Frauen / Unser Sport 18. September 2026, Mainz, MEWA ARENA, über 16.000 Zu- schauer: Die Eintracht hechelt beim Tabellenletzten 1. FSV Mainz 05 einem 0:2-Rückstand hinterher. Es läuft die 58. Minu- te, Erëleta Memeti bringt einen Eckball scharf vors Tor. Marthi- ne Østenstad dreht sich etwas vom Ball weg, bekommt ihn an die Schulter, das Spielgerät trudelt über die Linie ins Tor. Nur noch 1:2 aus Sicht der Frankfurterinnen, die Aufholjagd hat be- gonnen. Letztlich dreht die Mannschaft von Niko Arnautis die Partie und gewinnt mit 3:2. Ein wichtiger Treffer also von der norwegischen Innenverteidigerin. Es ist der erste im Dress der Frankfurterinnen. und die Vorstellungen von Trainer Niko Arnautis anzupassen. Bei Brann war sie einen Fußball mit viel Ballbesitz gewohnt. In Frankfurt geht es schneller nach vorne, mit einem stärkeren Fo- kus auf direkte Angriffe. „Ich glaube, inzwischen habe ich eine gute Balance gefunden“, sagt Østenstad. Sie könne Ruhe am Ball zeigen, gleichzeitig aber auch schneller nach vorne spielen und gute Lösungen finden. Genau diese Entwicklung war für sie ein wichtiger Antrieb. Schon bei ihrem Wechsel hatte sie das Gefühl, dass Frankfurt sportlich und persönlich sehr gut zu ihr passen würde. Sie wusste, welches Potenzial der Verein für ihre Entwicklung bietet und hat inzwischen das Gefühl, sich im ver- gangenen Jahr sehr gut weiterentwickelt zu haben. Østenstad hatte sich vor der Saison zum Ziel gesetzt, diesen Teil ihres Spiels weiterentwickeln zu wollen. „Ich weiß, dass die besten Innenverteidigerinnen der Welt auch Tore schießen und bei Standardsituationen gefährlich sein können. Das gehört für mich zu dieser Position dazu“, sagt sie. Kurz vor dem Spiel hatte Østenstad noch mit dem Co-Trainer Analyse, Christos Rellas, darüber gesprochen, bei Standardsituationen mehr Verant- wortung zu übernehmen und zu treffen. Dass es dann tatsächlich funktionierte, machte den Moment umso schöner. „Für mich ist es sehr wichtig, auch neben dem FuSSball glücklich zu sein, um auf dem Platz meine Leistung abrufen Dazu gehört für sie auch die besondere Atmosphäre rund um die Eintracht. Als Østenstad nach Frankfurt kam, wusste sie be- reits, dass zwischen Mannschaft und Fans eine besondere Ver- bindung besteht. Inzwischen hat sie selbst erlebt, welchen Unterschied die- se Leidenschaft machen kann. Beson- ders deutlich wurde das beim Spiel gegen Mainz von jenem 18. September, dem Tag mit ihrem Premierentor. Noch nie waren so viele Fans in der Liga bei einem Auswärtsspiel der Eintracht Frauen mitgereist. „Für viele Fußballe- rinnen ist es ein großer Traum, vor einem vollen Stadion und in großen Sta- dien zu spielen“, sagt sie. Die Leidenschaft der Fans übertrage sich auf die Mannschaft und bringe die Spielerinnen dazu, ihr eigenes Level noch einmal zu steigern. „Man möchte für Men- schen spielen, die so leidenschaftlich dabei sind.“ Genau diese Kultur war für die norwegische Nationalspielerin ein wichtiger Grund, nach Frankfurt zu kommen und sie ist auch ein Teil dessen, was die Bundesliga für sie besonders macht. Das Niveau sei höher, die Spiele schneller und die Fankultur noch leidenschaftlicher. Gleichzeitig habe sie gelernt, dass die Atmosphäre bei Eintracht Frankfurt etwas Besonderes ist: „Ich glaube nicht, dass es bei jedem Verein genauso ist.“ Wenn sie auf ihre bisherige Zeit zurückblickt, kommt ihr nicht zuerst das erste Tor in den Sinn. Ihre schönste Erinnerung ist ihr erstes Spiel von Beginn an bei der mittlerweile abgestiegenen SGS Essen am 14. Spieltag der Vorsaison. Nach dem schwieri- gen Start sei es für sie ein besonderer Moment gewesen, erst- mals in der Startelf zu stehen. Ein persönlicher Meilenstein, der zeigte, dass sie auf dem richtigen Weg war. Dieser Weg spielt sich für die Verteidigerin allerdings nicht nur auf dem Fußballplatz ab. Sie hatte vor ihrem Wechsel nach Deutschland darüber nachgedacht, wie es sein würde, im Aus- land zu leben. Eine ihrer größten Sorgen war, sich isoliert zu füh- len. Sie stellte sich vor, zum Training zu gehen, anschließend nach Hause zu fahren und davor und danach nicht allzu viel zu erleben. „Ich glaube, das war die größte Überraschung, seit ich hier bin.“ Denn genau das Gegenteil ist eingetreten. Die Mann- schaft ist für sie längst auch abseits des Fußballs ein wichtiger Teil ihres Lebens geworden. Auch Frankfurt selbst hat sie für zu können.“ N I Z A G A M B U L K Seit rund einem Jahr und drei Monaten lebt die 25-Jährige mittlerweile in Frankfurt. Im Sommer 2025 war sie vom SK Brann aus Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens, zur Eintracht gewechselt und hatte einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Der Start ver- lief allerdings nicht ganz nach Plan. Eine Verletzung machte die ersten Monate schwierig. Erst vor Weihnachten konnte sie wie- der richtig ins Training einsteigen und auf dem Platz stehen. Mit Beginn der neuen Saison hat Østenstad nun das Gefühl, ihren Rhythmus gefunden zu haben. „Vielleicht kann ich jetzt zum ersten Mal seit meinem Wechsel nach Frankfurt wirklich so spielen, wie ich selbst spielen möchte.“ Dabei war ihr Ankommen in Frankfurt mehr als nur eine sportli- che Geschichte. „Von Anfang an habe ich es genossen, Teil des Teams zu sein, die Menschen kennenzulernen und die Stadt zu erleben“, erzählt die Norwegerin, die am 18. März 2001 in Sta- vanger geboren wurde und seit 2023 norwegische A-National- spielerin ist. Besonders die Mannschaft mache es ihr leicht, in einem neuen Land Fuß zu fassen. Sie fand früh gute Freundin- nen und erlebte eine Gruppe, die auch außerhalb des Platzes gerne Zeit miteinander verbringt. Gerade wenn man in ein neu- es Land zieht, niemanden kennt, die Stadt noch nicht kennt und – wie Østenstad – die Sprache zunächst nicht spricht, sei das eine große Hilfe. Mit der deutschen Sprache klappt es inzwi- schen zumindest insofern, als sie ein persönliches Lieblings- wort gefunden hat: „Schmetterling“. Warum? „Weil ich finde, dass es einfach ein süßes Wort ist“, sagt sie lachend. Auch auf dem Platz musste sich die 25-Jährige zunächst an ei- niges gewöhnen. Ihr erstes Spiel für die Eintracht absolvierte sie am 10. Dezember 2025 gegen Nürnberg. Die größte Heraus- forderung sei dabei gewesen, sich an den Spielstil der Eintracht 68