„NIE MEHR ZWEITE
LIGA“ – EIN DEMÜTIGER BLICK ZURÜCK
Das
Eintracht-Museum hat unter anderem einen Blick auf Vereinsjubiläen geworfen, an
die man sich nicht gerne erinnert: Abstiege. Doch, und das ist vielleicht ein
kleiner Trost für gestrauchelte Vereine: Nicht alles war schlecht in Liga zwei!
Die Fans lernten neue Städte kennen, die Eintracht hat ihr Portfolio an Gegnern
erweitert – und alle haben in den Niederungen des deutschen Profifußballs viel
erlebt. In Zeiten der „besten Zweiten Liga aller Zeiten“ sei deshalb an einige
Eintracht-Highlights im Unterhaus erinnert – damals, vor vielen Jahren …
SV
Meppen
Das Synonym für die Zweite Liga war in den 1990er Jahren der SV Meppen. Nach
dem Abstieg gab es Eintracht- Fans, die T-Shirts mit dem Motto „Wir sind nun
die Deppen, wir fahren jetzt nach Meppen“ bedruckten. Und die Eintracht? Reiste
erstmals am 31. August 1996 in der zweiten Runde des DFB-Pokals ins Emsland –
und kam mit 1:6 beim Ligakonkurrenten unter die Räder. Und irgendwie wurde es
gegen Meppen nicht besser. Es folgten vier Partien in der Zweiten Liga, von
denen lediglich ein Spiel siegreich endete. Am 26. April 1998 siegte Frankfurt
vor 22.000 Zuschauern durch einen Treffer von Christoph Westerthaler 1:0.
VfB
Oldenburg
Ui, das war auch bitter. Am letzten Spieltag der Hinrunde 1996/97 setzte es vor
gerade mal noch 11.000 Zuschauern eine 2:3-Heimniederlage gegen den
Tabellenletzten VfB Oldenburg. Die Eintracht war auf Abstiegsplatz 15
angekommen, am Horizont grüßte die Regionalliga. Doch in der Rückrunde fing
sich das Team und erreichte immerhin Platz sieben. Das letzte Spiel gewannen
die Adler in Oldenburg 2:1. Die wenigen hundert mitgereisten Eintracht-Fans
feierten dort übrigens eine Strandparty, mit Luftmatratzen, Wasserbällen,
Schwimmflügeln und Gummipalmen.
VfB
Lübeck
Bis in alle Ewigkeit ist dem VfB Lübeck die große Ehre gewiss, der erste
Zweitligagegner dieser magischen SGE gewesen zu sein. Am 4. August 1996 machte
sich der Eintracht-Tross auf den Weg in die Hansestadt an der Lübecker Bucht, begleitet
von mehr als 1000 Fans. Steffen Menze erzielte das historische erste
Zweitligator der Vereinsgeschichte, Kachaber Zchadadse sorgte mit dem Ausgleich
in der 82. Minute für den ersten unterklassigen Gegentreffer. Zchadadse? Genau,
der war auch bei der Eintracht – er wollte scheinbar auch ins Geschichtsbuch.
1:1 endete die Zweitligapremiere.
Wacker
Burghausen
Wüsste irgendein Eintracht-Fan, dass sich die längste Burganlage der Welt in
Burghausen befindet? Würde sich jemand an den wachsenden Felsen erinnern? 2003
gab es eine Punkteteilung, 2004 einen 3:0-Sieg und eine ausschweifende
Bembelbar, bei der sogar der Bürgermeister von Burghausen die Gästefans
begrüßte. Zu Hause setzte es 2002 eine unangenehme 0:2-Niederlage, 2005 gab es
dafür einen verdienten 3:0-Sieg zu bejubeln – am 34. Spieltag, der den Aufstieg
klarmachte. Und die Fans sangen wieder „Nie mehr Zweite Liga“ …
LR
Ahlen
Das mit „Nie mehr Zweite
Liga“ stimmte nicht so ganz, 2001 war es bekanntlich wieder so weit. Und
diesmal ging es unter anderem zum LR Ahlen. Insgesamt absolvierte die SGE sechs
Zweitligapartien gegen den LR, und auch hier ist die Bilanz alles andere als
toll: Zwei Siegen und einem Remis stehen drei Niederlagen gegenüber. In
Erinnerung bleibt ebenso, dass immer mal wieder Fanbusse vom Frankfurter
Hauptbahnhof in Richtung Baden-Württemberg aufbrachen, statt nach
Nordrhein-Westfalen ...
SK
Slavia Paderbornska
Auch mit Paderborn gab es
schon so manches Aufeinandertreffen. Davon war eines ganz besonders. 2011 hatte
die Eintracht letztmals den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Weil
die Anhänger auch in finsteren Zeiten von nichts sehnsüchtiger träumten als vom
Europapokal, wurde die Partie am 28. Februar 2012 beim SC Paderborn von den
Fans einfach umgewidmet. Fortan ging die Reise zum SK Slavia Paderbornska.
