Die Kurve zeigt nach oben

DFB-Pokalfinale, Aufs und Abs in der Liga, Weiterentwicklung auf allen Ebenen. Der ehemalige 1. FFC Frankfurt fühlt sich wohl unter dem Adlerdach. Ein Jahr ist seit der Fusion zwischen der Eintracht und dem 1. FFC Frankfurt vergangen. Zeit, auf die erfolgreiche „Eheschließung“ zurückzublicken.

Ein Jahr des Gewöhnens, so war anfangs geunkt worden. Ob die Eintracht die Entscheidung bereue, mit dem 1. FFC Frankfurt fusioniert zu haben, fragten verschiedene Medien, nachdem im Herbst und zu Jahresbeginn einige Punkte von der jungen wie talentierten Mannschaft liegen gelassen wurden. Die Antwort auf beides lautet ganz klar Nein! Frauenfußball und Eintracht, das passt. Corona hat manches wie persönliches Kennenlernen und Fannähe erschwert, keine Frage. Aber angekommen sind die Fußballerinnen bei der Eintracht. Die letzten Skeptiker waren spätestens beim DFB-Pokalfinale überzeugt, als das sympathische Team von Cheftrainer Niko Arnautis mit Eintracht-Eigenschaften bis zum Umfallen kämpfte und Anerkennung auf allen Ebenen für die Leistung bei der bitteren 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen den Favoriten VfL Wolfsburg erhielt. Der Klassenerhalt der Zweitligafrauen nach fast fünfmonatiger Coronazwangspause rundete die erfolgreiche Fusion am Ende einer mitunter auch kuriosen Saison unter einigen erschwerten Bedingungen ab.

Angefangen hatte alles am 25. Juli 2020. Weniger als einen Monat zuvor hatten viele der „Neu“-Adlerträgerinnen noch in FFC-Trikots die Spielzeit 2019/20 Corona-bedingt verspätet beendet, nun empfing Trainer Niko Arnautis seinen Kader im Schatten des Deutsche Bank Parks zur ersten Trainingseinheit. Dort, wo anderthalb Monate später Anfang September der 5:1-Auftaktsieg in die FLYERALARM Frauen- Bundesligasaison über den SV Werder gefeiert werden konnte, der eine große Euphorie entfachte. Sportlich begeisterten die Adlerträgerinnen. Die damals 17-jährige Camilla Küver feierte ein Traumdebüt in der Liga, als sie beim 4:0 gegen Meppen das letzte Tor kurz nach ihrer Einwechslung erzielte. Laura Freigang traf nach Belieben in Nationalmannschaft und Verein, die erste Adlerträgerin auf dem Cover des Klubmagazins steht am Ende mit 17 Treffern auf dem zweiten Platz der Torjägerinnenliste. Sjoeke Nüsken debütierte im Februar für die deutsche Nationalmannschaft. Die individuelle wie gesamte Entwicklungskurve zeigt nach oben.

Dass zwischenzeitlich die Ergebnisse (2:2 gegen Leverkusen, 2:3 gegen Sand, 0:1 gegen Potsdam und Freiburg, dazu die Niederlagen gegen die Topteams Wolfsburg und Bayern) in der Liga nicht immer stimmten, dafür aber fast immer die Leistung auf dem Platz – geschenkt. Daran wachsen die jungen Spielerinnen und gehen daraus gestärkt hervor. Wille und Kampfgeist war der Mannschaft von Niko Arnautis nie abzusprechen.

„Mehr Team als wir kannst du nicht sein“

Das neue Jahr begann mit Pech und Pannen: Mehrere richtige wie auch falsch-positive Coronafälle mit einer zwischenzeitlichen Mannschaftsquarantäne sowie mehrere witterungs- und COVID-19-bedingte Spielabsagen brachten den Terminplan und die Vorbereitungen durcheinander. Eine wichtige Erkenntnis für Arnautis: „Was wir auch gelernt haben, ist, mit Rückschlägen und Widerständen umzugehen. Und das ist ein enormer Entwicklungsschritt für uns alle.“ Gegen den kommenden Champions-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim gab es zum Auftakt im März eine verdiente 0:2-Niederlage, der Punktverlust gegen den SV Meppen (1:1) sowie die Auswärtsniederlage bei Bayer 04 Leverkusen enttäuschte vor allem das Team selbst.

