2004
Zahlreiche Baustellen
Die Saison 2003/04 blieb in nachhaltiger Erinnerung, nicht zuletzt, da erstmals
in der Geschichte ein Trainer die Spiele aus einem Baucontainer beobachtete.
Willi Reimann hatte im Spiel bei Borussia Dortmund den vierten Schiedsrichter
Thorsten Schriever geschubst und dafür die Rote Karte gesehen. Die Sperre von
fünf Spielen saß er in der Baustelle Waldstadion zunächst in einem Baucontainer
auf der Haupttribüne ab – und fing sich den Spitznamen „Container-Willi“ ein.
Dass diese Aktion nicht förderlich war, zeigten die folgenden vier Spiele, die
allesamt verloren wurden. Erst als Willi Reimann auf die Gegentribüne umzog,
punktete die Eintracht wieder. Das 3:0 gegen den SC Freiburg hielt die Hoffnung
am Leben. Doch zwei Auswärtsniederlagen in Hannover und Wolfsburg drückten die
Adler wieder tief in die Niederungen der Tabelle. Es folgte ein dramatischer
3:2-Sieg gegen den VfL Bochum, bei dem Uwe Bindewald sich als aktiver Fußballer
im Waldstadion verabschiedete. So reiste die Eintracht am letzten Spieltag zum HSV.
Ein Auswärtssieg bei einer Niederlage des 1. FC Kaiserslautern in Dortmund
hätte den Klassenerhalt bedeutet, doch Lautern zog nicht mit. Zwar führte die
Eintracht, unterstützt durch über 10.000 mitgereiste Fans, durch Ioannis
Amanatidis mit 1:0, doch der postwendende Ausgleich bei gleichzeitiger Führung
des 1. FCK bedeutete das Ende der Hoffnungen. Barbarez‘ Führungstreffer für den
HSV besiegelte endgültig den dritten Abstieg der Vereinsgeschichte. Die Fans
aber sangen unverdrossen weiter. Wenige Tage später wurde Willi Reimann
entlassen.
Die Ära Heribert Bruchhagen hatte unglücklich begonnen. Immerhin endete sie 13 Jahre später etwas glücklicher. 2016 stand die Eintracht erneut in den Relegationsspielen um den Ligaverbleib. 1:1 hieß es im Hinspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Das 1:0 im Rückspiel aber hielt die Eintracht in der Liga. Es folgten Pokalfinale, Pokalsieg und die fantastischen Reisen durch Europa. Aber das sind andere Geschichten, die bei Gelegenheit erzählt werden. Die erste davon in der nächsten Ausgabe der „Eintracht vom Main“, um nach dem Abstecher in sportlich schwierige Zeiten wieder die Vorfreude auf die kommende Europapokalsaison aufzunehmen.
Warum
wir diesem Abstieg heute etwas Positives abgewinnen können?
Weil mit Friedhelm
Funkel danach der Trainer gekommen ist, der die meisten Pflichtspiele an der
Seitenlinie für die Eintracht absolviert hat und wie nach dem Abstieg 2011 drei
erfolgreiche Spielzeiten (Aufstieg, Pokalfinaleinzug, UEFA-Cup) folgten.