KAPITÄNIN MIT DEM RETTENDEN SCHUSS
Mit ihrem Tor schoss
sie die Zweitligafrauen zum Klassenerhalt, als Kapitänin führte sie ihr Team zu
so manchem wichtigen Punkt in der vergangenen Zweitligasaison:
Mittelfeldspielerin Mai Hirata.
Es war die 86. Spielminute
des 18. und letzten Spieltags gegen den FC Bayern München II, als die
Zweitligafrauen in der Livetabelle auf dem Relegationsplatz standen. Während
die Hoffenheimerinnen in Würzburg zeitgleich ihre Führung ausbauten, schien der
Ball nach dem 1:1-Ausgleichstreffer der Bayern im Riederwaldstadion einfach
nicht hinter die Linie des Gegners zu wollen. Bis zur 86. Minute. Denn da
eroberte Mai Hirata im Strafraum den Ball, fasste sich ein Herz und dribbelte
einfach mutig auf die Torhüterin zu – und an ihr vorbei. Sekunden später war
die Torschützin inmitten der Jubeltraube aus Spielerinnen, Ersatzbank und
Trainerteam schon gar nicht mehr zu sehen.
„Ich
bin glücklich, dass ich das entscheidende Tor gemacht habe, aber noch viel
mehr, dass wir nächstes Jahr weiter in der Zweiten Liga spielen“, zeigte sich
die Torschützin Mai Hirata kurz nach Abpfiff erleichtert über das Ende einer
Saison, die für die Adlerträgerinnen denkbar spannend war. Mit drei Niederlagen
und einem Unentschieden startete das Team in die Rückrunde, musste zwei Wochen
in Mannschaftsquarantäne und beförderte sich vor allem durch ein 1:2 gegen den
Tabellenvorletzten FC Würzburger Kickers in den Abstiegskampf. Und doch
bewiesen die Adlerträgerinnen im Schlussspurt Moral, erkämpften sich vier Siege
am Stück und zeigten, was vielleicht nicht jeder der jungen Mannschaft
zugetraut hätte – woran man aber selbst immer fest geglaubt habe, sagt Hirata.
„Wir
hatten immer mal wieder Pech und haben wichtige Punkte liegen lassen, aber wir
haben als Team bis zum Schluss gekämpft“, blickt die Japanerin auf die
vergangenen Monate zurück, in denen sie das Team während der Verletzung von
Caroline Krawczyk als Kapitänin auf den Platz geführt hatte. Eine besondere
Erfahrung, wie Hirata erzählt. „Die Kapitänsbinde zu tragen, war etwas ganz
Besonderes und eine tolle Erfahrung für mich. Ich musste lernen, auf dem Platz
viele kurze Kommandos zu geben, aber natürlich auch gut zu spielen, um den
anderen ein Vorbild zu sein.“ Gerade als eine der älteren Spielerinnen in der
U20 sehe sie ihre Rolle darin, den jüngeren Spielerinnen mit ihrer Erfahrung
Tipps und auf dem Platz Sicherheit zu geben.
Mit 16 ohne Familie nach
Deutschland
Erfahrung hat die
22-Jährige schon einige gesammelt, allerdings nicht nur bei der Eintracht,
sondern auch rund 9000 Kilometer entfernt von Frankfurt in ihrem Heimatland
Japan. Dort begann Hirata mit fünf Jahren beim japanischen Fußballverein OTA
Football Club zu spielen, bevor sie mit 13 Jahren zu JFA Academy Fukushima
wechselte und mit der U16 Asienmeister wurde. Parallel dazu durchlief sie die
U13 bis U17 der japanischen Nationalmannschaft. „Mit 16 Jahren war ich dann in
einem Trainingslager in Deutschland und beschloss, hier zu spielen“, erinnert
sie sich zurück. Und so kam sie, ganz alleine ohne ihre Familie, mit 16 Jahren
in die Mainmetropole – was zunächst gar nicht so leicht war.
„Es
war schon schwer, in ein neues Land mit einer ganz anderen Kultur zu kommen“,
berichtet sie und ergänzt mit einem Lachen: „Auch die deutsche Sprache ist
extrem schwer.“ Dass sie sich durchgebissen hat, verdanke sie auch ihrem Team,
das ihr geholfen habe, sich zu integrieren. Und wie gut das geklappt hat,
beweist wohl am besten die Kapitänsbinde an ihrem Arm, auch wenn sie diese nun
wieder an die von ihrer Verletzung genesene Caroline Krawczyk übergeben hat.
Als echte Teamplayerin überwiegt aber auch hier die Freude: „Ich hatte vor zwei
Jahren auch einen Kreuzbandriss, weshalb ich weiß, wie schwer es ist,
zurückzukommen. Deshalb freue ich mich sehr, dass Caro wieder mitspielen kann.“
Und natürlich geht der Blick nun nach Abschluss der Saison 2020/21 und einem
guten fünften Tabellenplatz auch schon nach vorne. Denn für sie, so Hirata,
gebe es sowieso immer nur ein Ziel: „Immer weiterkämpfen und alles fürs Team
geben!“