Seit 41 Jahren im Dojo
Niko
Föller ist seit Jahrzehnten eng mit dem Kampfsport und der ehemaligen SG Nied
verbunden. Vom Handball über das Krafttraining fand er später zum Karate, wurde
Trainer, Vorsitzender der SG Nied und nach der Fusion mit Eintracht Frankfurt
Abteilungsleiter Kampfsport. Im Interview spricht er über seinen persönlichen
Weg, seine Begeisterung für die Philosophie des Karate, seine Aufgabe als
Trainer und darüber, was er der nächsten Generation mitgeben möchte.
Gude
Niko! Wie bist Du selbst zum Kampfsport gekommen?
Da
muss ich ein bisschen weiter ausholen. Ich bin 76 Jahre alt und mache seit
meinem sechsten Lebensjahr Sport. Damals habe ich bei der ehemaligen SG Nied
mit Handball angefangen. Ich bin auch in Nied geboren. Zwischenzeitlich habe
ich auch Fußball gespielt und später sechs Jahre lang Kraftdreikampf [besteht
aus den drei Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben, Anm. d. Red.]
betrieben. Zum Karate bin ich relativ spät gekommen, auch durch einen Freund.
Zunächst habe ich es als Ausgleich zum Kraftsport betrachtet. Irgendwann hat
mein Körper aber gesagt: Du musst dich entscheiden – Kraftsport oder Karate.
Die Entscheidung fiel auf Karate. Danach habe ich viel trainiert, meine
Gürtelprüfungen gemacht und meine Trainerscheine bis zum Karate lehrer-Diplom
erworben. Gleichzeitig war ich acht Jahre lang erster Vorsitzender der
damaligen SG Nied. Dann kam der Schritt zur Eintracht.
Wie
hast Du diese Zeit erlebt?
Die
SG Nied hatte damals mit steigenden Kosten und bestehenden Verbindlichkeiten zu
kämpfen. Hinzu kam Corona. Wir durften keinen Sport mehr machen, die Kosten
liefen weiter und wir hatten viele Mitgliederverluste. Dann kamen die Ge
spräche mit der Eintracht. Bei einer Mitgliederversammlung der SG Nied 2021
wurde schließlich mit sehr großer Mehrheit die Fusion beschlossen.
Wie
wurde aus Deiner persönlichen Verbindung zum Karate schließlich die Aufgabe als
Abteilungsleiter?
Nach
der Fusion brauchte man einen Abteilungsleiter. Ich habe gesagt: Mir liegt der
Sport am Herzen. Ich mache Karate seit Jahrzehnten. Dann habe ich mich
entschieden, die Aufgabe zu übernehmen. Seit der Fusion 2021 bin ich nun Leiter
der Kampfsport-Abteilung.
Was
bedeutet es für Dich persönlich, mit dem Kampfsport Teil der Eintracht zu sein?
Es
bedeutet mir viel. Für mich als gebürtiger Frankfurter ist die Eintracht
natürlich mein Heimatverein. Ich bin auch regelmäßig ins Stadion gegangen, habe
die Mannschaft angefeuert. Das hat sich zwar etwas gelegt, aber die Verbindung
war immer da. Du bist neben Deiner Aufgabe als Abteilungsleiter weiterhin
Trainer.
Wie
sieht das Training heute aus?
Ich
trainiere unsere Wettkampfathletin nen und -athleten und betreue sie natür lich
auch bei den Wettkämpfen. Außerdem biete ich seit zwölf Jahren jeden Mittwoch
einen Selbstverteidigungskurs für Seniorinnen und Senioren an. Da sind wir
mittlerweile zehn Leute, der Älteste ist 84 Jahre alt. Auch für die Adler
Classics und die Junior Adler habe ich schon Kurse gegeben.
Deine
Frau ist ebenfalls Trainerin. Wie kam es dazu?
Meine
Frau ist seinerzeit über Selbstverteidigungskurse bei der SG Nied zum
Kampfsport gekommen. So haben wir uns kennengelernt. Sie ist dann ins Karate
eingestiegen und heute ebenfalls Trainerin. Das ist natürlich super, wenn man zusammen
denselben Sport macht.
Was
macht Dir an Deiner Tätigkeit als Trainer am meisten Spaß?
Mir
macht es Spaß, den Kindern mein Wissen zu vermitteln – all das, was ich mir in
den mehr als 40 Jahren angeeignet habe. Ich habe viele Lehrgänge und Kurse
absolviert und möchte diese Erfahrungen an die nächste Generation
weiterreichen. Gleichzeitig entwickle ich mich selbst immer weiter. Auch im
Karate gibt es Veränderungen und neue Entwicklungen. Das nehme ich auf und
lasse es auch in mein Training einfließen. Das gehört für mich genauso zu
meiner Aufgabe als Trainer wie zu meiner Arbeit als Abteilungsleiter.
Was
ist Dir dabei besonders wichtig?
Dass
die Kinder Respekt zeigen. Man sagt immer: Karate fängt mit Respekt an und hört
mit Respekt auf. Darauf legen wir großen Wert – vor allem im Training. Auch
gegenüber unserem Trainingsraum, dem Dojo, zeigen wir Respekt, in dem wir uns
verneigen. Insbesondere bei Übungen zu zweit muss ich Respekt vor meinem
Gegenüber haben, damit ich meine Partnerin oder meinen Partner nicht verletze.
Das kann beim Kampfsport schnell passieren. Die Verbeugung bedeutet für mich:
Ich respektiere dich, ich achte darauf, dass ich dich nicht verletze und ich bin
dankbar, dass ich mit dir trainieren darf.
Was
wird beim Karate oft falsch verstanden?
Viele
denken bei Karate zuerst ans Kämpfen. Aber darum geht es nicht aus schließlich.
Ein Karateka wird niemals zuerst angreifen. Karate besteht immer zuerst aus
Abwehren – erst dann kommt der Angriff. Karate ist außerdem eine waffenlose
Kampfkunst. Schon der Name beschreibt diesen Gedanken: „Kara“ steht für leer
und „Te“ für Hand – die „leere Hand“. Beim Karate geht es also nicht darum,
Waffen einzusetzen. Natürlich werden heute viele Abwehr- und Angriffstechniken
gelehrt, gerade durch die Wettkämpfe. Aber die Philosophie der „leeren Hand“
ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil. Das versuche ich auch unseren
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu vermitteln.
Wenn
Du auf deine 41 Jahre als Karateka und Trainer zurückblickst: Was möchtest Du
der nächsten Generation mitgeben?
Vor
allem Respekt, Disziplin und die Freude am Sport. Für mich ist es wichtig, dass
die Kinder im Training nicht nur Karate lernen, sondern auch etwas für sich
mitnehmen. Eine Stunde oder eineinhalb Stunden Training können viel bewirken.
Die Kinder können abschalten, den Kopf frei bekommen und sich auf etwas anderes
konzentrieren. Gerade der Kampfsport verlangt Disziplin, gibt aber gleichzeitig
auch die Möglichkeit, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Ich möchte
den Kindern mein Wissen mitgeben, das ich mir über die vielen Jahre angeeignet
habe. Und natürlich wünsche ich mir, dass sie Spaß am Sport haben, trainieren und
irgendwann vielleicht selbst das weitergeben, was sie gelernt haben.