Was macht eigentlich ...
... Rainer Rauffmann?

Rainer Rauffmann
*26. Februar 1967 in Kleve
Bei der SGE: 1995 – 1996
Spiele für die SGE: 26 Bundesliga,
Schönstes Tor: 2 DFB-Pokal, 4 UI-Cup Beim Auswärtsspiel auf St. Pauli, „ein halber Fallrückzieher“

Rainer Rauffmann lebt auf Zypern und arbeitet dort seit vielen Jahren im Scouting-Team von Omonoia Nikosia. 1997 verließ der ehemalige Eintracht-Spieler sein Heimatland, er bezeichnete diesen Wechsel einst als „letzte Ausfahrt seiner Karriere“ nach zuvor wenig erfolgreichen Engagements. Dafür wurde er belohnt, auch wenn der Start nicht einfach war. „Am ersten Tag dort waren es 50 Grad, ich wollte schnell wieder weg“, sagt er.

Geblieben ist er bis heute. „Mir geht es gut hier, ich bin restlos glücklich“, sagt er. Für das Weihnachtsessen war auch schon vor Wochen gesorgt, der in Bayern aufgewachsene Rauffmann isst gerne fränkische Klöße. „Meine Tochter war kürzlich in Deutschland und hat welche mitgebracht“, berichtet er.

Der 55-Jährige hat auf Zypern geheiratet, eine Familie gegründet, die zyprische Staatsbürgerschaft angenommen – und über einen Zeitraum von sieben Jahren mehr als ein Tor pro Spiel geschossen. Für Omonoia Nikosia war Rauffmann am Ball, wurde viermal hintereinander mit jeweils über 30 Treffern Torschützenkönig und zweimal Meister (2001 und 2003).

Auf der Insel ist Rauffmann eine Legende und als „Trellos Germanos“ bekannt, als verrückter Deutscher – ganz im positiven Sinne. Mit Omonoia ist er in jüngerer Vergangenheit regelmäßig im internationalen Geschäft vertreten. In der vergangenen Spielzeit scheiterte Omonoia in der Europa-League-Qualifikation im Elfmeterschießen am Royal Antwerp FC, der wenig später gegen die Eintracht spielte. Zum dritten Mal in Folge sind die Grün-Weißen diese Saison in der Gruppenphase eines UEFA- Wettbewerbs vertreten und verkauften sich in diesem Herbst trotz sechs Niederlagen in der Europa League teuer. Vier Partien verlor der zyprische Verein mit nur einem Treffer Differenz – darunter beide Duelle mit Manchester United. „Wir hatten in jedem Spiel unsere Chancen. Leider hat es nicht gereicht“, erzählt Rauffmann. Unter den englischen Wochen litten zuletzt die Ergebnisse in der Liga. Trotzdem sind die internationalen Ränge noch in Sichtweite – und auch das Ziel von Omonoia.

„Für die Fans tut mir der Abstieg heute noch leid“ – Rainer Rauffmann -

Die Eintracht verfolgt er heute immer noch sehr genau. „Ich schaue jedes Spiel, sofern es nicht mit unserem Spielplan kollidiert“, sagt er. „Die Fans sind überragend, schon das ist das Zuschauen wert. Unglaublich, Hut ab.“ Gelegentlich hat er auch Kontakt zu den Scouts der Eintracht. „Wir haben Talente. Aber natürlich ist es schwer für unsere Jungs, Bundesliganiveau zu erreichen.“

Mit gemischten Gefühlen blickt er auf seine Eintracht-Zeit zurück. „Wir hatten von den Namen her eine Mannschaft, die sich für Europa hätte qualifizieren müssen. Dann steigen wir erstmals ab. Für die Fans tut mir das heute noch leid“, berichtet er. Dafür erfreut er sich heute umso mehr an der Eintracht. Auch von Zypern aus, wo er nun schon seit einem Vierteljahrhundert lebt.

Text: Michael Wiener
Fotos: imago images, Michael Wiener