2011
„Rückrunde der Schande“
Vielleicht symbolisiert das Spiel am 12. März 2011 auf Schalke das Wesen der Eintracht im Guten wie im Schlechten am eindringlichsten. Es war der 26. Spieltag, die Eintracht, die nach der Hinserie noch auf Platz sieben lag und Richtung Europa schielte, hatte in der Rückrunde aus acht Spielen zwei mickrige Punkt geholt – und kein einziges Tor geschossen. Dennoch rangierte sie auf dem zwölften Tabellenplatz. Nach oben schaute aber niemand mehr. 45 Minuten waren gespielt, ein Tor bislang nicht gefallen. Torhüter Ralf Fährmann, damals im Trikot der Eintracht, hält den Ball sicher in den Händen. Zum Abschlag legt er sich den Ball auf den Boden, übersieht jedoch den dahinter lauernden Raúl, der sich den Ball schnappt und von Fährmann von den Beinen geholt wird. Elfmeter für Schalke und Gelb für Fährmann. Humorlos verwandelt Jose´Manuel Jurado den Strafstoß – und nach einem der unnötigsten Gegentreffer der Vereinsgeschichte geht es mit dem 0:1 in die Kabine der Veltins-Arena. Doch die Eintracht wäre nicht die Eintracht, hätte sie nicht noch eine Überraschung in petto. In der 70. Minute war es so weit: Weit in der eigenen Hälfte stehend, drischt Georgios Tzavellas den Ball nach vorne. Der eingewechselte Theofanis Gekas, der in der Hinserie 14 Treffer erzielte und nun schon seit Wochen neben sich steht, versucht an den Ball zu kommen, irritiert dabei Schalkes Torhüter Manuel Neuer und so senkt sich die Kugel ins Netz, ohne dass sie noch von jemandem berührt wurde. Ausgleich. Nach zermürbenden 793 Minuten hatte Eintracht Frankfurt wieder einmal getroffen. Und die Distanz von 73 Metern zwischen Torschützen und Tor bedeuteten zum damaligen Zeitpunkt neuer Bundesligarekord. Doch der Ausgleich beflügelte die SGE nicht wirklich, im Gegenteil: In der 84. Minute traf der eingewechselte Angelos Charisteas nach nicht mal einer Minute in seinem ersten Spiel für Schalke zum 2:1-Sieg. Es sollte Charisteas‘ einziges Tor für Schalke bleiben. Ausgerechnet gegen die Eintracht. Ausgerechnet Charisteas. 

Der vierte Abstieg der Eintracht-Geschichte winkte am Horizont. Und die „Rückrunde der Schande“, wie sie Vereinspräsident Peter Fischer rückwirkend bezeichnete, nahm Formen an. Daran änderte auch die Verpflichtung von Christoph Daum wenig später nichts, der den kurioserweise nach dem ersten und einzigen Sieg in der Rückrunde entlassenen Michael Skibbe eine Woche später ersetzte. In Erinnerung blieb allerdings sein Spruch auf der Antrittspressekonferenz: „Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein.“

Warum wir diesem Abstieg heute etwas Positives abgewinnen können?
Weil wir in der Saison danach direkt wieder aufgestiegen sind und wiederum nur ein Jahr später uns für Europa qualifiziert haben!