Immer einen Schritt weiter
Tina Dannenberg ist 21 Jahre alt und seit mehr als elf Jahren dem Karate verbunden. 2015 kam sie eher zufällig zu der Sportart. Nachdem sie vorher lange Trampolinturnerin war, schaute sie gemeinsam mit ihren Eltern, welche Möglichkeiten der Sportverein noch zu bieten hatte. Sie probierte verschiedene Sportarten aus – beim Karate blieb sie schließlich hängen.
Heute ist Karate längst ein fester Bestandteil ihres Lebens. Durch ihr Studium der Sport- und Bewegungswissenschaften in Marburg, ihren Arbeitsplatz in Alsfeld und ihren Trainingsort in Frankfurt verbringt Tina viel Zeit unterwegs. Trotzdem nutzt sie jede Gelegenheit, um am Kader- oder Vereinstraining teilzunehmen. „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Sport Teil des Lebens ist und jeder auf seine Weise Sport treibt“, erzählt sie.
16 Jahre lang war Tina Mitglied der SG Nied, bevor der Verein 2021 mit Eintracht Frankfurt fusionierte. Inzwischen ist sie seit fünf Jahren Adlerträgerin. Bereits damals begann sie – neben der Schule – damit, Trainingsstunden zu leiten und absolvierte später ihren C-Trainer im Karate-Breitensport. Im Jahr 2021 startete die junge Karateka erstmals für die Eintracht bei einer Deutschen Meisterschaft. Zuvor war Tina bereits zweimal für die SG Nied bei den nationalen Titelkämpfen mit dabei. Mit ihren Teamkolleginnen konnte sie zunächst den Vizemeistertitel und in den folgenden Jahren zweimal den Deutschen Meistertitel gewinnen. Ins gesamt kommt die Eintrachtlerin so mittlerweile auf 13 Starts bei Deutschen Meisterschaften.
Neben ihrer eigenen sportlichen Entwicklung übernimmt sie auch Verantwortung als Trainerin: „Das Wichtigste, was ich an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben möchte, ist der Spaß am Karate und der Spaß daran zu sehen, wie man sich über die Zeit verbessert und viele neue Sachen lernt.“ Besonders die ersten Schritte im Karate liegen ihr am Herzen. Sie möchte Kindern und Jugendlichen ihr Wissen mitgeben, sie auf ihrem Weg begleiten und ihnen zeigen, was sie selbst erreichen können.
Einer ihrer prägendsten Wettkämpfe war die Deutsche Meisterschaft der Leistungsklasse 2023. Für Tina war es der erste nationale Wettkampf der Erwachsenen, bei dem sie im Einzel für Hessen und die Eintracht antrat. Gleichzeitig hatte sie mit ihrem Team die Chance, den Meistertitel aus dem Vorjahr zu verteidigen. Gemeinsam mit Rebecca Ohnesorge und Tasha Pothmann kämpfte sie sich bis ins Finale. Es war ein langer Wettkampftag, der erst am späten Abend seinen Höhepunkt erreichte. Für Tina und ihr Team war es der Moment, auf den sie hingearbeitet hatten. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, auf dieser Kampffläche alles zu geben und zu zeigen, woran wir in den letzten Wochen gearbeitet hatten.“ – Mit Erfolg, denn am Ende wurde genau diese Arbeit belohnt: Tina und ihr Team verteidigten ihren Titel und holten Gold. Ein Moment, der im Gedächtnis geblieben und bis heute mit Stolz verbunden ist: „Diese Medaille und dieser Pokal sind eine ständige Erinnerung an das, was wir damals geleistet haben, und darauf bin ich unglaublich stolz.“
Was Karate für die Adlerträgerin heute bedeutet, geht allerdings weit über Wettkampferfolge hinaus. Im Dojo könne sie den Alltag hinter sich lassen und sich ganz auf sich selbst konzentrieren, erklärt sie und ergänzt: „Heute bedeutet Karate für mich einfach abschalten von dem realen Leben.“ Das mache den Sport für sie besonders: „Ich mag es, dass ich im Training den Fokus auf mich und meine Leistungen legen kann und je der um mich herum genau dasselbe Ziel verfolgt: Sich selbst zu verbessern.“
Über die Jahre habe Karate auch ihre eigene Haltung geprägt. Besonders Disziplin und Geduld sind für Tina wichtige Erfahrungen, die sie aus dem Sport mitnimmt. Jede Trainingseinheit biete die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen oder Bestehen des weiterzuentwickeln, so Tina. „Man lernt in jedem Training neue Sachen oder verbessert sich und das Ziel ist, immer so nah wie möglich an ‚perfekt‘ zu kommen.“ Dass dieses Ziel nicht von heute auf morgen erreicht werde, gehöre für sie dazu und sie weiß: „Dafür ist Geduld mit sich selbst und viel Disziplin gefordert.“
Genau diese Geduld möchte sie auch denjenigen mitgeben, die gerade erst mit Karate anfangen: „Jeder Anfang ist schwer, auch im Karate. Neue Techniken, Stände und Begriffe können gerade am Anfang überwältigend sein. Es ist normal, sich nicht alles auf Anhieb merken zu können oder zu schaffen. Es zu probieren ist jedoch ein Teil des Lernprozesses und essenziell für Karate“, so die Karateka.
Dabei ist Dannenberg auf ihrem Weg längst weit gekommen: Aktuell trägt sie den 2. Dan, den zweiten schwarzen Gürtel. „Ich bin sehr stolz darauf, diesen Gürtel tragen zu dürfen, da nicht jeder so weit im Karate kommt.“ Für sie steht der Gürtel keinesfalls für einen Endpunkt. Im Gegenteil, denn der nächste Schritt ist bereits geplant: Im kommenden Jahr möchte die Adlerträgerin die Prüfung zum 3. Dan ablegen. Gleichzeitig hat sie sich ein weiteres hohes Ziel gesetzt. Im Shotokan, dem Karatestil, der bei den Karatekas in Nied hauptsächlich trainiert wird, gibt es 26 Katas. Rund 18 davon beherrscht sie nach eigener Aussage bereits sehr sicher. Dazu kommen Katas aus anderen Stil richtungen, die sie im Wettkampf nutzt. Tina hat sich fest vorgenommen: Irgendwann möchte sie alle können! „Wenn ich später einmal jede Kata gemacht habe, wäre das schon ziemlich unglaublich.“ Ein Ziel, das gut zu ihrem bisherigen Weg passt: immer weiterlernen, sich verbessern und neugierig auf das bleiben, was als Nächstes kommt.
Tina Dannenberg
— Geburtsjahr: 2005
— Größe: 1,65 m
— Geburtsort: Frankfurt am Main
— Adlerträgerin seit: 2021(seit 2005 bei der SG Nied)
— Bisherige Erfolge: 2 × Deutsche Meisterin im Kata-Team
— Größtes sportliches Ziel: eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften der Masterklasse (Ü30)