Frankfurt übernommen.
Damit
wechselten auch Judo, Karate und Vovinam unter das Dach der Eintracht: Das
ermöglicht den drei Sportarten, die in Nied zu unterschiedlichen Zeiten
entstanden sind und sich jeweils auf ihre eigene Weise entwickelt haben, neue
Möglichkeiten, Bedingungen und Perspektiven. Was über Jahrzehnte in Nied
gewachsen ist, wird heute in der Kampfsport-Abteilung bei Eintracht Frankfurt
weitergeführt.