Fanabteilung trifft …
Jenning Hein
Bunt
ist sie, die Eintracht-Welt, voller Geschichten und Erlebnisse – nicht nur auf
dem Platz, sondern vor allem auch abseits des Spielfelds. Getragen werden diese
Geschichten durch die Fans und Mitglieder der Eintracht. Eines davon ist
Jenning Hein.
Als kleiner Bub ist Jenning regelmäßig zur Eintracht marschiert. Jedoch nicht in den Stadtwald, sondern in den Oeder Weg zur dortigen Turnhalle. Kinderturnen mit Papa Milos stand auf dem Programm. So begann seine Eintracht- Sozialisation zwar früh, dennoch konnten ihn auch die gelegentlichen Besuche mit seinem Großvater im Waldstadion noch nicht vom Fußball der Eintracht überzeugen. Dazu bedurfte es erst einer Fahrt von Berlin nach Frankfurt im Rahmen des Umzugs eines Freundes im Jahr 2001. Im Bus saß mit Jörg Strehler eines der Gründungsmitglieder der Fanabteilung. Was lag also näher, als über Wolfsburg zu fahren, um das dortige Auswärtsspiel der Eintracht mitzunehmen. Zwar setzte es eine 0:3- Klatsche, doch Jennings erstmaliger Besuch im Gästeblock blieb in nachhaltiger Erinnerung. Dies lag beileibe nicht am Auftritt der nicht immer magischen SGE, vielmehr beeindruckte ihn die Reaktion der Fans, die sich kollektiv dem Trübsinn verweigerten, sich die Zeit mit Schlüsselgeklimper und ausgezogenen Schuhen vertrieben und zuweilen mit dem Rücken zum Spielfeld das Geschehen ertrugen: „Das war der Moment, in dem mich die Eintracht gepackt hatte, in dem das Samenkorn meiner Fußballliebe im Rahmen der Eintracht gelegt wurde.“
Der Eintritt in die damals noch recht junge Fanabteilung folgte auf dem Fuß und fortan ging es regelmäßig zu den Spielen in den Frankfurter Stadtwald und so manches Mal auch auf Reisen. „Einmal sind wir zu viert mit einem kleinen Flugzeug nach Bremen geflogen, ein Freund hatte seinen Pilotenschein gemacht. Und natürlich waren auch die Schiffsfahrten nach Mainz stets ein Highlight – auch wenn mir die Stadt oder der Verein völlig egal sind, die Fahrten waren legendär“, grinst Jenning. Eine Dauerkarte steckt seit den ersten Besuchen im Stadion bis heute in seiner Tasche. Block 37N. Dort sitzt er mit seinen Kumpels vom EFC Edelmob, dem er seit Gründung vor 15 Jahren angehört. Ehrenmitglied ist dort neben Alex Schur auch Christoph Safran, dem die Eintracht so sehr am Herzen lag und der auf tragische Weise 2010 viel zu früh verstorben ist.
Fragt man ihn nach seinen Erlebnissen mit der Eintracht, so kommen natürlich unmittelbar die großen Fights der letzten Jahre ins Spiel, das herzzerreißende Ausscheiden im Europapokal bei Chelsea oder der Pokalsieg 2018. „Wobei ich nach dem Pokalsieg eine eigenartige Leere fühlte und gar nicht richtig feiern konnte. Ich war nach dem Spiel wie paralysiert“, erinnert sich Jenning an den unfassbaren Abend im Berliner Olympiastadion. Seine erste Reise nach Europa führte ihn 2006 mit dem Fanflieger der Fanabteilung nach Kopenhagen. Seither war er bei fast allen internationalen Spielen dabei – ob Bordeaux, Tel Aviv oder Porto.
Seine Verbundenheit zur Eintracht zeigt sich auch im persönlichen Engagement. Als Gründer der Deutschen Kommunalberatung war er viele Jahre gemeinsam mit dem Verein verantwortlich für die Ausrichtung des DeKoBe-Business- Cups am Riederwald. „Es ist unglaublich, was die Mädels und Jungs dort abseits des Profisports im Verein auf die Beine stellen. Die Veranstaltung ist ein Highlight mit einer Strahlkraft, die weit über den Fußball hinausgeht“, zeigt sich Jenning begeistert. Seit vergangenem Jahr ist er mit seinem Unternehmen auch Partner der Frauenmannschaft der Eintracht. Mit dem Effekt, dass er als Teil der Delegation auch während der Pandemie die Spiele vor Ort verfolgen konnte: „Das hat mir gerade in diesen Zeiten viel gegeben, alleine den Rasen wieder zu riechen, war ein Erlebnis“, resümiert Jenning, der seit 2013 auch lebenslanges Mitglied bei der Eintracht ist. Damals war er einer der ersten, der diese Gelegenheit wahrgenommen hatte. Lebenslanges Mitglied Nummer sechs – durchaus ein Grund, ein bisschen stolz zu sein. Zudem gehört er dem Netzwerk Semper Aquila an, ein Netzwerk der lebenslangen Mitglieder und weiterer Aspekt der großen Eintracht-Familie, die wirklich alles und jeden umspannt.
Angesprochen auf die Haltung der Eintracht im gesellschaftlichen Prozess, bezieht er sofort Stellung: „Den Satz ‚Politik hat im Stadion nichts zu suchen‘ halte ich für falsch. Gerade ein Verein wie die Eintracht kann durch klare Haltung viel erreichen – und sich als Bollwerk für die Demokratie erweisen. Deshalb bin ich auch Peter Fischer, der sich persönlich, aber ebenso für den Verein klar positioniert, sehr dankbar. Wir sind ein bunter, facettenreicher Club – und das wird auch so bleiben.“
Etwas hadert Jenning dann doch noch mit der verpassten Champions-League-Qualifikation der vergangenen Saison. „Das war schon eine große Enttäuschung, so eine Chance ist ja doch eher selten – und dass wir es nicht geschafft haben, tut mir unglaublich leid“, hat er die verpasste historische Gelegenheit noch nicht ganz überwunden. Aber immerhin: Es geht erneut nach Europa. Das ist doch schon mal was. Ob mit der Cessna, dem Fanflieger oder dem Schiff, werden wir dann sehen.
Text: Axel Hoffmann