Schon war ein ganz persönliches Europapokalfeeling geschaffen. Es gab alles,
was man von internationalen Reisen kennt, inklusive dem Treffpunkt mitten in
der Stadt. Die Auswärtsfahrt war billiger als viele andere Europapokalspiele –
sie war aber auch nicht von Erfolg gekrönt. Die Eintracht unterlag 2:4, feierte
aber die beiden Auswärtstore. Die können ja Gold wert sein. So richtig zu
würdigen wussten dies die Kreativköpfe allerdings erst sieben Jahre später nach
dem internationalen Schlagabtausch mit SL Benfica.
Spvgg
Unterhaching
Eigentlich gehört die
SpVgg Unterhaching gar nicht richtig in diese Liste, schließlich sind sich
beide Seiten auch zu Erstligazeiten begegnet. Aber: Tankard hat den Verein
geadelt, in der Hymne wird stets gesungen „Von Haching bis nach Wattenscheid,
überall war‘n wir dabei – nie mehr Zweite Liga, ein einziger Schrei“. Und:
Neben den erfolgreichen Kämpfen auf dem Platz (sieben Eintracht-Siege, ein
Unentschieden, vier Niederlagen) setzte sich die Eintracht 2002 auch in der
juristischen Auseinandersetzung durch, als Unterhaching vor Gericht zog, um der
Eintracht die erteilte Lizenz wieder zu entziehen. Die Folge waren Siege vor
dem Frankfurter Landgericht, dem Oberlandesgericht Stuttgart und Frankfurt.
Unvergessen auch die unglaublich kreative Werbeaktion mit dem Sponsor und
Riesenschaumgummifingern: „Nie mehr unter Haching“. Wahnsinn! Allein das
qualifiziert die Truppe aus dem Kreis München für diese kleine Auflistung.
Zumal die Riesenschaumgummifinger nach dem Verteilen auf den Plätzen wieder
eingesammelt werden mussten. Sie waren nicht brandschutzkonform.
Fortuna
Köln
Das sind doch mal gute
Nachrichten: Gegen Fortuna Köln gab es nie eine Niederlage. In zwei Jahren
Zweite Liga gewann die Eintracht drei Mal, eine Begegnung endete im Südstadion
unentschieden. Und dann haben die Hessen 1975 auch noch im
DFB-Pokalviertelfinale gegen die Fortuna gewonnen. Erinnerungswürdig bleibt auf
jeden Fall der letzte Spieltag der Aufstiegssaison 1997/98. Die Bundesligarückkehr
schon gewiss habend besiegte Frankfurt die Fortuna 4:2 – und Uwe „Zico“
Bindewald verwandelte unter dem Jubel von über 41.300 Fans in der 80. Minute
einen Foulelfmeter zum Endstand. Danach folgte der Strip von Thomas Zampach.
Und die Fans sangen vollkommen überzeugt „Nie mehr Zweite Liga!“
SV
Babelsberg 03
Finstere Zweite Liga: Am
15. Dezember 2001 trat die Eintracht erstmals beim SV Babelsberg 03 an, die
Mannschaft siegte 3:1 und Christoph Preuß erzielte zwei Treffer. Damals waren
überschaubare 3800 Zuschauer im Karl-Liebknecht-Stadion. So mickrige
Zuschauerzahlen gibt’s in Frankfurt nicht, grummelten alle in gewohnter
Frankfurter Arroganz. Und staunten nicht schlecht, als sich die Eintracht am
letzten Spieltag der Saison mit dem Spiel gegen Babelsberg das alte Waldstadion
verabschiedete, welches anschließend nach und nach umgestaltet wurde. 8500
Zuschauer verliefen sich im weiten Rund, und das, obwohl es vor der Partie noch
einen tollen Kick der Traditionsmannschaft zu bestaunen gab.
Karlsruher
SC
Und dann da noch der KSC. Auf den sind die Hessen in der Bundesliga eigentlich
so oft getroffen, dass er in einem Zweite-Liga-Best-of nicht vorkommen müsste.
Aber! Bitte erinnert euch: Das erste Spiel der Eintracht in Liga zwei fand
gegen den VfB Lübeck statt. Und das letzte? Korrekt, gegen den Karlsruher SC.
Am 6. Mai 2012 begaben sich mehr als 10.000 Fans nach Karlsruhe, um die SGE zu
feiern, die den Aufstieg bereits zwei Wochen zuvor in Aachen klargemacht hatte.
Mit einem Sieg bei den abstiegsbedrohten Badenern wäre die
Zweitligameisterschaft sicher gewesen. Aber Frankfurt ist für Größeres geboren
als einen Titel im Unterhaus. Entsprechend unterlag Frankfurt stilvoll 0:1 und
wurde hinter Greuther Fürth Zweiter. Die Feier stieg trotzdem, selbst die
Polizei zeigte eine spannende Pferdechoreographie auf dem Platz. Ein würdiger
Abschied aus der Zweiten Liga.