Das 65er-Quintett
Bruno Hübner, Armin Veh, Janusz Turowski, Michael Künast und Frank Schulz feiern im Januar und Februar ihren 65. Geburtstag. Alles Gude!
Texte: Michael Wiener
Fotos: Eintracht-Archiv, imago images
Bruno Hübner (*28. Januar 1961)
Weißes Hemd für Veh
Zehn Jahre, zwischen 2011 und 2021, wirkt Bruno Hübner als Sportdirektor bei der Eintracht. Direkt im ersten Jahr steigt er mit den Adlerträgern in die Bundesliga auf, 2018 wird er DFB-Pokalsieger. Die Frankfurter Rundschau nennt ihn einst einen „gewieften Verhandlungsführer, mit allen Wassern gewaschen, hartnäckig, beharrlich“. Das geht schon los, als er gerade in Frankfurt angekommen ist und nach dem bis heute letzten Abstieg einen neuen Trainer suchen muss. Der gebürtige Wiesbadener überzeugt den vier Tage jüngeren Armin Veh, der dann bei seiner kurzfristig anberaumten Vorstellungspressekonferenz in einem weißen Hemd aus dem Hause Hübner erscheint. Zwei Jahre später steht die Qualifikation für die Europa League fest; Hübner, Veh und Co. feiern kurz darauf rauschende Europapokalnächte. Nachdem er seinen Vertrag bei der Eintracht nicht verlängert hatte, ist es ruhiger geworden um Bruno Hübner. Im Fokus steht nun eher einer seiner drei Söhne, Ex-Profi Benjamin Hübner ist mit Julian Nagelsmann und der deutschen Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM in den USA.
Armin Veh (*1. Februar 1961)
„Mutigster Trainer der Bundesliga“
Bruno Hübner braucht dem Vernehmen nach viel Verhandlungsgeschick, um den in den vorausgegangenen Jahren bei drei Bundesligisten arbeitenden Armin Veh (Meister mit Stuttgart, danach Wolfsburg und HSV) von einem Engagement bei der gerade abgestiegenen Eintracht zu überzeugen. Der Rest ist Geschichte: Veh und Hübner liegen sich ein knappes Jahr später in Aachen in den Armen, als die Eintracht die Bundesliga-Rückkehr perfekt gemacht hat. Wiederum ein Jahr später geht‘s Richtung Europa, beim legendären „Orange-Spiel“ in Bordeaux mit damals rekordverdächtigen 12.000 Eintracht-Fans schwenkt Veh nach dem 1:0-Erfolg vor der Kurve die Blockfahne. Nach jener Saison 2013/14 läuft sein Vertrag aus und Veh beginnt die „Rückkehr-Reise“ – erst zum VfB Stuttgart und dann, es sollen nur wenige Monate werden – zur Eintracht. „Veh, der mutigste Trainer der Bundesliga“, titelt einst DIE ZEIT, als er mit der Eintracht nach dem Aufstieg risikoreichen und damit erfolgreichen Fußball spielen lässt. Heute taucht Veh gelegentlich als Experte im deutschen Fernsehen auf.
Janusz Turowski (*7. Februar 1961)
Erst gesperrt, dann Pokalsieger
Ein DFB-Pokalsieger 1988! In vier Partien steht er im DFB-Pokal 1987/88 auf dem Platz, in der zweiten Runde gegen Ulm trägt sein Doppelpack zum 3:0-Erfolg bei. Seine Sternstunde in der Bundesliga: Beim 3:1 in Karlsruhe im April 1983 gelingt ihm sein einziger Dreierpack. Die Eintracht ist die erste Auslandsstation des Polen, der nach fünf Jahren bei der Eintracht (1986 bis 1991) zum VfB Leipzig wechselt und aufgrund von Sportinvalidität früh seine Karriere beenden muss. In den 1980er Jahren gilt er als bester polnischer Stürmer, der jedoch nie in der Nationalmannschaft spielt. Kurios ist die Geschichte, wie er zur Eintracht kommt. In der Winterpause 1985/86 reist er illegal nach Deutschland, gemeinsam mit Jaroslaw Biernat. Damals sind in Polen internationale Transfers für Spieler unter 28 Jahren verboten, das Duo ist erst 25 Jahre alt. Nach einjähriger Sperre laufen sie für die Eintracht auf.
Michael Künast (*14. Februar 1961)
„… jubelnd bis zur A5 gelaufen“
19 Jahre ist Michael Künast alt, als Friedel Rausch den Stürmer erstmals in der Bundesliga einsetzt. Die Eintracht liegt mit 1:2 gegen den SV Werder Bremen zurück, da netzt Künast, gerade 21 Minuten auf dem Platz, zum 2:2 ein. Die Eintracht dreht die Partie noch, weil sich Christian Peukert in die Geschichtsbücher einträgt: Einwechslung und Siegtor binnen einer Minute, er spielt vorher und nachher nie wieder für dieEintracht. Auch Künast gelingt ein Last-Minute-Tor. Am 17. April 1982 wird er im Spiel gegen die Bayern beim Stand von 3:3 in der 83. Minute eingewechselt, drei Minuten später markiert er den Siegtreffer. „Wenn damals das Marathon-Tor auf gewesen wäre, wäre ich jubelnd bis zur A 5 gelaufen“, hat Künast mal in einem Interview gesagt. Künast ist insgesamt fünf Jahre Adlerträger, erlebt den UEFA-Pokalsieg 1980 und den DFB-Pokalsieg 1981 hautnah mit, auch wenn er den Durchbruch in Frankfurt nicht schafft. Beim KSC und in Darmstadt kommt er in der Folge auf mehr Spielzeit, ehe es ihn 1988 bis zum Ende seiner Profikarriere nach Österreich zieht. Künast ist heute de Eintracht noch verbunden, kommt gelegentlich ins Museum und ist auch 2022 aufEinladung des Vereins beim Finale der Europa League dabei.
Frank Schulz (*18. Februar 1961)
Große Tage in Bremen und Berlin
„Gefühlte 28:3 Torschüsse“ (O-Ton Manni Binz Jahre später) für Werder, Uli Stein hält, was es zu halten gab – die Eintracht siegt mit 1:0 in Bremen im Frühjahr 1988. Der Einzug ins DFB-Pokalfinale ist perfekt. Torschütze zum Siegtreffer an der Weser, auf Pass von Dieter Schlindwein: Frank Schulz, der Mann mit den langen blonden Haaren und dem Spitznamen „Django“. Ein großer Tag also für den im Ruhrpott aufgewachsenen Schulz, der später sagen wird: „Die Eintracht war meine erfolgreichste Station“ – weil nach dem Erfolg im Halbfinale auch das Endspiel erfolgreich bestritten wird und die Adlerträger nach Lajos Detaris Kunstschuss von Berlin gegen Bochum den DFB-Pokal gewinnen – also gegen den Verein, für den er zwischen 1983 und 1987 die meisten Spiele seiner Karriere absolviert. Nach zwei Jahren und einem wichtigen Tor in seinem letzten Spiel als Adlerträger beim 1:2 im Relegationskrimi von Saarbrücken verlässt er die Eintracht Richtung Osnabrück, kehrt dann in Mönchengladbach nochmal in die Bundesliga zurück und beendet in Aachen seine Profikarriere.