Zwischen
EM, Comebacks und Nachwuchs
Die Freiluft-Saison der Leichtathletik ist beendet. Zeit für
einen Blick zurück auf eine ereignisreiche Saison. Internationale Erfolge,
starke Comebacks und die Entwicklung des Nachwuchses prägten die vergangenen
Monate. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie breit die Leichtathletik-Abteilung
von Eintracht Frankfurt inzwischen aufgestellt ist – von der Nachwuchsarbeit
bis hin zur internationalen Spitze.
Text und Fotos: Mia Ebert
Highlights
Für die Top-Athletinnen und -Athleten stand die Saison vor
allem im Zeichen der Europameisterschaften in Birmingham. Auf der Jagd nach
Normen und Punkten zeigten sie bei zahlreichen Wettkämpfen starke Leistungen.
Am Ende qualifizierten sich neun Athletinnen und Athleten für die EM – mehr als
von jedem anderen deutschen Verein. Neben den Erfolgen gab es jedoch auch
Enttäuschungen: Joshua Abuaku verpasste die Norm um nur vier Tausendstel. Auch
Leia Braunagel musste trotz konstanter Weiten von mehr als 60 Metern und
berechtigter EM-Hoffnungen aufgrund der starken nationalen Konkurrenz auf die
Teilnahme verzichten.
In Birmingham sorgte Merlin Hummel direkt am zweiten Abend
für ein Highlight: Mit 81,30 Metern gewann er im Hammerwurf Silber, Sören Klose
wurde mit 78,13 Metern Sechster. Für ein weiteres Highlight sorgte Smilla
Kolbe: Sie lief über 800 Meter in 1:57,80 Minuten persönliche Bestleistung und
stellte damit die schnellste Zeit einer Deutschen seit 1990 auf, ehe sie im
Halbfinale mit 1:58,21 Minuten knapp ausschied. Amadeus Gräber belegte im
Zehnkampf mit 8.162 Punkten Rang acht, Christopher Linke wurde im Marathon-Gehen
mit deutschem Rekord ebenfalls Achter. Johannes Frenzl erreichte mit
persönlicher Bestleistung Platz 15. Im Hammerwurf der Frauen wurde Aileen Kuhn
Zehnte, Samantha Borutta schied bereits in der Qualifikation aus. Diskuswerfer
Marius Karges verpasste bei seinem ersten internationalen Auftritt ebenfalls
das Finale.
Doch nicht nur bei der Europameisterschaft wussten die
Athletinnen und Athleten zu überzeugen. Auch bei internationalen Meetings
konnten Merlin Hummel und Smilla Kolbe auf sich aufmerksam machen, nachdem sie
sich in dieser Saison auch die Titel bei den Deutschen Meisterschaften
sicherten. Smilla Kolbe lief regelmäßig mit den Top-Läuferinnen mit, während
Merlin Hummel mehrere Podestplätze sammelte und mit seinem Sieg bei den World
Athletics Ultimate Championships zuletzt endgültig den Sprung an die Spitze schaffte.
Auch Geher Christopher Linke konnte neben seinem Titel bei den Deutschen
Meisterschaften auch bei internationalen Meetings mit Top-Platzierungen
überzeugen. Aileen Kuhn wurde in dieser Saison ebenfalls Deutsche Meisterin.
Comebacks
Neben den internationalen Erfolgen prägten auch starke
Comebacks die Saison. Sarah Vogel und Sören Klose kehrten nach längeren
Auszeiten zurück. Klose nähert sich dabei inzwischen wie der der Marke von 80
Metern. Seine persönliche Bestleistung von 79,23 Metern verbesserte er in
diesem Jahr erneut. Nach einem Bänderriss und Rückenproblemen war an solche
Weiten lange nicht zu denken. Noch im März hatte er zunächst Probleme, die 50
Meter zu überwerfen. Ein neuer Trainer und ein verändertes Umfeld gaben ihm schließlich
neue Impulse.
Auch Stabhochspringerin Sarah Vogel hat nach einer langen
Leidensgeschichte wieder ein neues Leistungsniveau erreicht und konnte in
dieser Saison ihre persönliche Bestleistung verbessern.
Nachwuchs
Während die etablierten Athletinnen und Athleten ihre
internationale Klasse bestätigten, drängen immer mehr junge Sportlerinnen und
Sportler nach. Rund zehn von ihnen konnten in dieser Saison besonders auf sich
aufmerksam machen.
Dazu gehören allen voran Hochspringer Jacob Thomä und
Hammerwerfer Matti Hummel. Beide sicherten sich in dieser Saison souverän die
Deutschen Meistertitel der U20 und wurden für die U20-WM in Eugene nominiert.
Vor Ort konnten beide leider noch nicht ihr gesamtes Potenzial ausschöpfen.
Entwicklung
Die Entwicklung zeigt sich nicht nur auf der internationalen
Bühne. Auch die Abteilung selbst ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
Vor rund sechs Jahren zählte die Leichtathletik bei Eintracht Frankfurt etwa
400 Mitglieder, inzwischen sind es rund 900.
Leichtathletik-Abteilungsleiter Michael Krichbaum betont:
„Der Zulauf hält an, besonders das Interesse von Kindern und Jugendlichen an
der Leichtathletik ist ungebrochen. Für unsere Abteilung bietet das die Chance,
Talente aus Frankfurt und der Region für die Eintracht zu gewinnen und Schritt
für Schritt zu entwickeln. Von der Breite bis zur Spitze soll möglichst vielen
Sportlerinnen und Sportlern eine Perspektive geboten werden.“
Wie breit die Abteilung inzwischen aufgestellt ist, zeigte
sich auch bei der Team-DM U16/U20. Mit vier von vier möglichen Mannschaften war
die Eintracht vertreten. Bei den Hessischen Meisterschaften sammelten die U20
und U18 insgesamt 15 Gold-, sieben Silber- und fünf Bronzemedaillen. Die U16
kehrte aus Darmstadt mit 17 Gold-, zehn Silber- und 13 Bronzemedaillen zurück.
Die Saison 2026 zeigt, dass die Abteilung auf mehreren
Ebenen wächst. An der Spitze stehen international erfolgreiche Athletinnen und
Athleten, dahinter wartet eine Gruppe junger Sportlerinnen und Sportler, die
bereits erste Erfahrungen auf internationaler Ebene sammelt. Gleichzeitig
wächst die Basis der Abteilung weiter.
„Von der Breite bis zur Spitze soll möglichst vielen
Sportlerinnen und Sportlern eine Perspektive geboten werden.“
Abteilungsleiter Michael Krichbaum