N I Z A G A M B U L K STAMMTISCH / UNSERE GESCHICHTEN den, warum die Eintracht toll ist. Das wird dann auch verkauft, weil der Adler drauf ist. Aber nochmal, und das ist wichtig: Bücher, insbesondere Eintracht-Bücher, sind etwas Wunderbares. Bleiben wir mal bei sehr guten Büchern über die Eintracht. Michael, Du hast zusammen mit der Eintracht „Stim- men der Eintracht“ auf den Weg ge- bracht, zwei Bände sind erschienen mit Geschichten aus der Ich-Perspek- tive von aktuellen und früheren Spiele- rinnen und Spielern, Trainern, Verant- wortlichen sowie prominenten Fans, die auf sehr persönliche Weise über ihr Leben, den Fußball und die Eintracht sprechen. Warum ist das kein Buch, in dem Du – um im Bild zu bleiben – den Mixer benutzt hast? Michael Horeni: Das ist Manufaktur, das kann man auch nicht mit KI generieren. Da gehört jahrzehntelange Erfahrung aus meiner Tätigkeit für Zeitungen dazu, in denen ich über Profifußball, Vereine und Leute berichtet habe; inklusive per- sönlicher Beziehungen zu den Ge- sprächspartnern. In den Vorgesprächen haben wir Ziele und Erwartungen abge- steckt, um dann den Raum in einer ver- trauensvollen Atmosphäre zu schaffen. Wie sind diese Gespräche abgelaufen? Horeni: Man braucht Zeit. Nach 20, 30 Minuten haben die Gesprächspart- ner alle Dinge von sich erzählt, die sie immer wieder mal irgendwo schon ge- sagt haben. Wenn dann die Gespräche weitergehen, kommen sie selbst an Punkte, an denen sie vorher noch gar nicht waren. Es ist kein Zufall, dass zwei-, dreimal Tränen geflossen sind, weil es auf einmal ganz berührende Geschich- ten gibt und es für sie das erste Mal war, dass sie darüber sprechen konnten. Bein, Chandler, Grabowski, Ribbeck, Feigenspan, Trapp, Freigang, Loy, Ohms, Stein und einige mehr – insge- samt treten in den zwei Bänden 24 Personen in Erscheinung. Was war für Dich das emotionalste Gespräch? Horeni: Vielleicht das mit Maurizio Gau- dino. Nach einer guten Stunde waren wir bei seinem Scheitern, bei der Trennung von Eintracht Frankfurt. Dann kam er auf die Rolle des damaligen Managers Bernd Hölzenbein zu sprechen, der eine ambi- valente Position hatte. Holz meinte, 48 Maurizio dürfe den Verein verlassen. Er musste dann aber doch bleiben, weil Jupp Heynckes dies sagte, und dann ist er suspendiert worden. Wenige Tage später wurde er im Fernsehstudio bei ei- ner Sendung von Thomas Gottschalk festgenommen. Er sagte, dass er es Höl- zenbein und dem damaligen Präsidenten Matthias Ohms zu verdanken habe, dass er aus dieser Situation wieder rausge- kommen ist, weil sie zu ihm gestanden haben. Holz war ein Jahr vor unserem Gespräch verstorben. Dann haben sich bei Maurizio die Gefühle verdichtet, so- dass es irgendwann aus ihm rausgebro- chen ist und er geweint hat. Das war sehr emotional. „Ich könnte das auch nicht für einen anderen Verein tun. Ich mache das mit Herzblut – bin einfach erst mal Eintracht-Fan […].“ Michael Apitz über Eintracht-Comics Um etwas andere Gefühlswelten geht es bei Euch, Michael und Henni, in Eurem gemeinsamen Buch „Adlerträ- ger“. Wie kam es eigentlich damals zu dieser Idee? Michael Apitz: Wir haben uns auf der Hochzeit von Michael Feick [ehemaliger Pressesprecher der Eintracht; Anm. d. Red.] kennengelernt. Am Ende des Abends sagte Henni: „Komm, lass uns mal was zusammen machen.“ Eigentlich der Todesstoß in jeder Beziehung. Henni Nachtsheim: In meiner Branche heißt das so viel wie: Wir sehen uns nie wieder (lacht). Apitz: Wir haben irgendwann einen Ter- min vereinbart, zusammen mit Matze. Nachtsheim: Wir wussten schon, dass wir ein Buch machen wollen. Zu dritt ha- ben wir dann gebrainstormt, sind gut ins Laufen gekommen. Ich habe schon mit sehr vielen Leuten zusammengearbei- tet, aber drei muss ich herausheben: Gerd Knebel bei Badesalz, Andreana Clemenz [Regisseurin bei „Adlerher- zen“; Anm. d. Red.] und Michael. Das sind die drei Granden, mit denen man super arbeiten kann. Mit Michael gibt es eine sehr schöne Anekdote im Zusam- menhang mit „Adlerträger“. Bitte. Nachtsheim: Wir haben noch in der An- fangsphase der Buchentstehung für den Jahreskatalog des Verlags sehr zeitnah ein Layout zum Cover gebraucht. Da habe ich Michael angerufen und er sag- te: „Das schaffe ich diese Woche auf kei- nen Fall, so viel zu tun“, und so weiter. „Gut“, hab ich gesagt, „dann kommt der Prospekt halt ohne Cover raus!“ Zwei Stunden später schickte er einen Ent- wurf rüber. Sensationell. Apitz: Erfolgsrezept unserer Zusammen- arbeit ist, dass wir unsere Grenzen ken- nen. Er textet, ich zeichne anschließend, und in 90 Prozent der Fälle sagt Henni: Jawoll, das ist geil so. Da kam es natürlich auch schon zu lustigen Momenten. Nachtsheim: Lilli, unsere Hauptprotago- nistin, war am Anfang sechs, aber hat nach meinen Texten nicht geredet wie eine Sechsjährige. Dann habe ich Michael geschrieben, dass wir sie älter machen müssen. Er hat einfach die Beine länger gemacht. Ich musste so lachen! „Adlerträger“ ist vor vielen Jahren entstanden, hat aber nach den zwei Pokalsiegen immer wieder neue Auf- lagen erfahren und damit an Aktuali- tät nichts eingebüßt. Brandaktuell ist zumindest seit vergangenem Jahr „Adlerherzen“, das Bühnenstück über die Eintracht. Im Mai geht’s weiter. In- haltlich sind durchaus Parallelen zu „Adlerträger“ zu erkennen, Henni? Nachtsheim: Beides kommt auch von derselben Person (lacht). Bestimmte Denkweisen in „Adlerträger“ konnte ich gut in „Adlerherzen“ übernehmen. Da waren Grundlagen dabei, es ist natür- lich keine Kopie des kompletten Buchs. Bei „Adlerträger“ geht es um das kleine Mädchen Lilli Pfaff, bei Adlerherzen ist die Hauptfigur Mathilde um die 20 Jahre alt. Ich finde es immer schön, dass die Protagonisten bei den Eintracht-Storys nicht immer klassisch Jungs sind. Michael und ich haben beide Töchter, da haben wir uns für Lilli entschieden.