N I Z A G A M B U L K Albert Riera / Unser Sport Dass Albert Riera Ortega klare Vorstellungen von seinem Wir- ken hat, lässt sich allein von der Verlautbarung ableiten, wo- nach der neue Cheftrainer auf eigenen Wunsch zunächst letzt- mals den NK Celje betreuen wolle. Topspiel gegen Maribor, Erster gegen Dritter in der slowenischen Liga, ein möglichst sauberer Schnitt inmitten der Spielrunde, die Celje derzeit mit zwölf Zählern Vorsprung anführt. „Ein Cut“ also, den einen Tag zuvor, nach dem 1:3 gegen Leverkusen, ebenso Spielführer Robin Koch und Vizekapitän Mario Götze forcierten, ohne noch zu sehr in Details zu gehen. Die Konsequenz waren jedenfalls erstmal weniger Spiele und eine Leihe zu Manchester City. Ab auf die britische Insel, die nächste lebensverändernde Wendung: eine andere, weil physischere und schnellere Spielweise als in España, Um- schaltkommandos statt Ballstafetten. Zurück kam ein sport- lich gestählter und menschlich gereifter Riera, der mit Espany- ol unter Ernesto Valverde 2007 bis ins UEFA-Cup-Finale vorstieß. Riera erzielte im spanisch-spanischen-Duell die 1:0-Führung, schließlich behielt der FC Sevilla im Elfmeter- schießen die Oberhand. Was das World Wide Web angeht, hat Riera bisher mehr Spie- ler- als Trainerspuren hinterlassen, doch eine Handvoll Beiträ- ge, etwa ein 45-minütigen Vodcast von „Arena Sport Sloveni- ja“ oder ein Gastbeitrag bei „The Coaches Voices“ lassen einen schnell zu dem Schluss kommen, dass da einer seiner Passion folgt: Fußball. Ohne Wenn und Aber und am liebsten auf dem Platz. „No Office, I need Green“, schilderte Riera mal seine Zu- kunftspläne knapp wie präzise. Ein Jahr später, 2008, wurde der Liverpool FC auf Riera auf- merksam. Manager Rafael Benitez an der Seitenlinie, weitere Landsleute wie Pepe Reina, Álvaro Arbeloa, Xabi Alonso und Fernando Torres auf dem Feld, was Riera aber nie so hoch hing wie das Privileg, grundsätzlich von Topstars umgeben zu sein. Quintessenz für ihn später als Trainer: Wenn einer nicht ans Maximum kommt, muss das nicht immer allein am Spieler selbst liegen, das entsprechende Umfeld hat nicht weniger Einfluss auf die Leistung des Einzelnen. Heute kickt der 43-Jährige noch genauso in der einen oder anderen Trainingsform mit wie in seiner Kindheit in der mallor- quinischen Gemeinde Manacor, aus der auch Tennislegende Rafael Nadal stammt. Schule sei nicht so seins gewesen, Mathe und Englisch noch am ehesten. Als Riera zwölf war, meldete sich der RCD Mallorca, mit 18 der Einstand in La Liga unter Luis Aragonés, der ihn später auch in der Nationalmann- schaft förderte und insofern prägte, als er etwa nach Spielen ausschließlich mit Ersatzspielern kommunizierte, um ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit zu geben. „Ich spreche am ersten Tag nicht über Taktik, nicht über die Spielweise. Wir sprechen über die Person, die Menschen. Respekt, Disziplin, den Umgang miteinander.“ Auf die Spitze getrieben eben von Torwart Reina, der Riera mal per Abschlag ein Tor auflegte. Mittlerweile sind beide befreun- det, „Father-in-law“ für jeweils ein Kind des anderen. Über- haupt ist es für Riera von großer Bedeutung, geknüpfte Kontak- te nicht abreißen zu lassen. Mit spanischen UEFA-Pro-Ab- solventen, der höchstmögli- chen Trainerlizenz, wie Xavi Hernández, Xabi Alonso, Raúl González, Marcos Senna and Joan Capdevila, hat er bis heute eine WhatsApp-Gruppe und betont, wie fruchtbar es sei, nicht auf der einen Ideologie zu beharren, sondern von jedem etwas mitzunehmen. 2003 gewann der Inselklub die Copa del Rey. Riera lebte seinen Traum, Stammkraft für den Heimatverein, verwurzelt und er- folgreich. Als sich Girondins de Bordeaux meldete, hielt sich das Wechselinteresse in Grenzen. Zumindest beim Spieler, doch der Verein musste Transfererlöse erzielen. Das widerwillige Verlassen der Komfortzone sieht Riera rück- blickend als Geschenk, um sich Widerständen zu stellen und daran zu wachsen. Es war eine der ersten von vielen schick- salhaften Fügungen, die Riera zu dem werden ließen, der er ist. Mauricio Pochettino, zuvor Teamkollege in Bordeaux, lots- te ihn zwei Jahre später zurück nach Spanien zu Espanyol Bar- celona. In Katalonien beging Riera nach eigenem Bekunden „den besten Fehler meines Lebens“. Der Linksaußen sah sich als Flügelstürmer, das System des neuen Coachs Miguel Ángel Lotina sah derlei Positionen jedoch nicht vor. Lotina wollte Riera als Außenverteidiger einsetzen, der aber lieber vorne spielen. Eine Ansicht, die Riera aus verantwortlicher Perspektive geändert hat, als Trainer legt er Wert auf Vielsei- tigkeit statt Eindimensionalität. Diese Devise zieht sich durch wie ein Roter Faden. Bei Galata- saray in Istanbul und Olympiacos in Piräus fand Riera nicht nur Gefallen an „positiv fanatischen Fans“, sondern auch Trainer, die ihn das Trainerdasein lehrten. Nach dem Ausklang der Spielerlaufbahn beim FC Koper in Slo- wenien 2016 und der erfolgreich abgeschlossenen Fußballleh- rerausbildung 2019 bot Fatih Terim seinem ehemaligen Schütz- ling 2020 an, als Co-Trainer bei Galatasaray einzusteigen. 2021 übernahm Domènec Torrent das Ruder am Bosporus. Zwei Trainer, zwei Lehrmeister. „Disziplin, Organisation, Gruppenführung, Charakter, Persön- lichkeit“ habe er vom türkischen Routinier Terim aufgesogen – „mehr als das eigentliche Fußballwissen“. Torrent wiederum, der langjährige Assistent von Pep Guardiola beim FC Barcelo- na, FC Bayern und Manchester City FC, sei inhaltlich prägend gewesen. Riera habe sich mit seinem Freund Mikel Arteta häu- figer ausgetauscht. Der Baske, der mit dem Arsenal FC aktuell gleichermaßen die Premier und die Champions League an- 56