Doch das 2:3 gegen Leverkusen war ein Knackpunkt. Im anschließenden obligatorischen Kreis rückten alle noch einmal näher zusammen, ein noch stärkerer Mannschaftsgeist wurde geboren. „Mehr Team als wir kannst du nicht sein“, sagt Niko Arnautis. Duisburg (3:0), Sand (4:0), Freiburg (3:0) und Essen (3:1) wurden verdientermaßen in der Liga geschlagen, die SGE war auf der Überholspur, die Formkurve in der Rückrunde (nur das zweite Halbjahr betrachtet ist die SGE Tabellenvierter) zeigte deutlich nach oben. „Ich erinnere mich an kein schlechtes Spiel in der Rückrunde – das unmittelbar nach der Quarantäne ausgenommen. Wir haben uns viel stabiler gezeigt“, bestätigt der 41-jährige Chefcoach. Zwischenzeitlich erkämpften sich die Adlerträgerinnen an Ostersamstag durch einen 2:1-Sieg über Freiburg den Einzug ins DFB-Pokalfinale. Das Endspiel in Köln war zweifelsfrei der emotionale Höhepunkt und eine Glanzleistung gegen den Favoriten aus Niedersachsen. Dass gegen Wolfsburg (2:3), Potsdam (1:2) und den Meister Bayern (0:4) in der Liga drei Niederlagen zum Schluss stehen, ist zu verschmerzen. Platz sechs in der Endabrechnung mit 30 Punkten

Weiterentwicklung auf allen Ebenen

sind verbesserungswürdig – doch und viertbeste Torverhältnis von 43:29 zeigt, dass es zwischenzeitlich lediglich an Cleverness, Erfahrung und kleinen Dingen mangelte. Für Arnautis geht eine „intensive, aber auch schöne Saison“ zu Ende: „Ich habe immer gesagt, dass wir dieses Jahr brauchen und den Mädels auch Zeit geben, ohne Druck zu machen. Sie machen sich den Druck schon selbst. Wir sind uns im Klaren gewesen, dass der Weg, den wir als FFC gegangen sind, genau der richtige war. Gegenüber der Hinrunde haben wir uns spielerisch individuell, aber auch als Team weiterentwickelt.“ Sein Team steht für einen bestimmten Stil, für Team- und Kampfgeist, aber auch begeisternden Offensivfußball: „Wir haben mutigen Offensivfußball gespielt, haben begeisternde Spiele gezeigt und sind als Mannschaft gereift. Selbst eine gestandene Nationalspielerin wie Merle Frohms ist noch einmal gewachsen. Wir haben Camilla Küver als Küken in die Mannschaft integriert. Allein schon mit dem Erreichen des Pokalfinals im ersten Jahr unter dem Adlerdach und der Leistung im Endspiel selbst haben wir Ausrufezeichen gesetzt.“ Trotz des ergebnistechnisch holprigen Herbsts und Jahresstarts bei witterungs- und Coronabedingten Spielabsagen unter erschwerten Bedingungen – die Fusion ist auf allen Ebenen eine Erfolgsstory, was auch für die Nachwuchsteams im Verein gilt, die durch die wenige Spielzeit und Coronaabbrüche ihr Potenzial noch nicht zeigen konnten. Der Instagram-Frauen-Kanal beispielsweise hat mit mehr als 20.000 ligaweit die drittmeisten Abonnenten hinter dem FC Bayern und Wolfsburg, die Wahrnehmung der Eintracht Frauen ist enorm gestiegen. Spielerinnen sowie Trainer werden auf der Straße angesprochen, wie auch Arnautis bestätigt: „Wir sind jetzt ein Verein. Die Aufmerksamkeit ist viel größer geworden. Das ist eine tolle Wertschätzung – uns und dem Frauenfußball gegenüber. Der Verein gibt uns die volle Unterstützung.“ Beste Voraussetzungen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: Ein Verein ist stolz auf seine Frauenmannschaften und freut sich auf das zweite Jahr!