Mehr als nur eine Farbe

Weiß, Gelb, Grün, Blau, Braun, Schwarz – wer an Kampfsport denkt, hat schnell die unterschiedlichen Gürtelfarben vor Augen. Sie zeigen auf den ersten Blick, wo der Tragende auf seinem Ausbildungsweg steht. Hinter den Farben steckt jedoch mehr als nur eine Reihenfolge.

 

Ob Judo, Karate oder Vovinam, das Tragen eines Gürtels ist fester Bestandteil zahlreicher Kampfsportarten. Doch innerhalb der verschiedenen Künste unterscheiden sich die Gürtelfarben hinsichtlich ihrer Bedeutungen und Symboliken.

Das heute verbreitete Graduierungssystem mit Kyū- und Dan Graden wurde in den japanischen Kampfkünsten geprägt. Die Kyū bezeichnen die Schülergrade und werden rückwärts gezählt. So steht der 9. Kyū am Anfang, während der 1. Kyū den höchsten Schülergrad darstellt. Der schwarze Gürtel bedeutet dabei keineswegs das Ende des Weges. Je nach Kampfkunst, Stilrichtung und Verband unterscheiden sich die einzelnen Systeme allerdings deutlich.

Im Judo führt der Weg durch verschiedene Kyu-Grade von den hellen zu den dunkleren Gürtelfarben und schließlich zu den Dan-Graden, deren erster Grad mit dem schwarzen Gürtel getragen wird. Mit jeder Prüfung steigen die Anforderungen. Bei den höheren Dan-Graden kommen neben dem schwarzen Gürtel traditionell auch rot-weiße und rote Gürtel zum Einsatz. Die höchsten Dan-Grade werden jedoch nur sehr selten verliehen und sind mit besonderen Anforderungen und Verdiensten um das Judo verbunden.

Im Karate werden die Ausbildungsstufen ebenfalls in Kyū und Dan eingeteilt. Welche Farben genau in welcher Reihenfolge verwendet werden, hängt allerdings stark von Stilrichtung und Verband ab. In vielen Systemen führt der Weg vom weißen über den gelben, orangenen, grünen und blauen Gürtel zum braunen und letztlich zum schwarzen Gurt. Den gewählten Farben werden dabei häufig symbolische Bedeutungen zugeschrieben. Mehrere Kyū-Stufen können zudem dieselbe Farbe tragen.

Vovinam hat ein eigenes Graduierungssystem. Im Fokus stehen die Farben Blau, Gelb, Rot und Weiß. Begonnen wird mit einem hellblauen, anschließend einem dunkelblauen Gürtel. Blau steht für die Farbe des Vovinam-Anzugs und symbolisiert unter anderem das Meer und die Hoffnung. Gelb kenn zeichnet die Trainerstufe und steht für die Hautfarbe. Rot steht für das Blut, die intensive Flamme des Feuers und den eisernen Willen und kennzeichnet die Meisterstufe. Weiß symbolisiert schließlich die Unendlichkeit, die Knochen so wie die Tiefe und Reinheit des Geistes und ist der höchsten Graduierung vorbehalten.

So unterschiedlich die Gürtelsysteme auch sind, ihren Grundgedanken haben sie gemeinsam. Jede neue Farbe und jeder neue Grad stehen für viele Trainingsstunden, Rückschläge und Lernfortschritte. Dahinter stecken Disziplin, Konzentration, Respekt und die Bereitschaft, auf und neben der Matte zu wachsen. Entscheidend ist nicht die Farbe um die Hüfte, sondern das, was auf dem persönlichen Weg gelernt wurde.